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Miss Minimalist Francine Jay: Less is more

Der Beginn eines neuen Jahres ist eine besondere Zeit. Die frische klare Winterluft macht Lust auf Erneuerung, viele Menschen sind noch entspannt von den Urlaubstagen über Weihnachten und die guten Vorsätze für das kommende Jahr motivieren. Ich mag diese Zeit im Jahr sehr. Ich habe so viel Tatendrang und das Buch von Bloggerin Francine Jay „Less is more – Von der Freude des Weglassens“ passt perfekt dazu.

Miss Minimalist Francine Jay

Francine Jay bloggt seit 2009 unter http://www.missminimalist.com/ über ihr Leben als Minimalistin. Dabei bedeutet Minimalismus keinesfalls nur eine Wohnung voller weißer Wände, leerer Regale und wenigen Möbeln. Francine Jay geht es beim Minimalismus um eine Lebensphilosophie, die sich um das Beseitigen von Ablenkungen dreht, welche uns davon abhalten das Leben zu genießen.

Jay proklamiert, dass je weniger wir besitzen, desto weniger Zeit müssen wir in die Pflege unseres Besitzes stecken. Dadurch haben wir mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die uns am Herzen liegen. Sie hat sich das persönliche Ziel gesetzt, dass sie nur noch das besitzen möchte, was sie wirklich zum Leben benötigt. Über den Weg dieses Lebensziel zu erreichen und auch zu halten schreibt Francine Jay ihren Blog. Ihr Buch „Less is more“ gibt konkrete Tipps, wie jeder von uns zum Minimalist werden kann und sein Heim von unnützen Gerümpel freihält.

Das Buch „Less is more“

Das Lesen von „Less is more“ war für mich sehr erfrischend, auch wenn manche Stellen etwas langatmig wirkten, weil gewisse Teile des Buchs immer dem gleichen Muster folgen. Ich saß in meinem Wohnzimmer, habe dieses Buch gelesen und musste aber immer wieder meine Augen im Zimmer wandern lassen, weil ich mich fragte: Brauche ich das wirklich alles? Und vor allem: Woher kommt der ganze Kram? Zwischen Mensch und Hamster gibt es gewiss ein paar Parallelen. „Less is more“ machte mich also etwas unruhig, weil ich am liebsten sofort angefangen hätte, sämtliche Schränke meiner Wohnung auszuräumen und die Dinge darin auszusortieren. Francine Jay versteht es also, ihre Leser zum Aussortieren zu motivieren.

Im Buch „Less is more“ gibt sie sehr konkrete Tipps, wie man sein Vorhaben, mit weniger Kram auszukommen, praktisch angehen könnte. Sie fängt langsam an, denn zuerst muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass es eigentlich zu viel ist – die Philosophie des Minimalismus wird vorgestellt. Anschließend widmet sie sich dem rationalen Teil des Minimalismus, um dann anschließend Raum für Raum mit ihrem Leser durchzugehen und ihm Hinweise zu den Anforderungen der einzelnen Räume der Wohnung zu geben. Im letzten Kapitel des Buchs geht es um den minimalistischen Lebensstil als solches. Francine Jay geht in „Less is more“ auch immer auf universelle Prinzipien beziehungsweise Regeln ein, wie Aufräumen und das Aufgeräumt-halten des eigenen Zuhauses gelingen kann. Sie zeigt sogar, wie die ganze Familie an einen minimalistischen Lebensstil gewöhnt werden kann.

3 kluge Zitate aus „Less is more“

Im Gegensatz zu dem, was Marketingleute dich glauben lassen wollen, bist du nicht das, was du besitzt. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 27

Genauso brauchen wir Platz für unsere Ideen und Gedanken – ein nicht aufgeräumter Raum führt normalerweise auch zu einem unaufgeräumten Geist. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 55

Indem wir Platz bei uns zu Hause schaffen, richten wir den Fokus wieder auf das Wesentliche: auf das, was wir tun, anstatt auf das, was wir besitzen. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 56

Warum wir immer mehr wollen

Unternehmen möchten uns gern so viele Produkte wie nur möglich verkaufen und dafür wenden sie alle Raffinesse an, die sie aufbringen können. Marketing dient nur dem Zweck des Absatzes von Produkten. Werbung suggeriert uns, dass Produkte uns besser machen oder weckt die Illusion von Prestige. Aber wir sind nicht die Dinge um uns herum. Ein Produkt verändert unsere Person nicht und macht uns nicht zu besseren Menschen. Diese Lüge zu erkennen und dann auch noch zu verinnerlichen ist aber schwer.

Eigentlich ist es ein Hamsterrad: Wir gehen arbeiten, um genügend Geld zu besitzen, um uns Sachen zu kaufen. Eine minimalistische Lebensweise hilft diesen Kreis zu durchbrechen und macht frei. Denn sind wir doch mal ehrlich, die Schwierigkeit besteht doch darin, sich selbst und den ständigen Drang nach Mehr zu besiegen. Das ist ein langsamer Prozess, der keinesfalls leicht gelingt und sich letzten Endes am besten durch Gewohnheit etabliert. Die Maßstäbe und Tipps von Francine Jay helfen dabei, weil sie eine konkrete Handlungsanleitung bieten. Und dafür mag ich dieses Buch ganz besonders – auch in völliger Klarheit darüber, dass ich mit meinem Blog andere Menschen dazu verleite, immer wieder neue Bücher zu lesen (beziehungsweise zu kaufen).

Fazit

„Less is more“ von Francine Jay ist ein tolles Buch, für Einsteiger in den Minimalismus und für Menschen, die endlich mal so richtig gründlich ihr Zuhause aufräumen möchten.

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