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Zwischen Pech und Scheitern.

Pech und Scheitern

Tage, an denen man besser nicht aufstehen sollte. Klar, es gibt Menschen, die haben die jeden Tag. Bisher habe ich mich nicht dazu gezählt. Wollte ich auch nicht. Aber jetzt war es dann halt doch so weit. Eigentlich war der Tag auch gar nicht zum Scheitern vorprogrammiert. Nein – die Voraussetzungen waren gut. Hervorragend sogar. Ich hatte fast den ganzen Tag frei und Zeit mich um die Arbeiten zu kümmern, die sonst untergehen.

Es konnte ja auch keiner ahnen, dass schon das Aufstehen zur Hürde wird. Kopfweh. Grund unbekannt. Wohlmöglich aber auch die erste Ahnung der heraufziehenden Apokalypse. Manche merken Wetterumschwünge in ihren Gelenken, ich empfange über meinen Kopf Weltuntergangstendenzen. Auch schön oder interessant.

Scheitern im blühenden Leben

Aber was soll die Übertreibung. Mein Laserdrucker spinnt seit geraumer Zeit. Er druckt wellig, aber nur die letzten 5 bis 7 cm eines jeden Blattes. Das klingt nach nicht viel. Aber wer möchte bitte Briefe an offizielle Stellen, Motivationsschreiben oder auch wissenschaftliche Arbeiten als Wurstpapier abgeben und sich so von vornherein disqualifizieren wegen Inkompetenz? Ich bin angewiesen auf diesen Drucker. Ich drucke ständig irgendwelche Unterlagen. Auch Vorlesungen und deren Übungen beteiligen sich nicht in unerheblichen Maß an meinen Druckarien. Es ist also ein Problem, dass der Drucker nicht so richtig mehr drucken mag.

Ich hatte mir diesen Vormittag freigehalten zum Reparieren. Nach 1,5 Stunden musste ich meine Waffen strecken. Fest steht – es liegt am Druckermodell und ich bin nicht allein. Auch etliche andere Leute haben papierwellende Monster daheim stehen. Ordnungsgemäß wurde der Drucker von mir in seine Originalverpackung gesteckt und dann gings los. Zurück zum Händler. Der hat natürlich alles getan, um mir erstmal die Schuld von vornherein zuzuschieben. Jetzt wurde er eingeschickt und ich habe keinen Drucker. Wie ich die nächsten 2 Wochen überleben soll als Student, weiß ich noch nicht.

Es fällt schwer, bei solchen Reklamationen nicht in Tobsuchtsanfälle auszubrechen. Das Gefühl des Widerwillens lässt sich nur schwer unterdrücken oder eben nur mit Magenschmerzen. Mein Unglück für heute war da aber noch nicht vorbei, später am Tag fuhr ich in die Uni. 1. Statistik Übung überhaupt. Mathe lief bisher immer gut. Statistik heute war eine Katastrophe. Mangels Erklärungskompetenz habe ich relativ wenig verstanden. Alle anderen übrigens auch. Alle anderen machen sich auch schon Gedanken um das Bestehen der Prüfung im Februar.

Einer, der Hoffnung gibt

Beruhigend ist da der Gedanke, dass das alles dann auch irgendwann Mal wieder in Ordnung kommt. Vielleicht funktioniert der Drucker nach einer Reparatur wieder wellenfrei und möglicherweise kann mein Dozent in späteren Übungen die Sachverhalte noch toll erklären, wenn er sich dann erstmal an die Übungsgruppe gewöhnt hat. Wer weiß. In Anbetracht der restlichen Welt sind das keine Probleme zum Ausrasten.

Wahrscheinlich muss ich in letzter Zeit auch ziemlich oft an Wolfgang Herrndorf denken, weil ich gerade sein letztes veröffentlichtes Romanfragment lese. Wolfgang Herrndorf macht mir mit seinen Geschichten immer Mut. Auch sein Leben irgendwie. Wenn ich bedenke, was er für eine Kraft angesichts des nahenden Endes entwickelt hat. 2010 wurde bei ihm ein bösartiger Tumor im Gehirn festgestellt. Trotzdessen oder gerade deswegen hat er ab diesem Zeitpunkt eine unglaubliche Produktivität an den Tag gelegt. Tschick und Sand geschrieben und veröffentlicht. Bilder deiner großen Liebe begonnen. Wunderbare Bücher allesamt. Und ein grandioser Schriftsteller.

Pech und Scheitern

Also hoffe ich, dass morgen ein besserer Tag wird. Oder ich zumindest denke, dass es ein besserer Tag wird.

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