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Die Verteidigung des Paradieses – Ein Buch von Thomas von Steinaecker

Vergangenes Jahr auf der Longlist vom Deutschen Buchpreis 2015 stand das Buch „Eigentlich müssten wir tanzen“ von Heinz Helle. Eine Dystopie. Es war eines der wenigen Bücher, die ich von der Longlist damals gelesen und rezensiert habe. Irgendwie interessieren mich die dystopischen Romane immer ganz besonders. So ist auch „Die Verteidigung des Paradieses“ von Thomas von Steinaecker das erste Buch, welches ich von der Longlist 2016 lese. Das Thema Untergang geht eben immer.

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Das Unglück anderer Leute: Der Debütroman von Nele Pollatschek

Ich habe mit der Wahl meiner Familie Glück gehabt, so habe ich es immer gesehen. Also gut, die Wahl konnte ich, so wie jeder andere nicht treffen. Der Zufall hat entschieden, dass ich sehr gut mit meinen Eltern auskomme. Es gab da nie größere Schwierigkeiten. Manchmal gab es Streit, der war aber immer innerhalb von maximal zwei Tagen beseitigt. Das meine Situation in dieser Hinsicht ein großes Glück ist, ist mir meist nicht so bewusst – es war schließlich schon immer so.

Schwarz und Silber von Paolo Giordano
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Der Tod ist allgegenwärtig (Schwarz und Silber von Paolo Giordano)

Wie kann es sein, dass gerade die unscheinbaren Bücher das Herz mit der Wucht einer Kanonenkugel treffen? Mit „unscheinbar“ meine ich, dass diese Romane vom Medienzirkus relativ unbeachtet bleiben und die Cover auch meist sehr zurückhaltend gestaltet sind. Es ist, als ob die Verlage den emotional-explosiven Inhalt tarnten: Lieber Leser, es ist besser für dein Gemüt, wenn du dieses Buch einfach in der Buchhandlung stehen lässt. Lies das nicht, du machst dich nur ein bisschen unglücklicher (im Sinne von traurig). Mir ist das schon so bei „Raubfischen“ von Matthias Jügler ergangen und bei „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held. Jetzt habe ich wieder ähnliche Gedanken bei Paolo Giordanos Buch „Schwarz und Silber“.

Die Haltlosen von Oguz Atay
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Das Opus Magnum der türkischen Literatur: Die Haltlosen von Oguz Atay

Ich setze mich auf das Sofa. Es ist der erste Tag nach der Leipziger Buchmesse 2016. Ein Tag nach vielen Tagen voller Bücherrausch, kilometerlanger Wanderungen und Gesprächen bis zur Heiserkeit.  Nun sitze ich also endlich auf der Couch, zuvor habe ich meine Taschen ausgepackt und die verschwitzte Kleidung in die Waschmaschine geworfen. Leise surrt es aus dem Bad. Es ist etwa 11 Uhr am Vormittag und die Sonne durchflutet regelrecht mein Wohnzimmer. Vor mir liegt ein hellblaues Buch, ein dickes Buch, ein gewichtiges Buch, ein bedeutendes Buch. Eigentlich bin ich ziemlich erschöpft, ein wenig übermüdet und dennoch beginne ich zu lesen in dem Buch, welches ich mit zwei Händen halten muss. Eine Hand reicht nicht aus, ist zu schwach. Das war der Beginn meiner tagelangen Lesereise durch das Opus Magnum der modernen türkischen Literatur: Die Haltlosen von Oguz Atay.

Die Knochenuhren von David Mitchell
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Die Knochenuhren oder eine Symphonie aus Büchern

Immer wieder aufs Neue gerate ich ins Staunen, wenn ich eines der Bücher von David Mitchell lese. Wieviele Ideen und Plotwendungen passen in einen Kopf? In einen Roman? Und warum muss gerade David Mitchell das Gesamtkontingent für Einfälle von zehn gestandenen Schriftstellern in ein einziges Buch pressen? „Die Knochenuhren“ ist nach „Chaos“, „Number 9 dream“, „Der Wolkenatlas“, „Der dreizehnte Monat“ und „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ der sechste Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde vom Übersetzer Volker Oldenburg.

