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Ausgegeizt! von Uli Burchardt [Rezension]

ausgegeizt Uli Burchardt

Eine Empfehlung! Und zwar riet mein Chef mir dazu. Natürlich habe ich zunächst gezögert, aber dann griff ich doch ins Regal und las ins Buch. Ich muss dazu sagen, ich arbeite im Buchladen, ich hatte also nicht viel Aufwand. Und was soll ich sagen? Wertvoll ist definitiv besser, aber das denke ich nicht erst seit dem Buch. Geiz ist definitiv nicht geil! Dieses Wertige spiegelt sich auch schon in der Buchgestaltung wieder: Wo gibt es heute bitte noch einen Buchdeckel mit Leinen überzogen? Habe ich im modernen Buchladen schon ewig nicht gesehen. Für mich fühlt sich das Buch schon anders an als die sonstigen Bücher aus der Warengruppe Wirtschaft. Sehr schön. Das rote Lesebändchen darf auch nicht fehlen.

ausgegeizt

Ausgegeizt! -Der Inhalt

Uli Burchardt war jahrelang Marketing- und Vertriebschef bei Manufactum . Er ist Mitglied bei Attac, das ist ein weltweites Netzwerk von Globalisierungsgegnern, Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU und ausgebildeter Landwirt und Förster. Und das merkt man auch als Leser, in so ziemlich jedem Kapitel zieht er Parallelen von der normalen Wirtschaft zur Forstwirtschaft. Aus diesem Metier stammt eigentlich der Begriff Nachhaltigkeit. Sehr interessant, bei jeder Krise steigt der Gebrauch des Wortes “nachhaltig” inflationär. Da denke ich doch gern an das Greenwashing einer Vielzahl von Unternehmen heute. Im Mittelpunkt des Buchs stehen Qualität und Preis von Produkten. Ganz klar mit der Forderung nach mehr Qualität, weniger Mittelmaß und Geiz! Ebenso setzt sich Herr Burchardt ein gegen das unvernünftige Renditestreben der Großkonzerne und für mehr unternehmerischen Mut.

Meine Meinung

Dieses Buch war für mich überfällig. Pointiert, flott und mit Witz schreibt Uli Burchardt ein kluges Buch zum Thema Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit umfasst nicht nur Ökologie. Nein, Nachhaltigkeit besteht aus einem Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Komponente. Das ist an und für sich nichts Neues, aber es ist gut sich das immer Mal wieder vor Augen zu halten. Ausgegeizt! ist auch ein politisches Buch, denn wer kann besser regulierend auf Unternehmen Einfluss nehmen, wenn nicht die Politik. Sie tut es nur nicht. Die Finanztransaktionssteuer ist mein persönliches Paradebeispiel. Schade eigentlich, vielleicht kommt das Erwachen, wenn es noch schlimmer wird.
Nicht sonderlich gut fand ich die passagenweisen Werbeeinlagen von Herr Burchardt. Ja, es kann sein, dass die Unternehmen/Produkte toll und wirklich gut sind. Aber doch bitte nicht seitenweise! Ein kleiner Vermerk hätte mir genügt, ich kann mich in Zeiten von Google selbst informieren. Werbeoden haben in einem Sachbuch nichts zu suchen. Das kann jetzt jeder sehen, wie er will. Aber meine Meinung bleibt meine Meinung.
Klasse fand ich hingegen, den Aufruf im allerletzten Kapitel an den Konsumenten, richtige Stelle und richtiger Tonfall:
Wir Konsumenten verantworten mindestens ein Drittel des großen Teufelskreises aus billiger Nachfrage, billiger Produktion und billigem Handel. Jeder von uns kann also etwas besser machen. Sofort.
Wir als Konsumenten können beispielsweise die Bank wechseln, weg von Lebensmittel Spekulanten, hinzu verantwortungsbewussten Geldhäusern. Aktuell ist dies ja auch wieder ein großes Thema, siehe Deutsche Bank. Oder auch einfach nicht mehr beim Discounter einkaufen. Hah! –  Für viele wird das schwierig. 97% der Deutschen kaufen beim Discounter. Da kann sich jetzt jeder selbst fragen, ob er das schafft. Und und und. Ich möchte jetzt nicht zu viel verraten, denn es lohnt sich Ausgegeizt! selbst zu lesen.

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