Kapri-zioes

Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche von Hannes Jaenicke

Hannes Jaenicke hat mit „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ nach „Wut allein reicht nicht“ und „Die große Volksverarsche“ bereits sein drittes Buch veröffentlicht. Bekannt wurde er als Schauspieler, er engagiert sich aber schon seit mehreren Jahren im Tier- und Umweltschutz und ist gegen Rassismus und PEGIDA.

Gegen die German Angst

In „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ bescheinigt Hannes Jaenicke den Deutschen Angst vor dem Querdenken und aus der Masse ausscheren. Wer anders ist als die anderen, wird ungläubig beäugt oder in manchen Fällen sogar zurechtgestutzt. Im ersten Teil seines Buches widmet Hannes Jaenicke sich sehr ausgiebig der Konformität und warum gerade die Deutschen darauf so bestehen. Bei seinen vielen Reisen als Schauspieler ist Hannes Jaenicke aufgefallen, dass in den USA oder in Großbritannien Querdenker ein wesentlich besseres Image haben als in Deutschland. Dort werden Menschen für ihr Unternehmertum und ihren Wagemut gefeiert, hier wird über sie gelästert und wenn ein Projekt schiefgeht, wird sich hämisch darüber gefreut. Die Schafe sollten eben besser bei ihrer Herde bleiben.

Jemand der Gutes tut, wird nicht unbedingt auch darin unterstützt. Hannes Jaenicke beklagt, dass gerade das ehrliche Engagement von Prominenten in Entwicklungsländern oder für soziale Projekte von den Medien totgeschwiegen wird. Die Schlagzeilen über den neusten Ausrutscher eines prominenten Dummchens sind viel attraktiver und so bekommen „dumme Menschen“ noch mehr Aufmerksamkeit. Wenn die Medien also ihre Berichterstattung ein wenig anpassen würden und mehr über „gute Taten“ berichten würden, wäre die Welt vielleicht etwas besser. In dieser Meinung stimme ich mit Hannes Jaenicke vollkommen überein.

Wo sind die Helden?

Nach „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ fehlen in Deutschland die Helden. Es gibt keine Vorbilder, zu denen aufgeschaut werden könnte. Keiner ermuntert die ängstlichen Deutschen zum Querdenken. Hannes Jaenicke hat in seinem Bekanntenkreis eine nicht repräsentative Umfrage begonnen und etwa 200 Menschen die Frage gestellt, wer für sie ein Vorbild ist. Es gab kaum konkrete Antworten; die meisten haben überhaupt kein Vorbild. Und wieder macht Hannes Jaenicke die deutsche Kultur dafür verantwortlich, weil ein Vorbild für die Deutschen in allen Bereichen frei von Fehlern sein muss. Margot Käßmann ist eine tolle engagierte Frau, aber leider ist sie einmal betrunken Auto gefahren und fällt somit aus der Reihe der Vorbilder heraus. Das ist schade und Unsinn.

Am interessantesten fand ich in „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ das Kapitel, in dem Hannes Jaenicke die Helden des Alltages schildert. Mir macht das Mut, dass auch mit kleinen Taten, die Welt zu einem besseren Ort gemacht werden kann. Allerdings vermisse ich eine kleine bis große Aufzählung von Menschen, die tatsächlich Vorbild sein könnten und warum. In dieser Hinsicht bleibt Hannes Jaenicke seltsam vage, obwohl Vagheit im Ausdruck nicht sein Stil ist. Die Sprache von Hannes Jaenicke in „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ ist manchmal sehr derb und bisweilen auch aggressiv. Das passt zu ihm als Mensch recht gut, ist aber im Buch nicht immer angenehm zu lesen.

Generell wirkt „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“ recht schnell „heruntergeschrieben“, denn beim Lesen wirkte das Buch auf mich unbalanciert und irgendwie ungleich. Handwerklich wurde das Buch nicht ganz sauber geschrieben. Die Kapitelübergänge holpern an manchen Stellen zu sehr. Nichtsdestotrotz war das Lesen dieses Buches für mich inspirierend, es hat mich zum Nachdenken angeregt und vor allem macht es Mut, ruhig öfter aus der Reihe zu tanzen. Besonders lesenswert empfand ich das Kapitel, in dem Hannes Jaenicke über sein eigenes Vorbild Götz George geschrieben hat. Daran merkt man, was ein Vorbild aus einem Menschen machen kann und das macht Lust, über die eigenen Vorbilder zu sinnieren.

Hannes Jaenicke: Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche – Warum wir dringend Helden brauchen.
Gütersloher Verlagshaus. ISBN 978-3579086682. 192 Seiten. 19,99 €.

Weitere Rezensionen auf anderen Blogs
Booknerds

Kommentierfrage: Hast du schon einmal ein Buch von Hannes Jaenicke gelesen? Was hälst du von ihm?