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Albert Kitzler – Wie lebe ich ein gutes Leben?

In letzter Zeit beschäftigt mich ein Thema ziemlich stark in der Literatur. Das gute Leben. Was ist ein gutes Leben? Wie führt man ein gutes Leben? Einerseits sind die Antworten wohl ziemlich einfach, fast schon banal, andererseits wer setzt denn ein „gutes Leben“ wirklich in die Tat um? Albert Kitzler hat mit seinem Buch Wie lebe ich ein gutes Leben? die Sichtweisen der alten, antiken Philosophie in ein neues Format gebracht. Und einen wirklich schönen Ratgeber über die Gestaltung eines guten Lebens verfasst.

Möglicherweise fällt es nur mir so sehr auf, weil mich das Thema interessiert oder es nehmen tatsächlich die Dokumentationen und Buchveröffentlichungen zum Dunstkreis „ein gutes Leben“ zu. Auch wird in meinem privaten Umfeld oft über das Leben als solches gesprochen, sogar auf Arbeit fallen diverse Schlagworte dazu häufiger. Vielleicht beschäftigt das den Menschen schon, seit er bewusst denkt, vielleicht hat sich das Phänomen in der Neuzeit verstärkt. Ich weiß es nicht.

Albert Kitzler

Eigentlich ist Albert Kitzler studierter Jurist. Aber wie so oft im Leben, hat man eigentlich eine ganz andere Leidenschaft als die berufliche Tätigkeit. Anwalt ist der Brotberuf, viel mehr war Albert Kitzler schon seit der Jugend an antiker Philosophie interessiert.


2010 gründete Albert Kitzler „Mass und Mitte“  in Berlin, dies ist eine Schule für antike Lebensweisheit.

Wie lebe ich ein gutes Leben? – Der Inhalt

Dieses Buch ist eine philosophische Anleitung für Praktiker. In vielen kurzen Kapiteln erläutert Albert Kitzler die wichtigsten Ideen der antiken Weisheitslehren. Dabei geht er nicht nur auf die Lehren der alten Griechen ein, auch der Konfuzianismus oder Buddhismus kommen zu Wort.

Die Kapitel beschäftigen sich beispielsweise mit der Zeit, der Selbsterkentnis, der Veränderung, dem Tod oder auch Freiheit und Unabhängigkeit.

Meine Meinung

Nach Albert Kitzler gibt es seit den alten Philosphen keine neuen Erkenntnisse in Sachen „gutes Leben“. Alle neueren Ratgeber sind eigentlich nur Aufgüsse der antiken Darstellungen. Nun, ich denke, das stimmt größtensteils. Für mich sehr interessant sind die Interviews oder Texte von Hartmut Rosa. Er ist Professor an der Universität Jena und einer seiner Themen Schwerpunkte ist „Zeit“.

Nichtsdestotrotz der alten bekannten Ideen ist Albert Kitzlers Buch nicht überflüssig. Mit „Wie lebe ich ein gutes Leben?“ ist dem Autor eine sehr gute Zusammenfassung verschiedenster Weisheitsschulen gelungen. Das Buch eignet sich sehr gut für Interessierte, die noch nicht sehr viel über Philosophen wissen und eine Einführung suchen.

Das Vergehen also und Werden wählt derjenige, der dieses Leben wählt. – Platon

Die Kapitel im Buch sind kurz und prägnant aufgebaut. Viele Zitate machen die Texte anschaulich und verleihen dem Werk eine fundierte Basis. Sehr angenehm war für mich der Schreibstil von Herr Kitzler, das Buch lässt sich wunderbar flüssig lesen, obgleich das Thema ja tendenziell eher trocken und etwas komplexerer Natur ist. Sehr hilfreich waren auch die kleinen Zusammenfassungen am Ende der Kapitel.

Was wir bei dieser Wahl von dem antiken Weisheitsdenken lernen können, ist zunächst, dass wir es immer selbst sind, die diese Wahl treffen, mögen die Sachzwänge noch so groß sein. Und dass wir diese Wahl ständig treffen, ob bewusst oder unbewusst, ob willentlich oder als Getriebene. Wir sind und bleiben selbst verantwortlich. – S. 168

Der Autor bleibt mit seinen Gedanken jedoch nicht nur in der Theorie verwurzelt, das Buch ist übersäht von vielen praktischen Tips. Ich bin nicht ganz unwissend auf dem Gebiet der Philosophie und habe immer noch neue Erkenntnisse gewinnen können, die Lektüre war sehr bereichernd für mich.

Mir wenigstens scheint alles Schöne und Gute durch Übung erreichbar zu sein, nicht zuletzt kann man sich in der Selbstbeherrschung üben. – Sokrates

Es ist erstaunlich, wie aktuell die antiken Philosophen noch heute sind. Die Themen haben nichts von ihrer Brisanz verloren, auch damals litten Menschen schon an Selbstüberschätzung und Hochmut oder der Angst vor Veränderungen. „Wie lebe ich ein gutes Leben?“ ist ein sehr empfehlenswertes Buch für jeden, der gern über sich und sein Leben nachdenkt.

Ich empfehle es, die Lektüre des Buchs sich einzuteilen. Es ist eigentlich zu schade, das Buch in einem Rutsch durchzulesen, obwohl Vielleser das sicherlich auch an einem Tag schaffen. Ich habe täglich ein Kapitel gelesen und nach dem Lesen meine Gedanken aufgeschrieben dazu. Das braucht natürlich Zeit, hilft aber die Worte im Buch zu reflektieren und manche Ratschläge tatsächlich auch in die Tat umzusetzen.

Fazit

„Wie lebe ich ein gutes Leben?“ ist besser als alle neuen Ratgeber über Zeitmanagement und dem ganzen sinnlosen Kram, den man dann eh nie umsetzt. Eigentlich kann man die getrost in der Ecke stehen lassen. Lest lieber Albert Kitzlers Erläuterungen über die alten Philosphen, die haben den Kern schon viel besser vor 2000 Jahren erkannt als es neuer Autoren schaffen. Damit ist jedem besser geholfen.