Kapri-zioes

Licht von Anthony McCarten oder Faust gibt es noch

Ich lese gern Bücher über Menschen, die die Welt verändert haben. Mich beeindruckt die schiere Kreativität und vor allem der Mut dieser Personen. So auch im Fall von Thomas Alva Edison, dem Erfinder der Glühbirne und Besitzer von 1.093 Patenten. Um Thomas Alva Edisons Leben dreht sich alles im neuen Roman „Licht“ von Anthony McCarten.

Das Leben des Thomas Alva Edison

„Ein Selfmademan, ein Held der Arbeiterklasse – keine Schulbildung, nicht einmal Grundschule, und doch in der Lage durch schiere Verstandeskraft und harte Arbeit die großartigsten Erfindungen zu machen.“ (Anthony McCarten: Licht, Seite 37) Der Mann, der hier beschrieben wird, ist Thomas Alva Edison. Zeit seines Lebens ein genialer Erfinder, aber zugleich auch immer nicht ganz so reich wie andere große Talente der Zeit und bisweilen sogar kurz vor dem Bankrott. Während einer dieser harten Zeiten, in denen Thomas Alva Edison kurz davor war, seine Werkstatt vom Gerichtsvollzieher verpfändet zu bekommen, traf er auf J.P. Morgan.

J.P. Morgan war Bankier und wurde im Verlauf der Zeit zu einem der einflussreichsten Geschäftsmänner Amerikas. Er wusste, wie man mit Geld umgeht und ganz besonders wusste er, was er tun musste, um es zu vermehren. Für J.P. Morgan war Thomas Alva Edisons Erfindergeist und seine bereits erfundene Glühbirne ein willkommenes Mittel, um noch mehr Geld und Einfluss zu gewinnen. Er schlug Thomas Alva Edison vor, dass sie zusammenarbeiten sollten, um als Erste ein Haus beziehungsweise eine ganze Stadt mit elektrischem Licht auszustatten.

Der faustische Pakt

Thomas Alva Edison mochte diese seelenlosen Wallstreet-Typen nie. Er war eifersüchtig, weil er Großes leistete, die Welt voranbrachte, aber niemals den gleichen Ruhm und das entsprechende Geld dafür erhielt. Noch dazu kam, dass er kurz vor der Pleite stand, als J.P. Morgan ihn das Geschäft vorschlug. Gepackt an der eigenen Eitelkeit und an den Geldsorgen, ging Thomas Alva Edison den faustischen Pakt ein. Eigentlich wusste er, dass daraus nicht sonderlich viel Gutes entstehen konnte.

J.P. Morgan erinnert mich sehr an Mephisto aus Faust und dementsprechend Thomas Alva Edison an Faust. Schon als J.P. Morgan sich vorstellte überkam mich ein ungutes Gefühl, dass dieser Mann nicht das Beste für Thomas Alva Edison wollte, sondern für sich selbst. Er wird von Anthony McCarten als verdorben mit der Aura des unerschöpflichen Geldes dargestellt. Wie bei Goethes Faust, hofft man die ganze Zeit, dass Thomas Alva Edison nicht vom rechten Weg abkommt. Aber gerade darin liegt die Spannung des Buchs „Licht“.

„Licht“ von Anthony McCarten

Der Roman „Licht“ von Anthony McCarten ist ein Roman über zwei ungleiche Menschen, die gemeinsam die Welt verändern, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Das folgende Zitat beschreibt für mich sehr treffend den Inhalt des Buchs: „Wir sind nur ein kleiner Funken, Sie und ich, ein kurzes Aufblitzen zwischen zwei unendlich langen Epochen der Dunkelheit. Letzten Endes ist es die Zukunft, der wir dienen.“ (Anthony McCarten: Licht, Seite 296)

„Licht“ ist ein Buch über Geld, Korruption und Ehrgeiz. Anthony McCarten hat keine exakte Biographie über den genialen Erfinder Thomas Alva Edison geschrieben, es war nie seine Absicht. Anthona McCarten verfolgte diesen Ansatzen: „Ein alter Mann blickt auf seine Lebensgeschichte zurück, Erinnerungsarbeit, die zu Vergröberungen, Verzerrungen und Verkürzungen neigen wird.“ (Anthony McCarten: Licht, Seite 363) Dieser Ansatz übte als Leserin einen besonderen Reiz auf mich aus. Anthony McCarten schreibt sehr vereinnahmend. Wenn ich einmal mit ein paar Seiten des Buchs begonnen habe, dann konnte ich immer nur sehr schwer aufhören zu lesen. „Licht“ ist ein Buch für Kopf und Herz. Die Vermischung von Fiktion und Realität ist wahnsinnig reizvoll.

Fazit

„Licht“ von Anthony McCarten ist ein spannender Roman über zwei große Männer der Geschichte: Thomas Alva Edison und J.P. Morgan.

Anthony McCarten: Licht. Diogenes Verlag. ISBN-13: 978-3257069945. 368 Seiten. 24,00 €

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