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Eine Reise zum Bücherdorf Hay-on-Wye in Wales

Alles begann mit einer fixen Idee zu Beginn des Jahres 2017: Einmal nach Wales reisen und dort natürlich auch das erste Bücherdorf der Welt besuchen: Hay-on-Wye. Die Anreise von Deutschland ist ein bisschen umständlich, denn der nächste Bahnhof ist 21 Meilen entfernt und befindet sich in Hereford. Etwa 5 Busse am Tag fahren vom Bahnhof Hereford nach Hay-on-Wye. Aber wir hatten ohnehin ein Auto für unseren Trip durch Wales gemietet und so fuhren wir vorbei an unzähligen Schafsweiden und Kreisverkehren. Die Straße durch den Brecon-Beacons-Nationalpark ist meist gesäumt von hohen Hecken oder Mauern – die schöne Landschaft kann man also gar nicht richtig genießen. Und dann zeigt das Navi nur noch 8 Minuten bis zum Hotel an, welches sich mitten in der Stadt befindet, aber nirgendwo ist eine Stadt zu sehen. 5 Minuten später sind dann tatsächlich Häuser zu sehen und schon sind wir am Hotel vorbeigefahren.

Das Bücherdorf Hay-on-Wye

Im Städtchen wohnen 1800 Einwohner. Es ist also kaum verwunderlich, dass wir so schnell durchgefahren sind. Zunächst einmal sieht alles sehr gewöhnlich für Großbritannien aus: Kleine Häuser aus Stein, viele Erker, einige Blumen und schöne bunte Türen. Es ist ein idyllischer Ort. Schon immer war Hay-on-Wye eine Marktstadt, das sieht man auch an den vielen Marktplätzen, wenn man genau hinschaut. 1962 eröffnete der Engländer Richard Booth das Antiquariat Richard Booth Bookshop und kurz darauf ein zweites im „Old Cinema“. Richard Booth kaufte die gebrauchten Bücher von aufgelösten Haushalten und Bibliotheken auf und begann damit zu handeln. So wuchs die Anzahl der Buchläden in Hay-on-Wye auf aktuell 23. Immer wieder brachte Richard Booth Hay-on-Wye in die Medien. Etwa als er am 1.4.1977 den Ort zum unabhängigen Königreich Hay und sich selbst zum König erklärte. Es gibt eigene Reisepässe für die Bewohner und eine eigene, essbare Währung.

Einmal im Jahr für 10 Tage findet Ende Mai bzw. Anfang Juni das Hay Festival statt. Es ist mittlerweile eines der bekanntesten Literaturfestivals auf der ganzen Welt und hat Ableger beispielsweise in Mexiko, Spanien und Dänemark. Im kommenden November findet nochmal eine kleinere Winterausgabe des Festivals statt. Wenn du im November also noch nichts vorhast, kannst du das Festival gern einmal besuchen.

Ein Paradies für Bücherwürmer

Für mich war Hay-on-Wye ein unwirklicher Ort. Dicht an dicht stehen dort Buchläden und auch sonst besteht der ganze Ort gefühlt nur aus Büchern. Hauptsächlich werden gebrauchte Bücher verkauft, nur in wenigen Läden gibt es auch aktuelle, neue Bücher. Wer hier allerdings nicht englische Bücher sucht, wird enttäuscht werden. Deutsche Bücher gibt es fast gar nicht und wenn sind es uralte Bücher, die ohnehin keiner mehr lesen möchte. Wenn du jedoch auch gut englische Bücher lesen kannst, wirst du sicher ein paar tolle Schätze finden. Sicher wird dir der Ort auch gefallen, wenn du dich einfach nur am Aussehen der vielen Buchläden erfreuen willst.

Besonders toll fand ich die verschiedenen speziellen Buchläden. Beispielsweise gab es einen Buchladen nur für Lyrik (The Poetry Bookshop) oder einen Laden nur für Krimis (Murder and Mayhem). Da ist es schon beeindruckend einfach nur die Masse an Büchern zu sehen, die es zu einem bestimmten Genre gibt. Kein Buchladen, aber auch sehr schön ist der Laden Mostly Maps. Hier kann man alte Karten oder Zeichnungen kaufen. Sehr schön! Leider reisten wir wieder mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland und ich hatte einfach zu große Angst, dass so ein Kunstwerk im Koffer kaputtgehen würde, deshalb habe ich mir keines gekauft. Andererseits wäre ich in dem Laden sicher arm geworden, weil alles so schön war.

Für deutsche Bücherwürmer, die ein Schnäppchen machen wollen, kann ich Addyman Books nur sehr empfehlen. Hier gibt es Restauflagen und Klassiker zum kleinen Preis und auch der Buchladen selbst ist schön gestaltet. Je nach Themengebiet wurden die Regale anders dekoriert und bemalt. Der größte Buchladen von Hay-on-Wye ist immer noch der Richard Booth Bookshop. Der Buchladen ist sehr sehenswert, schon allein, weil er riesig ist. Auf 3 Etagen werden sowohl gebrauchte als auch neue Bücher verkauft und es gibt ein gutes Café. Darüber hinaus hat mich noch „The Old Electric Shop“ sehr begeistert. Das ist kein reiner Buchladen, sondern eine Mischung aus besonderes Gegenständen, Textilien, Büchern und Drucken. Sehr eigenwillig und einzigartig!

Und sonst?

Für eine Übernachtung kann ich dir das „Seven Stars Bed & Breakfast“ empfehlen. Es befindet sich direkt im Ort, hat schöne helle Zimmer, einen Pool und das Frühstück ist super. Nicht weit vom Seven Stars ist das indische Restaurant „Red Indigo“, wo es sehr leckeres indisches Essen gibt. Ich bekomme jetzt noch Appetit, wenn ich an das Saag Paneer mit Naan-Brot denke.

Gleich am Ortseingang befindet sich ein großer Parkplatz und auf der Straße gegenüber dieses Parkplatzes ist eine Touristeninformatik. Dort gibt es kostenlos eine Karte mit allen Buchläden und Buchbindereien von Hay-on-Wye und noch andere Flyer über die Stadt selbst. Hay-on-Wye ist ein sehenswerter Ort, aber andere Attraktionen als die Buchläden gibt es vorerst nicht. Innerhalb der nächsten 2 Jahre soll das verfallene Hay Castle wiederaufgebaut werden, aber erstmal sehen, wie und bis wann das wirklich passiert. Länger als einen Tag wirst du also nicht brauchen, um auch wirklich alles im Buch-Mekka gesehen zu haben.