Kapri-zioes

Prag, dieses Mütterchen hat Krallen

Ich habe mich ein wenig von Franz Kafka zu diesem Artikel inspirieren lassen. Mitte September hatte ich das Glück mit Freunden die Goldene Stadt für 4 Tage besuchen zu können.

„Prag läßt nicht los. Uns beide nicht. Dieses Mütterchen hat Krallen. Da muß man sich fügen oder -. An zwei Seiten müßten wir es anzünden, am Vyšehrad und am Hradschin, dann wäre es möglich, daß wir loskommen. Vielleicht überlegst Du es Dir bis zum Karneval.“ – Brief an Oscar Pollak von Franz Kafka

Dabei möchte ich jetzt keinesfalls missverstanden werden. Nie würde ich den Wunsch hegen, Prag niederbrennen zu lassen, die Stadt ist zu beeindruckend. Und ich empfehle jeden, dass er Zeit für eine Reise nach Prag investieren sollte. Genug zu sehen für eine ganze Woche gibt es allemal. An jeder Ecke und in jeder Straße atmet die Stadt praktisch Historie. Es gibt keinen Ort, an dem nicht etwas Erwähnenswertes passiert ist.

Sehenswürdigkeiten in Prag

Ungern möchte ich jetzt jemanden langweilen mit den immergleichen Empfehlungen, die in jedem x-beliebigen und sogar schlechten Reiseführer stehen könnten. Natürlich sind die Prager Burg und das jüdische Viertel interessante Ausflugsziele.

Das Schönste an der Prager Burg war aber nicht die Standard-Touristen-Route mit Veitsdom, Königspalast und Goldenem Gässchen. Für mich wird sich noch lange die Aussicht vom Turm des Veitsdoms auf die ganze Stadt in mein Gedächtnis brennen. Dafür braucht man ein extra Ticket und viel schlimmer – bis zur Aussichtplattform gilt es, circa 300 Stufen Wendeltreppe zu erklimmen. Die Wendeltreppe ist eng, verfügt über keinen Handlauf und man möchte sich am liebsten in Luft auflösen, sobald jemand entgegenkommt. Für zwei Personen ist auf einer Stufe nämlich kaum Platz. Aber einmal oben angekommen gibt es nichts Schöneres auf der Welt als über die Moldau zu schauen.

Besonders für Deutsche sehenswert ist auch die Deutsche Botschaft. 1989 suchten Tausende Menschen aus der DDR in der Botschaft Zuflucht. Im September 1989 gab Hans-Dietrich Genscher (Bundesaußenminister) vom Balkon der Botschaft bekannt:

„Liebe Landsleute,
wir sind zu Ihnen gekommen,
um Ihnen mitzuteilen,
dass heute Ihre Ausreise
… in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“

Die Deutsche Botschaft liegt im Stadtteil „Kleinseite“ in Nachbarschaft zur Amerikanischen Botschaft. Von der Straße aus ist auch ein Balkon zu sehen, das ist aber nicht der „Genscher-Balkon“. Um diesen zu sehen, muss man erst ein wenig die Straße hochlaufen und dann links abbiegen in Richtung Wald. Auf der anderen Seite der Botschaft ist dann der Balkon zu sehen durch den Zaun. Die Stelle kann nicht verfehlt werden, sie ist die Einzige, die freigehalten wird von Bäumen und Sträuchern und es gibt sogar eine Tafel, die über die Ereignisse berichtet.

Wenn man dann einmal auf der Kleinseite ist, sollte man auch unbedingt das Kafka Museum in Nähe des Moldauufers besuchen. Für Literaturbegeisterte ist das ein absolutes Muss! Im gleichen Atemzug kann dann noch der „Pissing Fountain“ betrachtet werden. Dieser Brunnen stammt von Černý und wurde betitelt mit „Piss“. Auf der Grundfläsche der Tschechischen Republik stehen zwei Männer und, wer hätte es vermutet, pissen. Dass so eine Statue in der Hauptstadt steht, sagt doch schon etwas über das Land und dessen Leute aus.

Restaurantempfehlungen

Ich habe zwei absolute Empfehlungen zu teilen. Zum einen gibt es auf der Straße Belehradska einen wunderschönen Biergarten mit Live-Musik und sehr gutem böhmischen Essen zu Preisen für Einheimische. Koliba u Pastyrky erreicht man gut von der Haltestelle „Otakarova“ aus. Es liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums, in Richtung Süden.

Und außerdem gibt es noch in der Nähe des Palladiums am Namesti Republiky eine Kneipe mit dem Namen Tlustá Koala. Die Adresse ist Senovazna 8, 110 00 Praha 1. Es befindet sich nicht mehr auf den Hauptstraßen, auf denen sich normalerweise die Touristenströme an den Läden vorbei zwängen. Die Küche ist sehr empfehlenswert und auch preiswert. Man kann dort typisch böhmische Gerichte essen, aber es gibt auch exotischere Sachen wie beispielsweise Känguru Steak.

Besonderheiten der Stadt

Prag hat auch sehr unterhaltsame Seiten. Wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, die Humor hat und aus mindestens zwei Männern besteht. Kann man ruhig mal abends ab circa 22 Uhr den Wenzelsplatz auf und ab schlendern. Wichtig dabei ist, dass die Männer der Reisegruppe alleine laufen. Die Frauen sollten mit etwas Abstand hinterher laufen und dann einfach mal abwarten von wie vielen schönen Tschechinnen ihre Herren der Schöpfung Offerten bekommen.  Das gibt beim nächsten gemeinsamen Biergartenbesuch sicher schöne Erzählungen.

Außerdem habe ich mir von einem Quasi-Einheimischen erzählen lassen, was es nun eigentlich mit den Zebrastreifen in Prag auf sich hat. Prinzipiell bedeuten die das Gleiche wie in Deutschland, Fußgänger können an dieser Stelle die Straße überqueren und die Autos müssen Rücksicht nehmen. Nun, in Prag hat sich das noch nicht ganz so durchgesetzt. Es gibt zwei gängige Methoden um sein Recht als Fußgänger doch durchsetzen zu können. Man kann einfach über die Straße gehen und so tun, als ob man das Auto nicht gesehen hat. Wahrscheinlich wird das Auto bremsen oder man sollte sich in Abrollen über die Motorhaube geübt haben. Die zweite Variante ist, den Zebrastreifen betreten und beim Darüberlaufen den Autofahrer mit den grimmigsten Blick taxieren, den man beherrscht. Ich wünsche viel Erfolg.

Ich war nun schon zum zweiten Mal in Prag und auch dieses Mal war es wieder wunderschön. Die Zeit hat auch wieder nicht ausgereicht, um alles Sehenswerte zu besuchen. Mit Sicherheit war diese Reise nach Prag nicht die Letzte.