Kapri-zioes

Als wir unbesiegbar waren von Alice Adams

Als Albert Camus nachfolgenden Satz schrieb, hat er sicher nicht damit gerechnet, dass er so viele Menschen damit inspirieren würde. „Mitten im Winter erfuhr ich endlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer ist.“ Seit dieser Zeit musste er für viele Buchtitel und Anspielungen herhalten, so auch bei „Als wir unbesiegbar waren“ von Alice Adams. Aber ich kann es auch verstehen, denn dieser eine Satz von Albert Camus spiegelt den Inhalt des gesamten Buches wieder.

Als wir unbesiegbar waren

Eva, Benedict, Lucien und Sylvie liegen am Strand. Es ist 1995, es ist Sommer und sie sind in Bristol. Gerade hat Eva die erste Prüfungsphase ihres Studiums überstanden und schon am nächsten Tag würde sie nach Hause zu ihren Eltern fahren und dort die Semesterferien verbringen. Also trinken die vier Freunde gemeinsam Wein, philosophieren über das Leben, welches ihnen noch bevorsteht und stellen sich gegenseitig Fragen: „Wenn ihr die Antwort auf irgendeine Frage bekommen könntet, welche Frage würdet ihr nehmen?“ (Aus: „Als wir unbesiegbar waren“ von Alice Adams, Seite 9)

Kurz nachdem Eva diese Frage stellte, machte sich Sylvie auf für eine Nachtschicht in der Bibliothek, um noch ihre letzte Hausarbeit fertig zu stellen und auch Benedict ging, weil er für seine Heimreise noch packen musste. Also war Eva mit Sylvies Bruder Lucien allein. Eva war schon seit fast einem Jahr vernarrt in Lucien, seit sie ihn kennengelernt hat. Natürlich kommen sie sich in dieser Nacht näher, aber am nächsten Morgen ist es, als wäre nichts gewesen. Mit dieser Situation steigt Alice Adams in ihr Buch ein, darauf folgen in unregelmäßigen zeitlichen Abständen neue Geschichten aus dem Leben der vier Freunde über die nächsten 20 Jahre. Also wer hat mit wem eine Liebesbeziehung, welche Berufe ergreifen die vier, wie sieht es mit Geldsorgen aus, wer gründet eine Familie oder verzweifelt gerade am Leben.

Wie das Leben so spielt

Es ist interessant zu sehen, wie sich vier Menschen im Leben manchmal annähern und dann wieder voneinander entfernen über so einen langen Zeitraum. Nach dem Lesen erscheint es mir spannender zu wissen, was aus den einzelnen Personen geworden ist als das tatsächliche Lesen ihrer Entwicklung, denn „Als wir unbesiegbar waren“ kann manchmal ziemlich langatmig sein. Besonders die erste Hälfte des Buches hat mich gelangweilt. Ab der zweiten Hälfte wurde es dann besser. Vielleicht hatte ich mich dann endlich in die Geschichte und ihre Figuren eingefunden und konnte mit den Problemen der Personen mitleiden.

Alice Adams stellt die Aufs und Abs im Leben sehr gut dar, also die Schicksalsschläge, aber auch unglaubliches Glück. Für mich war es beim Lesen am faszinierendsten, wie die Figuren einfach so in wichtige Entscheidungen oder Ereignisse hineingeschlittert sind, die dann ihr Leben veränderten. Vorher beziehungsweise häufig auch noch in dem selbst Moment wusste man gar nicht, dass gerade etwas wirklich Wichtiges passierte. Und es ist ja auch so oder hattest du schon oft das Bewusstsein, dass die Ereignisse des nächsten Tages dich dein gesamtes Leben begleiten und es prägen werden? So viel Weitsicht und Bewusstsein haben wohl nur die wenigstens Menschen. Durch „Als wir unbesiegbar waren“ bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was wichtig ist im Leben und worauf man bei sich mal achten sollte. In meinen Augen ist auch gerade das die Stärke des Buches und nicht die Handlung an sich, denn diese ist manchmal sehr alltäglich.

Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren. Dumont Verlag. ISBN: 978-3832198411. 336 Seiten. 20,00 €.

Weitere Rezensionen auf anderen Blogs:
Schonhalbelf
Leselust
Literatwo

Kommentierfrage: Was war der bisher schönste Moment in deinem Leben?