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Warum ich 16 Stunden Zug für die Litblog Convention 2017 gefahren bin

Schon zum zweiten Mal fand in der Domstadt Köln die Litblog Convention statt. Bei der ersten Bloggerkonferenz hatte ich keine Zeit, denn ich war Trauzeugin und das war mir tatsächlich mal wichtiger als das Buchbloggen, aber diesmal war ich mit dabei. Für die Litblog Convention habe ich auch gleich ein verhältnismäßig großes Opfer gebracht, denn ich habe mich etwa 16 Stunden in den Zug gesetzt, die Klimaanlage in ICEs und auf engstem Raum meine Mitmenschen ertragen. Zur Beruhigung habe ich halt Bücher gelesen oder mich mit Jule unterhalten, denn wir sind zu zweit angereist. Jule und ich waren also den ganzen Freitag mit der deutschen Bahn unterwegs und zum Abschluss des Tages haben wir uns einen kleinen Fußmarsch vom Hotel zum Bona´me an der Deutzer Brücke in Köln gegönnt und dort Beyti gegessen sowie Rhabarber Shrub getrunken. Damit waren die Strapazen der Reise schon fast wieder vergessen, aber das wäre zu einfach.

Was ich mir auf der Litblog Convention 2017 angeschaut habe

Basic Handlettering

Ohne viel Vorgeplänkel (lange Reden, ätzende Vorstellungsrunden oder beschwörende Grußworte) wurde in die erste Session der Bloggerkonferenz eingestiegen. Ich hatte mir den Grundkurs in Handlettering als Einstieg in den Bloggertag ausgesucht. Handlettering ist quasi Schönschreiben in cool und ich habe das noch nie gemacht. Sandra, die Büchergöre, saß bei meinen ersten Schönschreibversuchen neben mir und hat felsenfest behauptet, dass ich ein kleiner Streber wäre, weil das bei mir gleich ganz gut klappt. Vielleicht hat sie da recht. Mir haben die kleinen Übungen und Tipps zum Handlettering große Freude bereitet und ich habe jetzt wahrscheinlich ein neues Hobby, um an stressigen Tagen runterzukommen.

John Irvings Ringen und Schreiben

Eine absolute Gänsehautsession war für mich der Vortrag von John Irvings Lektorin Anna von Planta. Ich hatte tatsächlich manchmal Gänsehaut, wenn sie von John Irving erzählt hat. Anna von Planta ist Teil des etwa zehnköpfigen internationalen Rechercheteams von Irving und hat sich über die Jahre sogar das Privileg erarbeitet, die Erstfassung eines neuen Buches von Irving als eine der Ersten durchlesen zu dürfen. Das kann man sich als Ritterschlag der Lektorenarbeit vorstellen.

Etwa 1977/78 wollte der Verleger von Diogenes, Daniel Keel, unbedingt die deutschen Rechte für sämtliche Bücher von John Irving haben. Dieser Wunsch ging allerdings erst später in Erfüllung, nachdem „Garp und wie er die Welt sah“ 1981 bei Rowohlt floppte. Der nächste Roman „Das Hotel New Hampshire“ wurde dann bei Diogenes verlegt. Der Roman bekam zwar gute Kritiken, verkaufte sich aber alles andere als gut. Und so ging es weiter.

Diogenes ist ein Autorenverlag und möchte Autoren aufbauen. Das ist häufig sehr zäh, zahlt sich auf lange Sicht aber aus. John Irvings Durchbruch kam mit dem siebten Roman – „Owen Meany“ und seitdem ist ein neuer Roman von John Irving eigentlich immer ein Bestseller. John Irving schreibt über die Randfiguren der Gesellschaft, über Verlust, über Suchende und die Widersprüchlichkeit im Leben und das kann niemand so wie er.

„Tierchen unlimited“ – Typische Migratonsliteratur? Nein, Punk!

Mein dritter Programmpunkt war ein Werkstattgespräch zwischen dem Debütautor Tijan Sila und seinem Lektor Olaf Petersenn aus dem KiWi Verlag. Tijan Sila ist neu im Literaturbusiness und Olaf Petersenn arbeitet schon seit 16 Jahren als Lektor. Ich hatte große Freude beim Zuhören dieses Gesprächs, weil beide sehr ausführlich über ihre Erwartungen und Erfahrungen gesprochen haben.

