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Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfen

Nicht jede Liebe ist schön oder endet gut, aber immer hat sie eine Bedeutung. Wie könnte man jemanden jemals vergessen, den man geliebt hat? Von Liebe erzählt auch „Das Rauschen in unseren Köpfen“ von Svenja Gräfen. Es ist ihr Debütroman und sie ist im gleichen Jahr geboren wie ich, umso neugieriger war ich, was und wie jemand in meinem Alter schreibt.

Lene liebt Hendrik und Hendrik liebt Lene

In „Das Rauschen in unseren Köpfen“ wird die Geschichte von Lene erzählt beziehungsweise ein Teil ihrer Geschichte. Lene studiert und ist gemeinsam mit ihrer besten Freundin in eine WG gezogen. Als sie noch daheim wohnte, war sie glücklich. Zu ihrer Familie hat sie ein gutes Verhältnis, es gab nie wirklich Stress, aber nach dem Abitur wollte sie nicht länger in dem Kaff ihrer Eltern bleiben. Schließlich gab es die Welt zu verpassen. Und Hanna, ihrer besten Freundin, ging es genauso.

Gemeinsam lebten sie also ein ganz gewöhnliches Studentenleben: Manchmal Uni, manchmal ein bisschen Geld verdienen, manchmal die Nacht durchfeiern. Die Zeit war glücklich und noch glücklicher wurde sie als Lene Hendrik traf.

Als ich Hendrik traf, vergaß ich für einen Moment, dass es je eine Zeit gegeben hatte, in der er noch keine Rolle spielte. Es kam mir surreal vor, dass ich viele Jahre ohne ihn gelebt haben musste, offensichtlich ein ganzes junges Leben lang, dass wir viele Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen waren und in den Ferien manchmal zeitversetzt auf dieselben Meere geschaut haben könnten.

(Aus: Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfen, Seite 11)

Sie lernten sich am U-Bahnhof kennen: Lene streifte Hendrik mit dem Pedal ihres Fahrrades am Schienbein im Gedränge der Stoßzeit. Ein paar Tage später fahren sie gemeinsam mit der U-Bahn, ihre Blicke treffen sich, sie steigen zufällig an der gleichen Haltestelle aus und Lene spricht Hendrik an. Danach verbringen sie den Rest des Tages und der Nacht miteinander. Das Glück scheint perfekt, aber während die beiden eine gemeinsame Zukunft miteinander planen, schiebt sich Hendriks Vergangenheit immer mehr in den Vordergrund.

Das Rauschen in unseren Köpfen

Svenja Gräfen schreibt in einer poetischen und melancholischen Sprache über die Liebe zwischen Lene und Hendrik und über beider Vergangenheit. Ich habe das Buch gern gelesen; es unterhält gut. Aber mir fehlt etwas. Die Perspektiven wechseln immer wieder zwischen der Gegenwart (Lene und Hendrik als Paar) und Erinnerungen. Manchmal wundere ich mich über Svenja Gräfens Sprünge. Ich weiß dann nicht, wo Lene gerade ist und wie das alles zur Geschichte passt. Dieses Gefühl hatte ich 2 bis 3 Mal während ich „Das Rauschen in unseren Köpfen“ las.

Immer wieder ertappe ich mich beim Lesen, wie ich selbst an meine Liebesbeziehungen denke. An meine Exfreunde, ihre Eigenheiten beziehungsweise Macken und natürlich auch an mein eigenes Glück gerade. Wird es halten? „Das Rauschen in unseren Köpfen“ wirkt auf mich wie eine Woche im Sommer, in der alles möglich scheint, aber am Ende doch nichts wirklich anders ist als sonst, nur eben viel verträumter.

Svenja Gräfen: Das Rauschen in unseren Köpfen. Ullstein Fünf. ISBN: 978-3961010042. 240 Seiten. 16,00€.

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