Kapri-zioes

Die amerikanische Nacht von Marisha Pessl

Im Januar habe ich ein Buch gelesen, welches mich wirklich beeindruckt hat. Auch jetzt, Monate später, erwische ich mich, wie ich in ruhigen Momenten an Inhalte oder Charaktere aus Die amerikanische Nacht denke. Dass ein Buch so einen Nachgeschmack entfaltet, habe ich selten

Erschienen ist Marisha Pessls Roman im September 2013. Das war im letzten Monat meines dualen Studiums. Meine Anstellung bei einem großen deutschen Buchhändler lag in den letzten Zügen. Aufmerksam geworden auf Die amerikanische Nacht bin ich wegen der zahlreichen Bilder im Buch. Das war ungewöhnlich, die meisten Romane kommen ohne Bilder aus.

Inhalt von Die amerikanische Nacht

Ashley ist vierunzwanzig Jahre und tot. Sie starb in einer alten, baufälligen Lagerhalle in Manhattan. Ob es Suizid oder Mord war, ist unklar. Fraglich ist auch, ob ihr Vater damit etwas zu tun hatte. Ashleys Vater ist niemand Geringeres als Stanislav Cordova, der berühmte Filmemacher. Cordova ist ein Genie, ein Bessesener und ein Wahnsinniger. Seit Jahrzehnten lebt er mit seiner Familie zurückgezogen und abgeschottet von der Außenwelt. Auf seinem Anwesen dreht er auch seine legendären Horrorfilme.

Der Journalist Scott versucht, Licht ins Dunkel um Ashleys Tod und ihre letzten Tage zu bringen. In Sachen Cordova ist er nicht unbeleckt, ein paar Jahre zuvor kostete eine mysteriöse Zeugenaussage über Cordova Scotts Karriere. Und gerade deswegen muss Scott Ashleys Tod aufklären.

Meine Meinung

Ich hatte bereits erwähnt, dass mich das Buch beeindruckt hat. Woran es jetzt genau lag, kann ich aber nicht im Einzelnen ausmachen. Es war das Zusammenspiel von starken Charakteren, düsterer Atmosphäre und unendlicher Spannung.

Todesangst ist so überlebenswichtig wie die Liebe. Sie berührt den Kern unseres Daseins und lässt uns erkennen, wer wir wirklich sind. Trittst du einen Schritt zurück und schließt die Augen? Oder hast du die Kraft, dich dem Abgrund zu nähern und hinabzusehen? Willst du wissen, was dort unten ist, oder willst du in der dunklen Illusion leben, in der uns diese Welt des Kommerzes eingeschlosen hält wie ein ewiger Kokon in seinem Innteren die blinden Raupen? Wirst du dich mit geschlossenen Augen zusammenrollen und sterben? Oder kannst du dich davon befreien und fliegen?

– Seite 5, Die Amerikanische Nacht von Marisha Pessl

Ashley Cordova war, als sie noch lebte, eine wahrhaft faszinierende Persönlichkeit. Zeugen, die sie erlebt haben, beschrieben sie als jemanden, der das Leben mit jedem Atemzug zelebriert. Ashley war wunderschön, mutig und klug. Sie wusste, was hinter den Dingen steckt und nahm sich auch mehr Freiheiten als gewöhnliche Menschen. Beim Lesen konnte man schon ein wenig neidisch werden auf diese Eigenschaften.

Marisha Pessl stellt mit Die amerikanische Nacht die Frage nach dem Leben und welche Dinge darin wirklich wichtig sind. Für den einen ist es die Kunst, seine Filme. Andere erkennen, dass die eigene Tochter ihnen das Teuerste ist. Wiederum andere merken, dass die Augenblicke mit einer ganz bestimmten Person unendlich kostbar waren. Fakt ist, jeder entscheidet selbst. In jedem Fall sollte die Entscheidung bewusst getroffen werden, ohne die Lethargie des ewig Gleichen. Nur weil es immer so getan wurde, muss es nicht so weiter gehen. Die Frage ist doch, arbeitet man nur bei einem Unternehmen, weil man vor Monaten oder Jahren einmal damit begonnen hat, oder arbeite ich dort, weil ich das wirklich so will. Das Gleiche bei Partner, Wohnort oder allen möglichen Dingen im Leben – tue ich das alles aus Gewohnheit oder entscheide ich mich täglich bewusst dazu?

Die amerikanische Nacht verbreitet eine düstere Atmosphäre, ich war oft geneigt, den Atem anzuhalten. Gerade durch die Schilderungen aus Cordovas Horrorfilmen werden manche Textstellen beklemmend. Auch die Wendungen tun ihr Übriges.

Es gibt auch eine schöne Seite zum Buch.

Fazit

Die amerikanische Nacht regt zum selbstbestimmten Leben des eigenen Lebens an.