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Das Unglück anderer Leute: Der Debütroman von Nele Pollatschek

Ich habe mit der Wahl meiner Familie Glück gehabt, so habe ich es immer gesehen. Also gut, die Wahl konnte ich, so wie jeder andere nicht treffen. Der Zufall hat entschieden, dass ich sehr gut mit meinen Eltern auskomme. Es gab da nie größere Schwierigkeiten. Manchmal gab es Streit, der war aber immer innerhalb von maximal zwei Tagen beseitigt. Das meine Situation in dieser Hinsicht ein großes Glück ist, ist mir meist nicht so bewusst – es war schließlich schon immer so.

Abwesenheitsnotiz Lisa Owens
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Abwesenheitsnotiz von Lisa Owens oder wie blockiere ich mich selbst

Besonders gern lese ich Bücher, die von jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren geschrieben wurden. Wann diese Liebe zu den jungen Autorinnen angefangen hat, weiß ich gar nicht mehr. Bei solchen Büchern habe ich immer ein bisschen das Gefühl, dass sie mich betreffen: Meinen Alltag, meine Probleme, meine Gedanken. Komprimiert könnte man sagen, es sind Bücher meiner Generation für meine Generation. Manche Figuren sind dann auch tatsächlich ziemlich nah an mir dran, andere sind hingegen so weit entfernt wie die Erde vom Stern Aldebaran im Sternenbild Stier, also konkret heißt das 65 Lichtjahre. Auf Claire Flannery aus „Abwesenheitsnotiz“ und mich trifft dieser Sternenvergleich ziemlich gut zu.

Anneliese Mackintosh So bin ich nicht
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Anneliese Mackintosh: So bin ich nicht

Es gibt Bücher, gegen die ich beim Lesen regelrecht kämpfen muss. Diese Bücher sind alles andere als leicht verständlich und schon gar nicht leicht oder schnell zu lesen. Sie beanspruchen meine ganze Aufmerksamkeit, auch dann, wenn ich überhaupt nicht in ihnen lese. Meine Gedanken kreisen dann immer um dieses Buch. Also denke ich an das Buch: Wenn ich meine Zähne putze; Wenn ich mir Mittagessen koche; Wenn ich mich schminke; Wenn ich in der Uni in einer Vorlesung sitze und eigentlich zuhören sollte; Wenn ich auf Arbeit an einer Excel Tabelle herumdoktere; Wenn ich meinen Freund küsse; Wenn ich in einem anderen Buch lese und auch nachts, wenn ich viel lieber schlafen würde. Bücher dieser Art machen mein Leben als Leser und Buchblogger zur Hölle, weil sie mich noch einige Zeit verfolgen. Vielleicht verfolgen sie mich auch für den Rest meines Lebens – zumindest ist das so im Fall von Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, das habe ich mit 16 gelesen und seitdem geht es mir dreckig.

Michael Nast Generation Beziehungsunfähig
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Generation Beziehungsunfähig – Die Michael Nast Show

Er ist 40 Jahre, veröffentlicht Bücher, schreibt Kolumnen und verfasst Drehbücher. Momentan befindet er sich auf groß angelegter Lesereise und füllt in jedem größeren Kaff mit mehr als 100.000 Einwohnern die Veranstaltungshallen. Sein Beziehungsstatus ist Single – und genau das passt hervorragend ins Konzept. Zu seinen Lesungen kommen vorrangig Frauen im Alter von etwa 20 bis 50 Jahren – mit vorrangig meine ich 97,42%, manchmal verirrt sich eben doch ein Mann. Und Michael Nast weiß genau das zu nutzen.

Ronja von Rönne Wir kommen
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Ronja von Rönne und die neurotische Adoleszenz

Erwachsenwerden ist nicht einfach, das hat uns schon J.D. Salinger mit „Der Fänger im Roggen“ vorgeführt. Aber eigentlich muss nicht zwangsweise die Erziehung scheitern, sich das Kind nicht geliebt fühlen, wenn es für eine Stunde mal nicht die volle Aufmerksamkeit der Eltern bekommen hat. Oder? Beim Lesen von „Wir kommen“ von Ronja von Rönne möchte ich daran zweifeln, niemand kann so gesund erwachsen werden, dass er nicht mindestens 20 Therapiestunden bräuchte.

