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Blogbuster: Wer ist B. Traven? von Torsten Seifert

Im letzten Jahr machte es mir Freude zu sehen, dass es zum ersten Mal einen ernstzunehmenden Preis der Literaturblogger gab, den Blogbuster. Bisher unveröffentlichte Manuskripte konnten an die teilnehmenden Blogger gesendet werden und wenn es gut genug war, dann konnte es als Favorit eines Bloggers ausgewählt werden. Das kam natürlich auch auf den Geschmack des Bloggers an. Anschließend musste sich der Text einer Jury aus fünf Personen stellen, darunter der Literaturkritiker Denis Scheck und die Literaturagentin Elisabeth Ruge. In Zahlen hieß dies konkret, dass 15 Blogs aus insgesamt 252 Manuskripten auswählen durften. Der Siegertitel des ersten Blogbusters ist Torsten Seifert mit seinem Buch „Wer ist B. Traven?“. Tilman Winterling (54 Books) stand dafür im Wettbewerb Pate. „Wer ist B. Traven?“ erschien kürzlich im Tropen Verlag (Klett-Cotta) und ich war sehr gespannt, welche Perle dieses Buch geworden ist.

Wer ist B. Traven?

Zunächst einmal der Autor B. Traven ist keine Erfindung von Torsten Seifert. Es gab ihn wirklich, aber seine wahre Identität ist unbekannt. Auch heute noch ist B. Traven ein literarischer Mythos. Und dieses Phantoms der Literaturgeschichte bedient sich Torsten Seifert sehr geschickt. Sein Buch „Wer ist B. Traven?“ handelt vom Reporter Leon Borenstein, der die Mission hat, aufzudecken, wer B. Traven wirklich ist. Die Geschichte beginnt im Los Angeles der 50er Jahre als Hollywood noch regelrecht glänzte. Leon trifft sich mit ein paar Strippenziehern aus dem Filmgeschäft, stellt Fragen und gibt selbst keine klaren Antworten. Alles erinnert sehr an einen Ganovenfilm aus der damaligen Zeit: Immer schwebt ein kleiner Hauch Gefahr in der Luft.

Eine Spur führt ihn zum Filmdreh des Klassikers „Der Schatz der Sierra Madre“ nach dem gleichnamigen Buch von B. Traven in Mexiko. John Huston führt Regie und die Hauptrolle spielt Humphrey Bogart. Mit am Set soll der Agent von B. Traven, ein Mann namens Hal Croves, sein. Leon muss an diesen Typen herankommen und der Vorwand ist ein Interview mit Humphrey Bogart, weil er zum ersten Mal außerhalb der USA einen Film dreht. Aber „Wer ist B. Traven?“ wäre kein gutes Buch, wenn es nur um einen alten unbekannten Schriftsteller gehen würde: Leon Borenstein beginnt eine Affäre mit der schönen Studentin Maria, die zufällig im gleichen Hotel übernachtet wie er. Damit wären schon einmal drei Erfolgskomponenten beisammen – Liebe, Geheimnis und Gefahr.

Ein Buch aus einer anderen Zeit

Als ich die ersten Kapitel des Buches „Wer ist B. Traven?“ gelesen habe und zu der Stelle kam, als Leon nach Mexiko reiste, musste ich mir unbedingt Ausschnitte aus dem Film „Der Schatz der Sierra Madre“ ansehen.

Es vermittelte mir eine gute Ahnung darüber, wie die Geschichte gewesen sein könnte, wenn sie denn real gewesen wäre. Torsten Seifert spielt sehr gekonnt mit Realität und Fiktion. Ganz gewiss gab es einen B. Traven, der nicht gefunden werden wollte und vielleicht gab es sogar einen Leon Borenstein, aber wissen kann ich es nicht. „Wer ist B. Traven?“ ist ein aufregendes Buch, aufregender noch als das neue Buch von Dan Brown, der bekanntlich auch Meister in der Vermischung von Realität und Fiktion ist. Und es ist auch aufregender als viele Bücher, die ich kenne. Torsten Seifert hat ein Abenteuerbuch aus einer längst vergangenen Zeit geschrieben und damit genau meinen Geschmack getroffen.

Torsten Seifert: Wer ist B. Traven?. Tropen Verlag. ISBN: 978-3608503470. 269 Seiten. 20,00 €.