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Im Kino mit Harald Martenstein – Eine Rezension

Immer, wenn ich mir eine Ausgabe der Zeitung „Die Zeit“ kaufe, lese ich zuerst das Zeit Magazin wegen der Kolumne von Harald Martenstein. Dabei wurde ich bisher nie enttäuscht, ich musste immer schmunzeln und sehr oft hatte ich nach der Lektüre auch etwas zum Nachdenken. Harald Martenstein ist eben ein sehr zuverlässiger Unterhalter. Mittlerweile würde ich sogar so weit gehen und sagen, er ist einer meiner Vorbilder. Ich würde auch gern so schreiben können wie er. Aus diesem Grund habe ich auch seine neuste Textsammlung „Im Kino“ gelesen. Eigentlich wollte ich mir nur Dinge, die er gut macht, für mich klauen und angepasst umsetzen. Aber dann kam es anders.

Harald Martenstein

Harald Martenstein sagt über sich und seine Arbeit: „Es gibt kaum eine journalistische oder literarische Gattung, die ich […] nicht ausprobiert habe, zum Teil freiwillig, zum Teil auf Wunsch meiner Vorgesetzten und Arbeitgeber. Lokalglossen, Kolumnen, Reportagen, Leitartikel, Romane, Essays, Kritiken, Werbetexte, Rede, Comictexte, Radiofeatures, Ghostwriting, ein Drehbuch, das zu Recht nicht genommen wurde, schlechte Gedichte und den ganzen anderen Kleinkram, das habe ich alles auf dem Kerbholz.“ (Aus: „Im Kino“ von Harald Martenstein, Seite 9)

Gefühlt war Martenstein schon überall: Stuttgarter Zeitung, bei einer Abendzeitung in München, Tagesspiegel, Die Zeit, mit einer Videokolumne bei watchberlin.de, am Deutschen Theater in Berlin mit eigenem Veranstaltungsformat, bei radioeins und in der ARD bei Dieter Nuhr. Sogar in der Henri-Nannen-Schule unterrichtet er regelmäßig. Vielleicht verstehst du jetzt meine Begeisterung für ihn als Journalisten?

Im Kino

Das Buch „Im Kino“ ist eine Sammlung über Texte von der Berlinale und Filmkritiken. Die ältesten Artikel stammen aus dem Jahr 1999 und die jüngsten von 2015. Manchmal war ich zu jung für seine Artikel. Ich kenne mich bei Filmen vor etwa 2007 einfach nicht gut aus und daher habe ich beim ersten Drittel des Buchs Probleme gehabt, denn Kolumnen leben davon, dass man den beschriebenen Gegenstand kennt und feine Anspielungen versteht. Erst ab dem zweiten Drittel von „Im Kino“ kam ich mit Harald Martensteins Ausführungen richtig mit.

Aber ist ja nicht seine Schuld, dass ich so jung bin, denn im späteren Verlauf des Buchs habe ich viel gelacht. Den Stil kann ich nur schwer in Worte fassen: Manchmal schreibt Harald Martenstein bissig, aber zugleich ist er dabei nicht verbittert, sondern alles geschieht sehr leicht. Beim Lesen hatte ich ein starkes Gefühl der Nähe, denn der Autor schreibt sehr viel über seine privaten Erlebnisse und Gedanken. Da sind Blogs und Zeitungen sich also sehr ähnlich.

Die Inhalte seiner Texte variieren. Manchmal wird über einen bestimmten Film geschrieben, dann wieder über ein Thema, dass mehrere Filme betrifft oder auch über Berlin und Kritik an sich. In einer der ersten Texte von „Im Kino“ schreibt Harald Martenstein darüber, wie Kritiken sein sollen: „Kritiken sollten ebenfalls unterhaltsam und ehrlich sein, sie müssen eine Meinung riskieren und damit das Risiko des Irrtums. Kritiken sollten sich nicht lesen wie ein Lexikonartikel, sie dürfen ihre Subjektivität ruhig offen ausstellen.“ (Aus: „Im Kino“ von Harald Martenstein, Seite 11) Lustigerweise war für mich der wichtigste Text von allen aus diesem Buch „Warum das Ganze?“. Darin stellt sich Harald Martenstein selbst vor und erzählt über das Schreiben. Der Rest des Buches war gute Unterhaltung, hat mich aber nicht so sehr beschäftigt wie das Zitat über die Beschaffenheit von Kritiken.

3 Filme, die ich dank Harald Martenstein unbedingt sehen will

  1. Der Vorleser
  2. Happy-Go-Lucky
  3. Genius

Fazit

„Im Kino“ ist ein tolles Buch für Harald-Martenstein-Fangirls wie mich und Filmbegeisterte.

Harald Martenstein: Im Kino. C. Bertelsmann Verlag. ISBN: 978-3570102787. 208 Seiten. 16,99 €

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