Julian Barnes Am Fenster
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Am Fenster von Julian Barnes oder Ode an die Literatur

Schreiben über das Schreiben und die Literatur. Manchmal kann das ziemlich schmerzhaft und anstregend sein, ich weiß das sehr gut. Andererseits haben Schriftsteller beziehungsweise Autoren anderen Menschen gegenüber einen Vorteil: Wenn sie eine schmerzhafte Erfahrung machen, können sie sich den Moment, der die Eingeweide zutiefst erschüttert aufheben und irgendwann später für ihre Kunst noch einmal nutzen. So sieht es zumindest Julian Barnes, der bereits 2012 den Essayband „Am Fenster“ veröffentlicht hat. Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag wurde das Buch nun ins Deutsche übersetzt.

Eigentlich müssten wir tanzen Heinz Helle
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Eigentlich müssten wir tanzen oder das Ende der Menschlichkeit

Es ist ein Buch wie ein Film. Kurze Szenen, die mit hoher Schlagzahl aneinandergereiht wurden. Ein Augenblick ist unmenschlicher als der davor. Das Tempo ist hoch und erdrückend für das Leserherz. Heinz Helle hat mit „Eigentlich müssten wir tanzen“ einen dystopischen Roman geschrieben, der (wer hätte es auch erwartet) vom Ende der Welt berichtet, wie wir sie kennen. Das Buch stand 2015 auf der Longlist des deutschen Buchpreises und ist der zweite Roman von Hein Helle. Sein Debüt war „Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin“.

Stürme im Gehirn Jon Palfreman
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Stürme im Gehirn oder der Mistkerl Morbus Parkinson [Anzeige]

Es ist ein Drama, eine Tragödie. Das Leben hat sich mal wieder von hinten angeschlichen und schonungslos das Brotmesser in den Rücken eines Menschen gerammt. Jon Palfreman ist Journalist, er war sogar Professor für Journalismus an der University of Oregon. Sein Spezialgebiet ist die Medizin und dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Während seiner beruflichen Laufbahn schrieb er auch Texte über die Krankheit Parkinson. Umso ironischer ist die Diagnose, die Jon Palfreman 2011 im Alter von 60 Jahren erhält: Morbus Parkinson. Die Nachricht wird begleitet von Schock und Verdrängung; die Angst vor der Zukunft frisst sich unaufhaltbar in jede Zelle des Körpers. Aber Palfreman gibt nicht auf, angespornt von seiner eigenen Krankheit beginnt er, Fakten über Parkinson zu sammeln. Im Februar 2016 veröffentlichte der Beltz Verlag Jon Palfremans Buch „Stürme im Gehirn“. In diesem Buch verknüpft der Autor seine eigene Erfahrung mit den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Krankheit Parkinson.

Thees Uhlmann - Sophia, der Tod und ich
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Sophia, der Tod und ich oder Thees Uhlmann als Romancier

Können Musiker Bücher schreiben? Musiker könnte an dieser Stelle auch durch ein beliebiges anderes Wort wie Schauspieler, Politiker, Model, Nachrichtensprecher, … ausgetauscht werden. Es ist eigentlich fast schade, dass in dieser Frage immer auch etwas Häme mitschwingt. Mal sehen, wie das Buch so ist, aber wahrscheinlich wird es sowieso nichts. Eigentlich habe ich deswegen auch schon keine Lust Bücher von – ich wähle jetzt mal einen Sammelbegriff – Prominenten diverser Grade zu lesen. Jetzt die Frage: Warum hab ich es bei Thees Uhlmann doch getan?

Auerhaus Bov Bjerg
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Früher Hogwarts, heute Auerhaus

Bis vorgestern wollte ich gern mal nach Hogwarts, nur bin ich mir da nicht mehr so sicher. Eigentlich möchte ich jetzt lieber ins Auerhaus einziehen. Das Auerhaus ist eine WG voll mit verrückten Schülern, alle wahnsinnig unterschiedlich und alle irgendwie auch wahnsinnig. Das Buch „Auerhaus“ wurde von Bov Bjerg verfasst und erschien kürzlich im Blumenbar Verlag. Dieses Auerhaus steht also mitten auf dem Dorf, die Party geht die ganze Zeit ab. Die WG wurde gegründet, um Frieder zu helfen. Frieder soll nicht mehr bei sich daheim wohnen, seitdem er nicht mehr weiß, ob er überhaupt ein Leben haben soll und deshalb Suizid begannen hat.