Kapri-zioes

Dolfi und Marilyn von Francois Saintonge

Klonen. Ein Thema, über das man sich als Normalo höchst wahrscheinlich nur während des Ethikunterrichts in der Schule Gedanken macht. Im Alltag haben die Kopien echter Individuen wenig Relevanz. Außer natürlich man ist irgendwo Wissenschaftler in einem strenggeheimen Labor und forscht über Klonung, um beispielsweise kleine Organlager für Superreiche heranzuzüchten. Aber ich denke, diese Berufsgruppe trifft nur auf sehr wenige Menschen zu.

Warum schreiben Autoren dennoch belletristische Bücher über Klone? Oder noch besser, warum lassen sie Marilyn Monroe oder Adolf Hitler in ihren Büchern klonen? Ich habe darauf keine Antwort gefunden, aber ich verspreche in Dolfi und Marilyn passiert genau das.

Francois Saintonge

Viel gibt es über den Autor nicht zu berichten. Selbst Google hat keine besondere Meinung, lediglich Zeitungsartikel in französischer Sprache werden ausgespuckt. Leider bin ich dieser Sprache nicht mächtig.

Francois Saintonge ist ein Pseudonym eines angeblich bekannteren französischen Autors. Aber eigentlich ist Francois eher der Klon von jenem Autor, dessen Name keiner kennt und der wahrscheinlich auch nicht genannt werden dürfte. Ahja. Ich werde das nun nicht weiter kommentieren.

Dolfi und Marilyn – Die Geschichte

Die Geschichte beginnt ziemlich harmlos mit der Schilderung des bisherigen Lebens von Tycho Mercier. Ein Professor für Geschichte an der Sorbonne. Tycho ist kein außergewöhnlicher Typ, er hat einen Sohn, ist geschieden und bezahlt eine Haushälterin, die das Essen kocht und den Haushalt führt.

Täglich sieht er die Hausdame seines Nachbars – sie ist ein Klon von Marilyn Monroe. Sie gefällt Tycho, aber der könnte niemals selbst einen Klon unterhalten, aus ethischen Gründen. Nun, irgendwann kommt Tycho von einem Arbeitstag an der Uni nachhause und in seinem Sessel sitzt der 6. Klon von Adolf Hitler. Dieser dürfte allerdings überhaupt nicht existieren und wurde staatlich verboten.

Meine Meinung

Dolfi und Marilyn verspricht eine außergewöhnliche Geschichte zu sein. Ich finde den Ansatz mit den Klonen dieser historisch berühmten Personen sehr interessant. Klonung wurde bisher schon häufiger in Literatur und Film thematisiert. Meist läuft das auf sehr tiefgründige philosophische/ethische Gedanken hinaus. Damit habe ich überhaupt keine Probleme, im Gegenteil es ist schön sich auf Ideen einzulassen, die normaler nicht vor der eigenen Haustür zu finden sind.

Nur leider hat mich Dolfi und Marilyn sehr enttäuscht. Es ist für mich kein Wunder, dass der Autor unter Pseudonym schreibt, die Geschichte ist einfach zu bekloppt. Im Buch geschieht jede Menge Handlung, die Dinge überschlagen sich manchmal sehr. Dennoch hat es Herr Saintonge nicht wirklich geschafft, dass das Buch mich fesselt. Die erste Hälfte des Buchs war noch ganz erträglich und ich konnte sie ihm einigermaßen abkaufen. Schließlich hat er das Jahr 2060 gewählt und wer weiß denn bitte, was in gut 45 Jahren alles passieren kann? Aber die zweite Hälfte wird immer absurder, das ging am Ende nicht mehr. Ich möchte jetzt kein Ende verraten, aber es war einfach nur grauenvoll und sehr klischeehaft in Bezug auf Adolf Hitler.

Die Geschichte ist eine Fata Morgana, eine einfache optische Täuschung. Eine sterbliche Menschheit glaubt, in ihr sichtbare Spuren zu hinterlassen, aber kaum ist sie ein paar Schritte, einige Jahrzehnte weiter, da werden diese auch schon von einem unerbitterlichen Wind verweht und ausgelöscht. – S. 174

Mein einziger Wermutstropfen waren die wirklich tiefgründigen Gedanken zur Menschheit und zum Klonen. Mir kam es phasenweise so vor, als ob nur diese das eigentlich Wichtige sind und der Autor sich so eine blöde Handlung hat einfallen lassen damit auch ja viele dieses Buch lesen und damit auch die fundierten Aussagen zum Klonen. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn der Autor sich an ein ernstgemeintes Essay gemacht hätte. Ich kann den Erfolg in Frankreich von Dolfi und Marilyn nicht nachvollziehen.

Tycho ist absolut zwiespältiger Meinung, ob man Menschen überhaupt klonen sollte. Jedoch ziemlich eindeutig für ihn ist, dass Klone dann eigentlich wie Menschen sind. Also auch mit Würde behandelt werden sollten. Das Auslöschen von Klonen ist Mord. Klone sind keine billigen Sklaven.

Auf dem Cover wird versprochen, dass dieses Buch humorvoll sein soll. Nun ja. Ich lache sehr gern, aber hier hab ich vergebens nach den witzigen Passagen gesucht. Alles in allem verspricht Dolfi und Marilyn zu viel, was nicht eingehalten wird. Das Buch ist nicht besonders spannend oder witzig.

Fazit

Man könnte die Zeit, die man zum Lesen von Dolfi und Marilyn verwendet auch in gute Bücher investieren.