Es ging um den Entstehungsprozess von Tijan Silas Debütroman „Tierchen unlimited“. Aber es war keine plakative Eigenwerbung für das Buch, sondern Olaf Petersenn brachte auch immer ein, wie der normale Prozess abläuft. Ich kannte das Buch vor dem Werkstattgespräch überhaupt nicht und bin eigentlich auch nur durch Zufall gerade in diese Session gegangen, weil die Alternativen alle schlechter waren. Ich habe nichts bereut. Jetzt weiß ich, dass „schlank besser für ein Buch ist“ und dass „wenn man wöllte, könnte man sich ein Leben lang mit dem Schreiben eines Buches beschäftigen“. Diese Aussagen kamen von Tijan Sila selbst und beschreiben den langen Überarbeitungsprozess bis aus einem Manuskript ein Buch wird.

Books & Co. auf Instagram

Bei den Macherinnen des Büchermagazins Moka Enja Jans und Sandra Albert habe ich mir einige Tipps für mein Instagramprofil abgeschaut. Ich hatte keine großen Erwartungen an den Vortrag, denn ich wurde schon ziemlich oft enttäuscht, wenn es hieß, dass irgendwelche Socialmedia-Profis ihre Tricks verraten. Meist hörte ich dann nur so etwas wie nutzt Hastags und macht schöne Fotos. Aha.

Enja und Sandra haben sich mehr Mühe gegeben, denn ihr Verdienst war eine ellenlange Liste von Beispielen und wunderbaren buchigen Instagramaccounts sowie nützliche Checklisten. Ich mochte die Abwechslung zwischen allgemeinen Ratschlägen und spezifischen Hinweisen wie auf einzelne Hashtags sehr gut. In den nächsten Tagen werde ich wohl ziemlich viel Zeit in eine Instagram-Feldstudie investieren.

Schreib ein Stück

Bei meinem letzten Programmpunkt nahm ich an einem Workshop von Laura de Weck teil. Sie hat den Teilnehmern gezeigt, wie sie ein Theaterstück schreiben. Also welche einzelnen Bestandteile es dazu braucht und das Ganze dann auch gleich mit den Teilnehmern in die Tat umgesetzt. Dabei kam eine morbide Komödie mit dem Setting einer Trauerfeier heraus. Ich habe wahnsinnig viel gelacht!

Was ich noch erlebt habe

Eines meiner Highlights war schon das Ankommen bei der Litblog Convention. Denn vor dem Eingang stand Flo (literarischernerd) und rauchte. Er trug eine Sonnenbrille, um seine Augenringe bzw. seinen Kater zu kaschieren. Hat nicht geklappt. Flo war am Vorabend mit anderen Buchmenschen ordentlich etwas trinken gewesen. Eigentlich schade, dass Jule und ich nach unseren Beyti ins Futterkoma gefallen sind und zeitig im Bett waren.

Eigentlich habe ich ein Problem mit Fotos von mir, aber im Fotobulli habe ich das vergessen. Im Foyer von Bastei Lübbe stand ein VW-Bulli, der zu einer Fotobox mit lustigen Requisiten umfunktioniert wurde. Mich haben diese Fotos süchtig gemacht und ich wäre gern überhaupt nicht mehr aus dem Bulli herausgeklettert.

Gleich nach Begrüßung und Anmeldung hat jeder Blogger ein Goodiebag abholen dürfen. Ich hatte schon am Abend vorher Fotos von den LBC-Turnbeuteln gesehen und ahnte die Katastrophe. Der Beutel war voll und schwer. Und dann gab es auch noch bei den Ständen der Verlage mehr Bücher und zu vielen Sessions auch noch einmal. Was soll ich sagen – am Samstagabend habe ich ein bisschen puzzeln müssen bis alles in meinem Koffer für die Rückreise verstaut war. Es ist ein bisschen eskaliert.

Fazit

Für die Litblog Convention 2017 saß ich mit Hin- und Rückfahrt also 16 Stunden im Zug und ich würde das wieder so tun. Es war ein schöner Tag mit spannenden Programmpunkten und ich habe viel Neues kennengelernt. Die Convention wurde von den sechs Verlagen Bastei Lübbe, DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer & Witsch, Community Editions und Diogenes veranstaltet. Das hat man aber nicht permanent gemerkt, denn zumindest in meinen Sessions ging es überhaupt nicht um protzige Eigenwerbung. Im Mittelpunkt standen die Inhalte und das war super.