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Jugendbuch-Rezension: Die Unbarmherzigen

Die Unbarmherzigen Danielle Vega

Es ist schon einige Zeit her, dass ich zum letzten Mal eine Rezension zu einem Jugendbuch verfasst habe. Die Unbarmherzigen von Danielle Vega ist gerade erst auf Deutsch erschienen, genau gesagt am 8. August. Zwei Monate zuvor kam das Buch auf Englisch heraus, dort heißt es „The Merciless“. Eigentlich kann man das Buch überhaupt nicht übersehen, so pink, wie das Cover ist. So sehr das Cover die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers auf sich zieht, so sehr ist auch der Inhalt der Geschichte aufmerksamkeitsheischend. Ich verrate schon mal so viel – Blut spielt eine große Rolle.

In diesem Jahr habe ich nicht ganz so viele Jugendbücher gelesen bis jetzt. Das hat wohl einen Grund – ich wurde von den letzten Jugendbüchern Zusehens enttäuscht. Was ist bloss los mit den Autoren für Jugendbücher? Gibt es denn nirgends einen jungen Michael Ende, eine junge J.K.Rowling oder Cornelia Funke? Viele Jugendbücher bleiben einfach nur an der Oberfläche und es gelingt ihnen nicht wirklich tolle Charaktere aufzubauen. Die schönen Cover der Jugendbücher bleiben dann letztendlich nur leere Hüllen und ein vages Versprechen an den Leser.

Die Unbarmherzigen 1Leider muss ich sagen, dass auch Danielle Vega nicht über dieses große Erzähltalent verfügt. Warum ich zu diesem Entschluss gekommen bin, erzähle ich am Ende meiner Rezension. Die Unbarmherzigen habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks lesen dürfen, es stamm aus dem Imprint Bloomoon vom Verlag ArsEdition.

Danielle Vega

Viel erfährt man im Internet nicht über Danielle Vega, aber sie verfügt über einen Goodreads-Account. Momentan lebt die Autorin in Brooklyn und als Kind kam sie schon sehr früh in Kontakt mit der Horror-Größe Stephen King. Ihre Mutter hat ihr lieber die Geschichten von King erzählt als Märchen.

Die Unbarmherzigen 4

Der Inhalt

Sofia wohnte bisher nicht lange an ein und demselben Ort. Ihre Mutter ist Sergeant beim Militär und deshalb müssen sie häufiger umziehen. Außerdem lebt noch ihre pflegebedürftige Oma mit im Haus. Sofia kennt ihre Rolle als „Die Neue“ nahezu perfekt, schließlich ist es nicht leicht, in einer neuen Schule Anschluss zu finden.

Die Unbarmherzigen 3Aber Sofia scheint Glück zu haben, Riley und ihre Freundinnen Grace und Alexis wollen mit ihr befreundet sein. Sofia kann es kaum fassen, gerade auch da Riley und ihre Freundinnen so hübsch und beliebt sind. Außerdem gibt es da noch Brooklyn, die zu Sofia sehr freundlich war. Allerdings ist Riley nicht sonderlich gut auf Brooklyn zu sprechen, Riley hält Brooklyn für böse und schließlich muss man ihr helfen.

Meine Meinung

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, Die Unbarmherzigen wären langweilig. Im Gegenteil die Geschichte ist sehr spannend und liest sich unglaublich schnell weg. Innerhalb von 3 Stunden habe ich das Buch durchgelesen. Die Spannung wird allerdings nur durch Gewalt erzeugt. Im Buch geschehen immer brutalere Handlungen, sodass man sich fragt, was kommt denn bitte noch alles? Durch diesen Nervenkitzel kann man die Unbarmherzigen einfach nicht aus der Hand legen.

Die Unbarmherzigen 5Fraglich jedoch ist, was mit dem Buch passieren würde, wenn man die Gewalt einfach herausstreicht. Danach würde nicht mehr viel Handlung übrig bleiben. Zur Erinnerung: Es handelt sich um ein Jugendbuch ab 14 Jahren. Was soll das denn bitte?

„Kommt schon, Leute, es gibt hier keine falschen Antworten. Was denkt ihr? Warum lesen wir gerade dieses Buch?“ „Weil die Highschool die Hölle ist.“ –S.50

Die Idee beziehungsweise der Plot war für mich sehr vielversprechend. In einer Schule trifft ein Mädchen auf sehr beliebte Freundinnen. Aber irgendwas passiert und das Mädchen weiß nicht mehr, was sie tun soll, ob sie überhaupt noch mit den anderen befreundet bleiben soll. Dazu kommt dann noch ein Schuss christlicher Fanatismus und ein wenig Exorzismus. Das klingt doch vielversprechend! Jedenfalls ist es nicht der x-te Aufguss einer beliebligen Dystopie.

Die Unbarmherzigen 2Danielle Vega gibt sich auch nicht sonderlich viel Mühe mit dem Aufbau ihrer Charaktere, sie kratzt nur an der Oberfläche und die Tatsachen werden lediglich präsentiert, aber ohne Begründung durch etwaige Motive oder Erlebnisse aus der Vergangenheit. Ich hätte mir eine komplexere Darstellung gewünscht. Auch 14 Jährigen wären davon nicht überfordert oder gelangweilt, im Gegenteil es gibt die Möglichkeit, die Protagonisten plastischer darzustellen.

„Du tust immer, als seist du so viel besser als wir anderen“ […] „aber, du bist eine Bitch.“ –S.192

Die Krönung war für mich das Ende. Ich werde darüber nichts verraten. Aber es war sehr überraschend und leider auch abstrus. Das Ende wird überhaupt nicht gestützt durch Hinweise im Erzählverlauf, beziehungsweise waren die Hinweise einfach zu wenig. Das ist jedoch nur das Sahnehäubchen.

Also zusammenfassend der Charaktere waren flach, die Handlung bestand eigentlich nur aus Gewalt und das Ende hat überhaupt nicht zum Rest des Buchs gepasst. Deshalb verfügt Danielle Vega, meiner Meinung nach, nicht einmal annährend über das Erzählgeschick eines guten Jugendbuchautors. Einzig und allein Spannung reicht nicht für eine gute Geschichte.Die Unbarmherzigen

Fazit

Die Unbarmherzigen von Danielle Vega klingt vielversprechend, ist aber eher enttäuschend.

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