Das Schiff des Theseus V.M. Straka
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S. Das Schiff des Theseus oder das krasseste Buch des Jahres

Aus einer spontanen Idee am Flughafen entwickelte sich das spannenste literarische Experiment seit Jahren. J.J. Abrams fand auf dem Flughafen in Los Angeles ein Buch, in welchem stand, dass man dieses Buch bitte lesen und dann aber wieder für eine andere Person liegen lassen soll. Zufälligerweise gehört J.J. Abrams zu den kreativsten Ideengebern Hollywoods, er war Regisseur für Filme wie Star Trek (2009), Super 8 und jetzt Star Wars: Das Erwachen der Macht. Zu großen Teilen sind ihm auch die Serien Lost, Alias – Die Agentin oder Fringe – Grenzfälle des FBI zu verdanken. J.J. Abrams hatte also die Idee ein literarisches Experiment zu wagen und übergab sie Doug Dorst, der kreatives Schreiben an der Texas State University lehrt. Heraus kam „S. Das Schiff des Theseus“, dass mich unglaublich begeistert hat und wohl noch ein bisschen beschäftigen wird.

Swetlana Alexijewitsch - Secondhand-Zeit
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Swetlana Alexijewitsch und Secondhand-Zeit

Ein Mammutwerk hat mich den Dezember hindurch begleitet. Ich habe ziemlich lange am Buch „Secondhand-Zeit“ von Swetlana Alexijewitsch gelesen. Über 20 Tage. (Diese Zahl habe ich anhand meines Lesenotizbuchs errechnet.) Es gab nur wenige Bücher im Jahr 2015, die mich im gleichen Ausmaß bewegt haben. Bewegt im negativen und im positiven Sinne, aber dazu später mehr.

Morgen ist es vorbei Kathrin Wessling
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Bumerang aus Stacheldraht oder Morgen ist es vorbei

Ein großes Ziehen in der Brust, absolute Leere im Kopf, Brennen in den Augen. So fühlt es sich an, wenn der Bumerang aus Stacheldraht wieder einmal zurückgekehrt ist und wie immer voll das Herz getroffen hat. Bumerang aus Stacheldraht? Das ist die Metapher, die Kathrin Wessling für Liebeskummer verwendet in einer ihrer Geschichten aus dem Buch „Morgen ist es vorbei“. Und Liebeskummer gibt es in diesem Buch sehr viel, versprochen.

Marcel Reich-Ranicki
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Marcel Reich-Ranicki: Papst der Lumpenhunde

„Aber ich möchte auch ganz offen sagen: Ich nehme diesen Preis nicht an. Ich hätte das, werden Sie denken und sagen, früher erklären sollen. Natürlich! Aber ich habe nicht gewusst, was hier auf mich wartet, was ich hier erleben werde. Ich gehöre nicht in diese Reihe, der heute, vielleicht sehr zurecht Preisgekrönten. Wäre der Preis mit Geld verbunden, hätte ich das Geld zurückgegeben. Aber er ist ja nicht mit Geld verbunden. Ich kann nur diesen Gegenstand, der hier verschiedenen Leuten überreicht wurde, von mir werfen oder jemanden vor die Füße werfen. Ich kann das nicht annehmen. Und ich finde es auch schlimm, dass ich hier vier Stunden das erleben musste.“ Das ist meine prägnanteste Erinnerung an Marcel Reich-Ranicki. Diese Worte sprach er im Herbst 2008 zum Publikum, als er den deutschen Fernsehpreis verliehen bekommen sollte.

Auerhaus Bov Bjerg
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Früher Hogwarts, heute Auerhaus

Bis vorgestern wollte ich gern mal nach Hogwarts, nur bin ich mir da nicht mehr so sicher. Eigentlich möchte ich jetzt lieber ins Auerhaus einziehen. Das Auerhaus ist eine WG voll mit verrückten Schülern, alle wahnsinnig unterschiedlich und alle irgendwie auch wahnsinnig. Das Buch „Auerhaus“ wurde von Bov Bjerg verfasst und erschien kürzlich im Blumenbar Verlag. Dieses Auerhaus steht also mitten auf dem Dorf, die Party geht die ganze Zeit ab. Die WG wurde gegründet, um Frieder zu helfen. Frieder soll nicht mehr bei sich daheim wohnen, seitdem er nicht mehr weiß, ob er überhaupt ein Leben haben soll und deshalb Suizid begannen hat.

Ein Leben mehr Jocelyne Saucier
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Ein Leben mehr

Wie alt muss man werden, um wirklich frei zu sein? Eigentlich ist das schon der falsche Denkansatz. Es ist Blödsinn. Nicht durch das Alter wird man freier. Allerdings nimmt man sich mit dem Alter wohl mehr Freiheiten raus. Irgendwann kommt endlich die Erkenntnis, dass es scheißegal ist, was die Mitmenschen über einen denken. Und wenn man mit über 80 Jahren mitten in der kanadischen Pampa eben eine Grasplantage baut, dann fetzt das. Über solche oder ähnliche Dinge erzählt der Roman „Ein Leben mehr“ von Jocelyn Saucier.

Raubfischen Matthias Jügler
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Matthias Jügler debütiert mit „Raubfischen“

Es war zur Buchmessezeit. Es war der erste Tag der Buchmesse und ich freute mich auf die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei. Eigentlich war ich total gespannt auf die Lesung von „Risiko“ von Steffen Kopetzky. Für mich stellte sich aber schnell heraus, dass das nicht das Richtige für mich war. Dennoch blieb ich und wurde dafür auch belohnt. Kurz danach las Matthias Jügler aus seinem frisch erschienen Buch „Raubfischen“. Zuvor kannte ich dieses Buch überhaupt nicht, ich hatte es absolut nicht auf dem Schirm und hätte wohl auch nie deswegen den Eintrittspreis für die Moritzbastei gelöhnt. Die Atmosphäre bei der Lesung war unglaublich und Matthias Jügler hat es trotz dieser wirklich kurzen Lesezeit von vielleicht 10 bis 15 Minuten geschafft, mich zu überzeugen.

Juli Zeh Nachts sind das Tiere
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Ist Juli Zeh eine anstrengende Intellektuelle, die sowieso immer alles besserweiß?

So wie Juli Zeh die Gemüter provoziert in ihren Texten, möchte ich auch heute euch provozieren. Ich weiß nicht, wer sich wirklich schon mit den Büchern von Juli Zeh auseinandergesetzt hat oder wer Juli Zeh überhaupt kennt. Vor ein paar Tagen habe ich ein persönliches Experiment gewagt und endlich mal ein Buch von Frau Zeh gelesen. Meine Wahl fiel auf „Nachts sind das Tiere“, es erschien im September 2014.