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Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse oder ein Leben nach Charlie Hebdo

Liebeskummer kann Leben retten

Wer hätte je ahnen können, dass Liebeskummer auch gut sein kann? Die Zeichnerin Catherine Meurisse hat ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann und ist sehr verliebt. Aber ihr Geliebter hält absolut nichts davon, seine Frau für Catherine zu verlassen. Vor lauter Kummer kann Catherine nachts nicht einschlafen, schläft länger als sie sollte und kommt dadurch viel zu spät zur Arbeit. Währenddessen hat sich ihre Arbeit in ein Massaker verwandelt, denn es ist die Redaktion von Charlie Hebdo, wo Catherine als Pressezeichnerin arbeitet. Und es ist der 7. Januar 2015.

Jeden Mittwoch um 10 Uhr trifft sich die Redaktion für die wöchentliche Sitzung. An jenem Mittwoch drangen die Gebrüder Kouachi um 11:30 Uhr in das Gebäude der Redaktion ein und eröffneten mit ihren Kalaschnikows das Feuer auf die Journalisten. Bei ihrem Attentat töteten sie zwölf Menschen. Aber Catherine Meurisse hat überlebt und muss nun mit den Folgen zurechtkommen. Daraus ist ihre Graphic Novel „Die Leichtigkeit“ entstanden.

„Die Leichtigkeit“ – Weiterleben ist nicht leicht

Ein Großteil der zwölf Ermordeten waren Freunde von Catherine Meurisse. Sie arbeitete zum Zeitpunkt des Anschlags auf Charlie Hebdo schon 10 Jahre bei der Zeitschrift als Zeichnerin. Es ist für mich schwer vorstellbar, wie ein Mensch weitermachen kann nachdem mehrere Freunde von ihm sterben und der Arbeitsplatz von Grund auf umgekrempelt wird. Für Catherine Meurisse ist es auch schwer vorstellbar. Sie zeichnet in „Die Leichtigkeit“ die Leere, die sie durch das Ereignis trifft.

Direkt nach dem Anschlag hat Catherine Meurisse und die gesamte übriggebliebene Redaktion von Charlie Hebdo aber noch eine Aufgabe. Sie arbeiten an einer Sonderausgabe von Charlie Hebdo, dem „Journal der Überlebenden“. Zwei Tage nach dem Massaker begann die Arbeit am achtseitigen Sonderheft, welches in 16 Sprachen übersetzt werden würde. Schon am 13. Januar 2015 wurde die Sonderausgabe in Paris präsentiert.

In „Die Leichtigkeit“ verarbeitet Catherine Meurisse, was während des Anschlags passiert ist und darüber hinaus auch die Zeit danach. Sie beschreibt rührend, was mit ihrer Person durch dieses Erlebnis passiert, was zum Beispiel auch der ständige Polizeischutz mit ihr macht. Sie konnte nicht einmal mehr allein irgendwohin gehen, immer waren die zwei abgestellten Polizeibeamten dabei. Ihre Freiheit wurde ihr genommen, sie wurde an manchen Tagen wohl fast wahnsinnig.

Der Weg zurück ins Leben

Es geht Catherine Meurisse um die Verarbeitung ihres Traumas und um ihren Weg zurück zu einem normalen Leben, wenn es eigentlich keinen Grund gibt, überhaupt aus dem Bett aufzustehen. Dafür gibt es keine bessere Form als die Graphic Novel. „Die Leichtigkeit“ ist wunderschön gezeichnet, die Zeichnungen sind atmosphärisch und gefühlvoll. Die Episoden aus dem Leben von Catherine Meurisse regen zum Nachdenken an.

Durch die Graphic Novel „Die Leichtigkeit“ habe ich das Attentat auf Charlie Hebdo besser verstanden und ich habe vor allem besser verstanden, was in den Überlebenden vorgegangen sein muss nach dieser Grausamkeit. Die Geschichte ist ohne Zweifel traurig, aber Catherine Meurisse gibt mit ihrem Buch Hoffnung und Mut. Catherine Meurisse hat die Kunst geholfen, ins Leben zurückzufinden und so gibt es für jeden Menschen etwas, wofür es sich zu leben lohnt.

Fazit

„Die Leichtigkeit“ von Catherine Meurisse ist eine wunderschöne Graphic Novel. Catherine Meurisse verarbeitet darin den Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo, wo sie arbeitete.

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Kommentierfrage: Kannst du dir vorstellen, was nach solch einem Attentat in den Überlebenden vorgeht?