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American Bloomsbury von Susan Cheever oder das Zeitalter der amerikanischen Literatur

In Concord in Amerika (genauer Neuengland) laufen Mitte des 19. Jahrhunderts alle Fäden zusammen, zumindest was die amerikanische Literatur betrifft. Susan Cheever stellt in ihrem Buch „American Bloomsbury“ den Transzendentalismus vor. Dafür erzählt sie die Geschichte der fünf Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Henry David Thoreau, Louisa May Alcott, Ralph Waldo Emerson, Margaret Fuller und Nathaniel Hawthorne.

Ein Leben zwischen Liebe, Inspiration und Natursehnsucht

„American Bloomsbury“ behandelt die Leben der fünf Hauptpersonen Henry David Thoreau, Louisa May Alcott, Ralph Waldo Emerson, Margaret Fuller und Nathaniel Hawthorne und deren Freunde in einem Zeitraum von etwa 40 Jahren, beginnend mit dem Jahr 1840. Dabei geht Susan Cheever chronologisch vor, lässt aber jeden ihrer fünf Protagonisten die wichtigsten Begebenheiten aus deren Leben durchmachen. Durch diese Struktur kommt es manchmal vor, dass verschiedene Ereignisse doppelt erzählt werden. Beim Lesen ist das aber keinesfalls nervig, sondern sorgt manchmal regelrecht für Aha-Erlebnisse.

Vielleicht klingt es für dich auch langweilig, wenn aus dem Leben von fünf amerikanischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem 19. Jahrhundert erzählt wird, aber das ist es nicht. Die Transzendentalisten waren so etwas wie die Vorreiter der Hippies. Sie lebten zwar in der idyllischen Kleinstadt Concord am Rande der Natur, aber sie lebten nicht ruhig. Vielmehr gab es unglückliche Liebe, verzwickte Dreiecksbeziehungen und viel Elend durch Tod oder Krankheit.

Es war die Zeit der rebellischen Ideen und das Ende des Puritanismus. Der Puritanismus war eine religiöse Bewegung, die hohen Wert auf ein strenges Leben legte. Henry David Thoreau, Louisa May Alcott, Ralph Waldo Emerson, Margaret Fuller und Nathaniel Hawthorne konnten damit nichts anfangen. Sie kämpfen mit ihren Gedanken gegen das Establishment und sie lebten auch so.

3 tolle Zitate aus „American Bloomsbury“

Emerson hat wunderbare Passagen und brilliante Porträts geschrieben, seinen Platz im Pantheon der Schriftsteller von Concord aber erwarb er sich als der Sugar Daddy der amerikanischen Literatur. (Aus: „American Bloomsbury“ von Susan Cheever, Seite 66)

Wir verehren Thoreau, weil er alles Materielle verachtete. Wir lieben ihn, weil er neue Kleidung verdammt und uns vor Besitz warnt. Uns gefällt sein Urteil, dass andere Männer und Frauen ein Leben in stiller Verzweiflung führen. (Aus: „American Bloomsbury“ von Susan Cheever, Seite 175)

Der Transzendentalismus vergöttlichte die Natur und kreiste um deren Rätsel und Wunder, die gelegentlich sogar wichtiger wurden als die Sorge darum, genug zu essen zu haben und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. (Aus: „American Bloomsbury“ von Susan Cheever, Seite 28)

„American Bloomsbury“ – Das Werk der Transzendentalisten

Bisherige Lebensentwürfe wurden von den Transzendentalisten infrage gestellt. Es wurde die Forderung nach Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Selbstvervollkommnung des Menschen gestellt. Beispielsweise wurde Margaret Fuller mit ihrem Hauptwerk „Frauen im 19. Jahrhundert“ eine der frühen Feministinnen. Edgar Allan Poe sagte über sie: „Es gibt drei Arten von Menschen: Männer, Frauen und Margaret Fuller.“ Sie war die Erste, die die transzendentalistischen Prinzipien auch auf die Situation der Frau bezog. „Sie war eine Dorothy Parker in einer Jane-Austen-Welt.“ (Aus: „American Bloomsbury“ von Susan Cheever, Seite 85)

Aber nicht nur Margaret Fuller war geistreich, sondern auch Nathaniel Hawthorne. Nathaniel Hawthorne bescherte uns einen, auch im 21. Jahrhundert spannend zu lesenden, Roman und seiner Frau Sophia einen Migräneanfall, als er ihr eben diesen Roman zum ersten Mal vorlas. Im Zentrum des Romans steht die Ehebrecherin Hester Prynne, die ein uneheliches Kind geboren hat und sich weigert, den Namen des Vaters preiszugeben. Aus Hester Prynne ist eine der stärksten Frauen der Literaturgeschichte geworden.

Ralph Waldo Emerson kam die Rolle des Financiers zu. Mit seinem Erbe und seiner Geschäftigkeit hielt er die Transzendentalisten über Wasser und ermöglichte so einige der besten Romane der amerikanischen Literatur. Er war der führende Kopf der Bewegung und war häufig Mentor junger Talente.

Louisa May Alcott war eigentlich von ihrem bekanntesten Werk gelangweilt. „Betty und ihre Schwestern“ war eine Auftragsarbeit. Louisa May Alcott war nicht bewusst, wie einzigartig ihre Darstellung vom Alltagsleben der Frauen im 19. Jahrhundert ist.

Nicht minder bekannt ist das Werk von Henry David Thoreau. Zu Thoreaus Lebzeiten war „Walden oder Leben in den Wäldern“ kein großer Erfolg, dafür ist es heute eines der meistzitierten Bücher, die existieren. Wohl auch wenn das nicht heißt, dass alle, die „Walden“ zitieren, es auch gelesen haben. Henry David Thoreau beschrieb in diesem Buch, wie er ein Jahr in einer selbstgebauten Blockhütte im Wald lebte. Das macht das Buch zum „Klassiker aller Alternativen“.

Fazit

Susan Cheever ist mit „American Bloomsbury“ ein unterhaltsamer Roman gelungen, der mir viel Freude beim Lesen bereitet hat. Es wird darin so viel Wissen über die amerikanische Literatur vermittelt, dass es einen fast umhauen könnte, aber Susan Cheever ist eine talentierte Schriftstellerin, die ihren Leser nicht überfordert.

Susan Cheever: American Bloomsbury: Ein Leben zwischen Liebe, Inspiration und Natursehnsucht. Henry David Thoreau, Louisa May Alcott, Ralph Waldo Emerson, Margaret Fuller und Nathaniel Hawthorne. Insel Verlag. ISBN: 978-3458177074. 287 Seiten. 24,00 €

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