180 Grad Meer Sarah Kuttner
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Die unbesiegbare Wut in einem oder „180 Grad Meer“

Sarah Kuttner hat mal wieder ein Buch für junge Leute geschrieben. Das ist nicht ungewöhnlich, das tut sie eben so neben dem Moderieren von flippigen Fernsehshows auf kleinen Randsendern, die „intelligentes und unterhaltendes Fernsehen für die Menschen zwischen 25 bis 49 Jahren“ machen. Um die Lesereise nach Veröffentlichung des neuen Buchs kommt sie dabei auch nicht herum: Die ersten drei Lesungen fetzen ihr noch, dann wird es etwas schwieriger und ihr eigenes Buch beginnt sie, nach Lesung Nummer 10 zu langweilen. Ich hatte großes Glück, denn am Februar begann ihre Lesereise in Chemnitz und ich war sozusagen bei der Generalprobe für alle anderen Lesungen dabei. Dementsprechend war es manchmal holprig, aber immer sehr kurzweilig. Aber in diesem Artikel geht es nicht um Sarah Kuttners Disziplin Lesungen durchzuziehen; die hat sie nicht. Mir geht es um ihr am vergangenen Silvester veröffentlichtes Buch „180 Grad Meer“.

Sarah Kuttner
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Ein Abend mit Sarah Kuttner und Hund

Wie könnte man den Auftakt einer Lese-Tour besser beginnen, als dem Publikum die Vor- und Nachteile der Lesung aufzuzählen? Immerhin hat der Zuhörer dann noch die Chance möglichst schnell das Weite zu suchen, bevor es zu spät ist und sich der Abend als Fehlinvestition in finanzieller und zeitlicher Hinsicht entpuppt – in der Betriebswirtschaftslehre könnte man das als Risikominimierung bezeichnen. Ist Sarah Kuttner nun also besorgt um ihre Zuhörer? Ein bisschen vielleicht. Jedenfalls hat sie Mitleid mit den armen Männern, die von ihren Freundinnen gezwungen wurden, anlässlich des Valentinstags auf eine Sarah Kuttner Lesung zu gehen. Im Publikum hat sich genau ein Mann geoutet und diesem wollte Frau Kuttner am liebsten irgendwas schenken, um ihren oder seinen Schmerz zu lindern.

Tabea Mußgnug Nächstes Semester wird alles anders
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Tabea Mußgnug: Nächstes Semester wird alles anders …

Wer heute mit Mitte zwanzig an einer Uni studiert, ist sich sicher, dass er wahrscheinlich niemals erwachsen werden wird. Als die eigenen Eltern in dem Alter waren, waren sie schon verheiratet und die Großmutter hatte mit Mitte zwanzig schon 4 Kinder oder so. Der moderne Student hat dagegen nur 4 absolvierte Seminare, unzählige Vorlesungen und mit etwas Glück eine Bachelorarbeit/Masterarbeit vorzuweisen. Dieses Schauspiel sieht für den Außenstehenden ganz intelligent aus, bedeutet aber kaum etwas außer jeder Menge Freizeit und Langeweile. Aber das macht nichts. Und es macht auch nichts, dass besagter Student eigentlichen keinen Plan hat, was er da macht oder in Zukunft mit seinem Leben anstellen will. Diese Sätze fassen Tabea Mußgnugs Buch „Nächstes Semester wird alles anders“ ganz gut zusammen. Ich kanns sogar noch komprimierter: Studenten werden nie erwachsen und haben keine Ahnung, was sie werden wollen – aber alles wird gut!

Jackie Thomae Momente der Klarheit
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Momente der Klarheit mit (und von) Jackie Thomae

Manche Romane klingen im Buchladen so fabelhaft. Genau die richtige Geschichte zu meiner Geschichte oder so. Und was passiert mit der Magie, wenn man das Buch dann liest? Sie verschwindet im Sumpf der seltsamen Zeilen und Unmut macht sich breit. Unmut, der sich schwer unterdrücken lässt, weil man sich irgendwie grundsätzlich betrogen fühlt von einer Autorin. Schließlich hat sie Versprechen gebrochen und nicht eingelöst. Genau diese Gefühle habe ich bei Jackie Thomaes Buch „Momente der Klarheit“.

Morgen ist es vorbei Kathrin Wessling
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Bumerang aus Stacheldraht oder Morgen ist es vorbei

Ein großes Ziehen in der Brust, absolute Leere im Kopf, Brennen in den Augen. So fühlt es sich an, wenn der Bumerang aus Stacheldraht wieder einmal zurückgekehrt ist und wie immer voll das Herz getroffen hat. Bumerang aus Stacheldraht? Das ist die Metapher, die Kathrin Wessling für Liebeskummer verwendet in einer ihrer Geschichten aus dem Buch „Morgen ist es vorbei“. Und Liebeskummer gibt es in diesem Buch sehr viel, versprochen.