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Abgeschnitten von Fitzek und Tsokos [Rezension]

Abgeschnitten Fitzek Tsokos

Abgeschnitten ist mir zum ersten Mal auf Lovelybooks aufgefallen. Genauer gesagt stand das Buch plötzlich auf gefühlten 80% aller Wunschlisten, die ich mir angesehen habe. Ein paar Tage später veranstaltete Lovelybooks noch eine Livestreamlesung. Und die habe ich mir trotz meines begrenzten Datenvolumens auf meinem Stick ansehen müssen. Im Nachhinein musste ich dann geschwindigkeitstechnisch etwas kürzertreten, aber das war es definitiv wert. Zu guter Letzt hat Sandra von der Büchernische auch noch vom Buch berichtet. Da konnte ich nicht anders und war so dreist, dass ich beim Verlag angefragt habe, ob sie mir nicht ein Exemplar sponsern möchten.  Vielen Dank an die Verlagsvertretung an dieser Stelle.
Die Covergestaltung finde ich gut, das dreckige Grau hebt sich ab vom Schwarz und Weiß der sonst üblichen Thrillercover.  Die Rasierklinge ist klasse, mir kommt es aus einem bestimmten Blickwinkel so vor, als würde sie im Buch stecken.

Abgeschnitten

Abgeschnitten – Der Inhalt

Paul Herzfeld ist Gerichtsmediziner für besondere Gewaltverbrechen, er arbeitet in einer Spezialeinheit des BKA. Momentan ist er ziemlich vom Pech verfolgt, er geriet in eine Schlägerei, die wahrscheinlich auch Konsequenzen für seinen Arbeitsplatz haben wird.
Für heute ist die Obduktion einer besonders verstümmelten Leiche anberaumt. Der Kiefer wurde herausgeschnitten und beide Hände abgetrennt. Im Schädel findet Herzfeld eine Kapsel. Diese Kapsel ändert Herzfelds Leben innerhalb von Sekunden. Als er die Kapsel öffnet, findet er darin einen Zettel. Hannah, seine Tochter, wurde entführt. Und damit beginnt eine Schnitzeljagd, bei der am Ende mit Sicherheit kein Preis winkt.

Meine Meinung

Abgeschnitten verdient das Prädikat spannend, wer etwas anderes behauptet, lügt. Es war schwierig mich vom Buch zu trennen. Ich konnte nicht aufhören Abgeschnitten zu lesen. Aber am Ende war ich doch froh, dass das Buch endlich zu Ende war. Michael Tsokos gibt bei den Beschreibungen der Leichen und Obduktionen wirklich alles, was er bei seiner Arbeit gesehen hat, ins Buch. Jedenfalls kommt es mir so vor. Die Details waren für mich häufig sehr ekelerregend und abschreckend.
Brutal, abartig und schockierend. Gerade in der ersten Hälfte von Abgeschnitten war mein Adrenalinpegel dauerhaft am Anschlag. Wahrscheinlich zeichnet sich dadurch auch ein guter Thriller aus. Für eingefleischte Kenner ist Abgeschnitten vielleicht nicht so schlimm. Für mich war es das schon. Gerade die Folterszenen jagten mir einen Schauer über den Rücken.
Abgeschnitten hielt immer wieder überraschende Wendungen bereit und war spannungsgeladen bis zur letzten Seite.
Fitzek und Tsokos wollten aber mir Abgeschnitten nicht nur unterhalten. Gerade durch die zusammengefassten Zeitungsartikel, an Anfang und Ende, mit kurzen Gerichtsurteilen, warfen Fitzek und Tsokos schwerwiegende Fragen auf.
Welches Strafmaß ist gerecht? Gibt es Gerechtigkeit?
In den Artikeln wurden immer eine Vergewaltigung und ein Finanz- beziehungsweise Steuerdelikt gegen über gestellt. In allen Fällen kam der Vergewaltiger viel glimpflicher davon als der Steuersünder. Darf das sein? Kann das überhaupt sein? Konkret:  Zwei Jahre gegen fünf Jahre Haft oder auch 22 Monate gegen 7 Jahre Haft.  Ich zweifel da ein bisschen an unserem Rechtssystem, wenn ich das lese. Vergewaltigung ist für mich ein schwer wiegenderes Verbrechen als Steuerhinterziehung.
Durch diese 4 kurzen Texte bekommt Abgeschnitten nochmals eine ganz neue Facette, eine richtig tief gehende.

Fazit

Abgeschnitten ist ein toller Thriller, der an manchen Stellen ruhig etwas mit Blut hätte sparen können.

4

 

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