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Ebbe und Blut von Luisa Stömer und Eva Wünsch – Ein Buch über ein Tabuthema

Seit einiger Zeit lese ich immer wieder Artikel über die Nebenwirkungen der Pille. Das mache ich nicht einmal mit Absicht, denn das Thema wird ständig automatisch in meinen Newsfeed gespült, weil es viele junge Frauen gerade zu beschäftigen scheint. Auch Erfahrungsberichte, darüber was mit dem Körper nach dem Absetzen der Pille geschieht, werden ständig veröffentlicht. Eng verbunden mit dem kritischen Blick auf die Antibabypille ist auch das Thema des Buches von Luisa Stömer und Eva Wünsch „Ebbe und Blut“. Denn eigentlich haben wir keine Ahnung, was im Körper wirklich während des Zyklus passiert. „Ebbe und Blut“ klärt die Unwissenheit über den weiblichen Zyklus auf.

Ein kleiner Schreck

Beim Aufschlagen des Vorwortes bekam ich einen kleinen Schreck. Ständig möchte ich den Autorinnen kräftig nickend bei ihren Sätzen zustimmen und zugleich bin ich peinlich berührt über mein eigenes Unwissen. Klar wurden mir, wie allen anderen auch, die Geschlechtsorgane im Biologieunterricht erklärt. Na klar kenne ich den weiblichen Zyklus – schließlich habe ich ihn jeden Monat live. Und was passiert da nun genau? Und wie wirkt die Antibabypille im Detail? Hm. Da wird die Luft dünn.

Dieses Nichtwissen über den weiblichen Zyklus macht vor keiner Bildungsschicht halt. Das finde ich bemerkenswert und es deutet auch auf ein gesellschaftliches Problem hin. Warum sprechen wir nicht über die Periode? Stattdessen schämen wir uns dafür und möchten sie am liebsten überhaupt nicht haben. Die Schmerzen und die Bedenken, dass jemand anderes einen Blutfleck am Po entdecken könnte, sind groß. Schließlich gibt es da auch noch diese fiese Redewendung: „Die hat mal wieder ihre Tage.“ Das ist alles andere als ein Kompliment, sondern sagt aus, dass eine Frau zickig oder gereizt ist. Das möchte keine Frau hören oder nachgesagt bekommen.

„Ebbe und Blut“

Luisa Stömer und Eva Wünsch könnten mit ihrem Buch „Ebbe und Blut“ tatsächlich Linderung für die Unwissenheit schaffen. Sehr locker und unterhaltsam erklären die beiden Autorinnen verschiedenste Aspekte rund um den weiblichen Zyklus:

Zwischendurch gibt es immer wieder persönliche Statements von den Autorinnen oder Freunden dieser, die das Buch auflockern. Mein absoluter Lieblingsspruch aus „Ebbe und Blut“ lautet „Frau sein ist viel mehr als nur nicht Mann sein.“ (Seite 207) Generell ist „Ebbe und Blut“ ein sehr schönes und stylisches Buch. Luisa Stömer und Eva Wünsch haben gemeinsam „Grafik Design & Illustration“ studiert, das sieht man am Buch!

Besonders interessant war für mich das Kapitel 7 über Periode & Psyche. Die erste Zyklushälfte unterscheidet sich hier nämlich sehr stark von der zweiten und das hat auch Gründe in den Hormonen und Abläufen im Uterus. In der ersten Zyklushälfte haben Frauen tendenziell viel Energie und alles geschieht sehr leicht und ohne große Anstrengung. Die zweite Zyklushälfte steht eher für den Rückzug. Wenn man das als Frau akzeptiert und dem auch nachgibt, spart man sich viel Stress. Auch sehr interessant waren die Texte über das Menstruationsblut – darüber habe ich mir tatsächlich noch nie Gedanken gemacht.

„Ebbe und Blut“ ist gut aufbereitet, aber manchmal kam es mir auch etwas oberflächlich vor. Im hinteren Teil des Buches steht die verwendete Literatur für jedes einzelne Kapitel, manchmal wäre es besser gewesen, wenn noch mehr verschiedene Artikel oder Bücher genutzt worden wären und nicht immer nur die gleichen Lehrbücher. Das Buch enthält sehr viel persönliche Meinung von Luisa Stömer und Eva Wünsch, das kann sowohl positiv als auch negativ gesehen werden – mir persönlich haben die wertenden Einschübe aber Spaß gemacht.

Fazit

„Ebbe und Blut“ von Luisa Stömer und Eva Wünsch ist ein wunderschönes Buch über den weiblichen Zyklus. Ich wünsche mir, dass es viele Leser bekommt, damit endlich offen über das Tabu Periode gesprochen werden kann.

Luisa Stömer und Eva Wünsch: Ebbe und Blut. Gräfe und Unzer. ISBN: 978-3833861123. 240 Seiten. 24,00 €

Kommentierfrage: Fühlst du dich fit hinsichtlich des weiblichen Zyklus? Was denkst du, warum wir so wenig darüber reden und wenn nur hinter vorgehaltener Hand?