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Die Spionin von Paulo Coelho oder das Leben der Mata Hari

Seit ihrer Hinrichtung wurde Mata Hari zum Mythos verklärt. Jedes Kind kennt den exotischen Namen der Nackttänzerin und Spionin, aber kaum jemand weiß wirklich etwas über ihr Leben und ihre Beweggründe. Es verwundert mich wenig, dass auch der brasilianische Autor Paulo Coelho von dieser Frau fasziniert ist. In seinem neusten Buch „Die Spionin“ setzt er ihr ein Denkmal als unabhängige und eigenwillige Frau.

Wer war Mata Hari?

Zunächst einmal hieß Mata Hari nicht von Geburt an so. Sie wurde als Margaretha Geertruida Zelle 1876 als Tochter eines Hutmachers in Leeuwarden geboren. Ihr Vater spekulierte an der Börse, was sie einige Zeit ziemlich reich machte, aber 1889 machte er durch seine Spekulationen auch große Verluste.

Als junge Frau sah Margaretha eine Zeitungsannonce eines Offiziers: „Offizier, auf Urlaub aus Indonesien, sucht junge Frau mit liebenswürdigem Charakter zur Eheschließung“. Margaretha wollte hinaus in die weite Welt – etwas erleben und sich nicht mehr langweilen. Nur wenige Monate nach der Annonce heirateten Margaretha Geertruida Zelle und Rudolph MacLeod. Das war im Juli 1895 und im Januar 1896 kam ihr erster Sohn Norman zur Welt. Als Offizier wurde McLeod 1897 auf Java (heute Jarkata) stationiert. Wie in damaligen Zeiten üblich, zog die ganze Familie um. Für Margaretha war es nicht einfach. Paulo Coelho beschrieb in „Die Spionin“ viele Szenen mit Gewalt und sogar einigen Vergewaltigungen. Das Leben auf Java war auch nicht so aufregend, wie Margaretha es sich vor der Hochzeit versprochen hatte und deshalb wollte sie unbedingt wieder nach Europa.

Als das Paar 1902 wieder in den Niederlanden war, ließen sie sich scheiden und Margaretha musste nun für ihren eigenen Unterhalt sorgen. Sie möchte nach Paris und dort Karriere machen, sich dem savoir vivre hingeben. Nach mehrmaligen Versuchen in Paris als Model Fuß zu fassen, versuchte sie es als Schleiertänzerin. Natürlich nicht, ohne zuvor ihren Namen in Mata Hari zu ändern – Margaretha Zelle wäre schließlich viel zu gewöhnlich. Das hatte Erfolg. Sie wurde für ihren erotischen Tanz gefeiert und verdiente viel Geld.

„Die Spionin“ von Paulo Coelho

Paulo Coelho beschreibt in seinem neuen Buch das Leben von Mata Hari. Es ist ein biographischer Roman, aber keine genaue Biographie. Coelho hat einige Details aus ihrem Leben nicht mit in „Die Spionin“ aufgenommen, um die Geschichte schlank zu halten. Dadurch bleibt das Buch spannend, aber wenn du Historiker bist, darfst du nicht so genau hinsehen. Mir fiel das auch erst nach dem Lesen von „Die Spionin“ auf als ich über Mata Haris Leben recherchiert habe.

„Die Spionin“ war nicht das erste Buch, welches ich von Paulo Coelho gelesen habe. Während meiner Abiturzeit habe ich drei Bücher von ihm gelesen: „Der Alchemist“, „Veronika beschließt zu sterben“ und „Der Dämon und das Fräulein Prym“. Paulo Coelho hat einen sehr prägnanten Stil – immer moralisch und meist auch etwas esoterisch. Er glaubt an das, was er schreibt und möchte mit seinen Büchern Herzen öffnen und Seelen inspirieren. Das trifft sicher nicht jeden Geschmack. Ich möchte nicht alle Bücher am Stück von ihm lesen, aber immer mal wieder in gewissen Abständen tut er mir als Autor gut. „Die Spionin“ ist natürlich unverkennbar ein Buch von ihm.

Die starke Mata Hari

Paulo Coelho hat Mata Hari als starke und selbstbewusste Frau gesehen. Beispielsweise lässt er sie sagen: „Verurteilt wurde ich nicht wegen Verbrechen, die ich tatsächlich begangen habe – und der größtes es war, in einer von Männern beherrschten Welt eine emanzipierte, unabhängige Frau zu sein. Ich wurde wegen Spionage verurteilt, wo doch all das, was ich geliefert habe, nichts als Klatsch aus den Salons der Haute-Volée war.“ (Aus: „Die Spionin“ von Paulo Coelho, Seite 22) oder „Ich bin eine Frau, die im falschen Jahrhundert geboren wurde. Ich weiß nicht, ob sich in der Zukunft jemand an mich erinnern wird, aber wenn doch, dann möchte ich nicht als Opfer gesehen werden, sondern als eine Frau, die mutig ihren Weg gegangen ist und furchtlos den Preis dafür gezahlt hat.“ (Aus: „Die Spionin“ von Paulo Coelho, Seite 24)

Dieses Bild der starken Mata Hari ist schön zu lesen, aber ich bin mir beim Lesen immer nicht sicher, was nun von Paulo Coelho stammt und was wirklich von Mata Hari. Als sie als Künstlerin nicht mehr so erfolgreich war und Geldsorgen sie bedrohten, hat sie sich als Spionin verpflichten lassen. Ich glaube viel mehr, das sie überhaupt nicht wusste, auf welche Gefahren sie sich da einlässt und wieder nur an ein aufregendes Leben gedacht hat. Aber diese naive und vielleicht ein wenig dümmliche Seite an Mata Hari zeigt Paulo Coelho allenfalls zwischen den Zeilen.

Fazit

„Die Spionin“ von Paulo Coelho ist ein inspirierender Roman über die größte Spionin der Welt – Mata Hari.

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Kerstin Scheuer
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