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Wenn Teenager bloggen: Lanz von Flurin Jecker

Als ich mit dem Bloggen begonnen habe, war ich schon über 20 Jahre alt. Meine Pubertät hatte ich also schon ein paar Jahre hinter mir gelassen, nicht so wie der 14-jährige Lanz aus dem gleichnamigen Roman „Lanz“ von Flurin Jecker. Beim Durchblättern der Verlagsvorschau von Nagel & Kimche war ich schon neugierig: Ein Roman übers Bloggen? Das interessiert mich gerade auch, weil das Bloggen für mich einen großen Teil meiner Freizeit einnimmt. Auch wenn der Roman die Abschlussarbeit von Flurin Jecker am Literaturinstitut in Biel war. Bei Arbeiten für Literaturinstitute habe ich immer ein wenig Bedenken, weil sie mich schon so oft enttäuscht haben.

Bloggen über die Pubertät

Es ist Montag in der Schule. Der Beginn der Projektwoche vor den Ferien für Lanz. Lanz hat sich in das Projekt „Ich schreibe einen Blog“ eingetragen, weil Andi ihm sagte, dass Lynn dieses Projekt belegen wird. Lanz ist scharf auf Lynn. Als Lanz an diesem Montagmorgen dann ins Klassenzimmer kommt, muss er feststellen, dass Lynn überhaupt nicht da ist. Andi hat ihn verarscht. Scheiße. Statt Lynn sind da „nur Lars aus der Neunten, Dani aus der Siebten und der Ork und ein Zwillingsmädchen aus der Parallelklasse“. Herr Gilgen, der nervige Klassenlehrer von Lanz, leitet den Kurs – noch so ein Reinfall.

Gleich zu Beginn des Kurses nervt Gilgen, denn er möchte, dass sich jeder ein Thema für seinen Blog ausdenkt. „Ohne Thema funktioniert das nicht. Da schwimmt ihr herum wie eine besoffene Ente auf dem Meer.“ Zur Inspiration zeigt Gilgen dann den Rest des Vormittags irgendwelche Blogs, die als Beispiel dienen könnten. Die Hausaufgabe für den nächsten Tag ist das Finden eines Themas. Lanz ist so kreativ und faul, dass er sich das Thema wählt, über die Projektwoche zu schreiben. Und das obwohl ihm das Bloggen richtig Spaß macht, er schreibt gern und wird von allen am meisten Zeit in dieses Projekt investieren. Den Blog, den Lanz über sich, seine Liebschaft zu Lynn und die bescheuerte Projektwoche schreibt, ist dann Flurin Jeckers Buch „Lanz“.

Die drei besten Überschriften in „Lanz“

  1. Ich wollte Lynn und keinen scheiß Blog
  2. Der erste Eintrag, den ich freiwillig schreiben muss
  3. Ich fragte mich, ob das wirklich schlimm war, wie Krebs

„Lanz“ von Flurin Jecker

Flurin Jecker schreibt mit seinem Roman „Lanz“ eine Geschichte über die Pubertät. Und damit eine Geschichte über die typischen Probleme während des Erwachsenwerdens – unglückliche Liebe, nervige Lehrer, anstrengende Eltern. Dafür benutzt Flurin Jecker die Worte von Lanz und der drückt sich in Jugendsprache aus. Das macht den Roman authentisch. Dabei macht Flurin Jecker das, was alle Studenten am Literaturinstitut gern machen: Er beschreibt und er wertet oder interpretiert wenig. Das ist im Prinzip nicht schlecht, nur leider passiert in „Lanz“ nicht viel. Es gibt keine nennenswerte Handlung außer, dass Lanz ein paar Annäherungsversuche an Lynn macht.

„Gestern dachte ich zum Beispiel, dass ich euch sicher längst nerve, weil ich ja die ganze Zeit Zeug aufzähle, das scheisse ist, in meinem Leben, ich aber gleich nie etwas dagegen mache.“ Dieser Satz ist prägend für das ganze Buch, denn Lanz zählt tatsächlich nur auf, was alles blöd läuft. Ich erkenne in dem Roman keinen tieferen Sinn oder irgendeine Art von Wissensvermittlung. Selbst das Bloggen wird nur als Vehikel für die Darbietung pubertärer Probleme genutzt. Insofern verwundert es mich wenig, dass Flurin Jecker auch nur 128 Seiten für sein Buch benötigt, denn mehr gibt der Stoff einfach nicht her.

Fazit

„Lanz“ von Flurin Jecker ist ein schmales Büchlein mit noch weniger Inhalt.
Flurin Jecker: Lanz. Verlag Nagel & Kimche. ISBN-13: 978-3312010226. 128 Seiten. 18,00 €

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