Artikel
1 Kommentar

Cop town von Karin Slaughter

cop town Karin Slaughter

Eigentlich lese ich eher wenig Thriller. Ich mag es nicht, wenn man ganze Bücher im Prinzip nur auf eine Handlung reduzieren kann. Den Mord. Das ist mir zu plump. Wenn ich Thriller lese, dann sollen sie bitteschön auch einen tiefgründigeren Sinn enthalten. Sozusagen eine Nachricht vom Autor. Besonders interessant wird es, wenn der Autor ein bestimmtes Thema hat, was ihm sehr am Herzen liegt. Man merkt das! Und wenn schon Thriller, dann bitte auch mit ein paar falschen Fährten, ich will ja schließlich nicht auf Seite 20 schon den Täter erraten können. Das wäre erst langweilig. Jedenfalls kann ich sagen, dass cop town ein Thriller ist, der meinen Ansprüchen stand hielt.

Ich bin auch sehr froh, dass ich heute diese Rezension schreiben kann. In meinem Wochenplan war diese nämlich nicht enthalten. Momentan befinde ich mich in der letzten Vorlesungswoche, dies bedeutet aber auch, nächste Woche geht es los mit Prüfungen. Und wie es bei mir losgeht! Fürchterlich. Dienstag gibt es eine Runde Kostenrechnung und am Donnerstag folgt auch schon Mikroökonomie. Beide Fächer sind jetzt nicht ganz anspruchslos. Aber Stück für Stück wird es schon werden. Um so besser heute noch über einen ganz tollen Thriller schreiben zu können.

Cop town ist ein englisches Buch und ich habe es auf Lovelybooks im Rahmen einer Leserunde lesen dürfen.

cop town

Der Inhalt von cop town

Wir befinden uns im Atlanta im Jahr 1974. Ein brutaler Serienmörder treibt sein Unwesen und legt dabei einen Polizisten nach dem anderen um. Kate Murphy beginnt gerade ihre Karriere bei der Polizei. Frisch von der Ausbildung muss sie nun ersteinmal ihren Platz innerhalb der Polizeistation behaupten. Das ist überhaupt nicht einfach. Amerika wird in den Siebzigern von Männern dominiert, Frauen wurden definitiv nicht als ebenbürtig angesehen und eher belächelt.

Gleichermaßen gegen Sexismus in der Polizei kämpft auch Maggie Lawson, sowohl ihr Onkel als auch ihr Bruder sind Polizisten. Maggie möchte ihrer Familie zeigen, dass auch sie ein guter Cop sein kann. Maggie und Kate werden Partner und beginnen Ermittelungen gegen den Polizistenmörder auf eigene Faust. Und das ist wahrlich nicht ganz ungefährlich …

cop town 2

Meine Meinung

Es hat mir große Freude bereitet cop town zu lesen. Ich lese generell gerne Bücher in englischer Sprache. Zu Beginn musste ich mich zunächst an den Slang gewöhnen, der in Atlanta unter Cops gepflegt wird. Insgesamt wird cop town mit jeder gelesenen Seite besser. Zu Beginn empfand ich die Geschichte als ein wenig langatmig, aber das hatte sich nach den ersten 60 Seiten in Wohlgefallen aufgelöst.

War was nothing but a grand experiment. Behind every senseless tragedy, there was some guy with a clipboard. ~S.41

Frau Slaughter versteht es, Figuren zu zeichnen. Selten habe ich Bücher gelesen, in denen die Protagonisten so detailiert beschrieben wurden in ihrem Denken und natürlich ihren Motiven. Insbesondere Kate hat es mir angetan, man merkt wirklich wie sie sich Stück für Stück weiterentwickelt durch die Geschehnisse im Plot. Grandios.
Ebenfalls ganz hervorragend war die überzeugende Darstellung von Atlanta in den Siebzigern. Die Atmosphäre tropft aus jeder Seite. Als Leser bekommt man sehr schnell das Gefühl von einer stickigen, dreckigen und durchaus aggressiven Stadt.

Evil people can do good. Good people can do evil. Why does this happen sometimes? Because it’s Tuesday. ~S.269

Sehr bewegt hat mich an cop town das Thema Sexismus beziehungsweise die Dominanz der Männer auf allen Ebenen. Eine Frau konnte damals noch nichteinmal ein eigenes Bankkonto eröffnen oder einen Mietvertrag für eine Wohnung unterzeichnen ohne die Unterschrift des am nächsten stehenden männlichen Verwandten. Das ist doch furchtbar! Damit war ein eigenständiges Leben für Frauen überhaupt nicht möglich. Dementsprechend groß waren auch immer die Schikanen der Männer, wenn eine Frau es dann doch mal gewagt hat, ihre eigene Meinung zu vertreten oder vielleicht sogar einen Beruf zu wählen, der eher für Männer vorgesehen zu sein scheint. Selbstverständlich sollte man nicht vergessen, dass es auch heute noch keine vollständige Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt.

cop town 1

Fazit

Cop town ist ein gelungener Thriller mit Tiefgang. Abzug gibt es allerdings für den etwas trägen Anfang.

4

 

 

1 Kommentar

  1. Liebe Janine,

    Cop Town hat mir ebenso gut gefallen und ich bewundere es immer wieder, wie Karin Slaughter ihre Figuren zeichnet. Oft wird die Autorin auf „blutig“ reduziert, doch ich liebe ihre geschickten Verflechtungen und besonders die gut ausgearbeiteten Figuren.

    Liebe Grüße

    Nisnis

Kommentar verfassen