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#WEINlesen – Ein Abend für Literatur und Wein in Chemnitz

Ich möchte jetzt keine Ode darüberschreiben, wie gut Bücher und Wein zusammenpassen. Das haben schon zu viele vor mir getan und sich über betrunkene Autoren oder Leser, bei denen die Grenze zwischen Alkoholismus und Genuss schon längst verschwommen ist, Gedanken gemacht. Mir liegt ein Veranstaltungsformat in Chemnitz am Herzen: Das von Stefan Tschök organisierte #WEINlesen.

Was ist #WEINlesen?

Bei diesem Veranstaltungsformat stellen die Teilnehmer ein Buch ihrer Wahl vor. Das muss nicht einmal ein Buch sein, dass ihnen besonders gefallen hat, sondern könnte durchaus auch eines sein, dass den Leser fast zum Wahnsinn getrieben hat. Eine Buchvorstellung darf maximal 10 Minuten dauern und dabei wird immer auch eine kleine Passage aus dem Buch vorgelesen. So viel zum Lesen. Zum Wein: Der Abend findet immer in einer Weinbar oder Winzerstube statt.

Das dritte #WEINlesen

#WEINlesen fand nun schon zum dritten Mal statt und es war auch das erste Mal, dass ich daran teilnehmen konnte. Beim zweiten Mal war ich leider gerade in Zürich beim Literaturfestival „Zürich liest“. Im Vorfeld von #WEINlesen habe ich mir viele Gedanken gemacht, welches Buch ich auswählen sollte. Zur Auswahl habe ich viele, aber keine Ahnung, was die anderen Teilnehmer gern lesen oder wie die Runde im Allgemeinen zusammengesetzt ist. Aber diese kleine Aufregung war völlig unbegründet. Aber nun zu den vorgestellten Büchern:

Gleich zu Beginn wurde ein richtiges Buchjuwel ausgepackt: „Ein Sonntag auf dem Lande“ von Pierre Bost, welches zum ersten Mal schon 1945 veröffentlicht wurde. Monsieur Ladmiral ist Maler und hat sich in der Nähe von Paris niedergelassen, wo er nun jeden Sonntag von seinem Sohn und dessen Familie besucht wird. Aber das ist nur die Oberfläche, darunter entfaltet sich ein Panorama der Gefühle. Der Roman liest sich wie ein einziger Sommertag. Gleich daran schloss sich ein Kontrastprogramm an: Es wurde „Lachen mit Thurber“ von James Thurber vorgestellt. Thurber war ein „denkender Amerikaner“ und das Buch mit den lustigen Kurzgeschichten wurde gerade auch gewählt, um dem derzeitigen Populismus in Amerika etwas entgegenzusetzen.

Sogar über eine Biografie wurde bei #WEINlesen gesprochen: „Herbstblond“ von Thomas Gottschalk. Ja, den muss man mögen.  Die Teilnehmer waren sich schnell einig, dass die Geschichten, die Gottschalk von früher zum besten gibt, sehr viel Vergnügen und zugleich Erinnerungen hervorrufen. Der Abend schlägt einen erneuten Haken zu einem anderen Genre mit „Ellbogen“ von Fatma Aydemir. In dem jüngsten der vorgestellten Bücher geht es um die junge Türkin Hazal, die ihren Platz zwischen zwei Nationen noch finden muss.

Richtig schräg und ein wenig „dadaistisch“ wird es dann mit Helge Schneider und „Orang Utan Klaus“. Helge muss man auch mögen, nicht alle Anwesenden tun das, aber kräftig gelacht wird bei der gleichnamigen Kurzgeschichte trotzdem. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Vorstellende großer Fan von Helge Schneider ist. „Helge ist ehrlich.“ sagt er, nachdem Helge in seiner Geschichte gerade ein Mausoleum für eine Katze gebaut hat, die er selbst fahrlässig getötet hat.

Den Abschluss des Abends bildete ein ernstes Buch: „Wolfkind: Die unglaubliche Lebensgeschichte des ostpreußischen Mädchens Liesabeth Otto“ von Ingeborg Jacobs. Sehr nüchtern wird das Leben des Wolfskindes Liesabeth Otto geschildert. Zur Erklärung – Wolfskinder, sind die Kinder, die nach dem zweiten Weltkrieg im nördlichen Ostpreußen, ihre Eltern verloren haben und ganz allein überleben mussten. Diese Lebensgeschichte zeigt, wie gut es uns doch heute geht.

Fazit

Für mich war der Abend eine große Freude. Ich konnte über Literatur sprechen und dabei Wein trinken, besser geht es ja wohl nicht. Hoffentlich gibt es noch viele Auflagen von #WEINlesen.