Artikel
13 Kommentare

Miss Minimalist Francine Jay: Less is more

Der Beginn eines neuen Jahres ist eine besondere Zeit. Die frische klare Winterluft macht Lust auf Erneuerung, viele Menschen sind noch entspannt von den Urlaubstagen über Weihnachten und die guten Vorsätze für das kommende Jahr motivieren. Ich mag diese Zeit im Jahr sehr. Ich habe so viel Tatendrang und das Buch von Bloggerin Francine Jay „Less is more – Von der Freude des Weglassens“ passt perfekt dazu.

Miss Minimalist Francine Jay

Francine Jay bloggt seit 2009 unter http://www.missminimalist.com/ über ihr Leben als Minimalistin. Dabei bedeutet Minimalismus keinesfalls nur eine Wohnung voller weißer Wände, leerer Regale und wenigen Möbeln. Francine Jay geht es beim Minimalismus um eine Lebensphilosophie, die sich um das Beseitigen von Ablenkungen dreht, welche uns davon abhalten das Leben zu genießen.

Jay proklamiert, dass je weniger wir besitzen, desto weniger Zeit müssen wir in die Pflege unseres Besitzes stecken. Dadurch haben wir mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die uns am Herzen liegen. Sie hat sich das persönliche Ziel gesetzt, dass sie nur noch das besitzen möchte, was sie wirklich zum Leben benötigt. Über den Weg dieses Lebensziel zu erreichen und auch zu halten schreibt Francine Jay ihren Blog. Ihr Buch „Less is more“ gibt konkrete Tipps, wie jeder von uns zum Minimalist werden kann und sein Heim von unnützen Gerümpel freihält.

Das Buch „Less is more“

Das Lesen von „Less is more“ war für mich sehr erfrischend, auch wenn manche Stellen etwas langatmig wirkten, weil gewisse Teile des Buchs immer dem gleichen Muster folgen. Ich saß in meinem Wohnzimmer, habe dieses Buch gelesen und musste aber immer wieder meine Augen im Zimmer wandern lassen, weil ich mich fragte: Brauche ich das wirklich alles? Und vor allem: Woher kommt der ganze Kram? Zwischen Mensch und Hamster gibt es gewiss ein paar Parallelen. „Less is more“ machte mich also etwas unruhig, weil ich am liebsten sofort angefangen hätte, sämtliche Schränke meiner Wohnung auszuräumen und die Dinge darin auszusortieren. Francine Jay versteht es also, ihre Leser zum Aussortieren zu motivieren.

Im Buch „Less is more“ gibt sie sehr konkrete Tipps, wie man sein Vorhaben, mit weniger Kram auszukommen, praktisch angehen könnte. Sie fängt langsam an, denn zuerst muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass es eigentlich zu viel ist – die Philosophie des Minimalismus wird vorgestellt. Anschließend widmet sie sich dem rationalen Teil des Minimalismus, um dann anschließend Raum für Raum mit ihrem Leser durchzugehen und ihm Hinweise zu den Anforderungen der einzelnen Räume der Wohnung zu geben. Im letzten Kapitel des Buchs geht es um den minimalistischen Lebensstil als solches. Francine Jay geht in „Less is more“ auch immer auf universelle Prinzipien beziehungsweise Regeln ein, wie Aufräumen und das Aufgeräumt-halten des eigenen Zuhauses gelingen kann. Sie zeigt sogar, wie die ganze Familie an einen minimalistischen Lebensstil gewöhnt werden kann.

3 kluge Zitate aus „Less is more“

Im Gegensatz zu dem, was Marketingleute dich glauben lassen wollen, bist du nicht das, was du besitzt. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 27

Genauso brauchen wir Platz für unsere Ideen und Gedanken – ein nicht aufgeräumter Raum führt normalerweise auch zu einem unaufgeräumten Geist. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 55

Indem wir Platz bei uns zu Hause schaffen, richten wir den Fokus wieder auf das Wesentliche: auf das, was wir tun, anstatt auf das, was wir besitzen. Aus: „Less is more“ von Francine Jay, Seite 56

Warum wir immer mehr wollen

Unternehmen möchten uns gern so viele Produkte wie nur möglich verkaufen und dafür wenden sie alle Raffinesse an, die sie aufbringen können. Marketing dient nur dem Zweck des Absatzes von Produkten. Werbung suggeriert uns, dass Produkte uns besser machen oder weckt die Illusion von Prestige. Aber wir sind nicht die Dinge um uns herum. Ein Produkt verändert unsere Person nicht und macht uns nicht zu besseren Menschen. Diese Lüge zu erkennen und dann auch noch zu verinnerlichen ist aber schwer.

Eigentlich ist es ein Hamsterrad: Wir gehen arbeiten, um genügend Geld zu besitzen, um uns Sachen zu kaufen. Eine minimalistische Lebensweise hilft diesen Kreis zu durchbrechen und macht frei. Denn sind wir doch mal ehrlich, die Schwierigkeit besteht doch darin, sich selbst und den ständigen Drang nach Mehr zu besiegen. Das ist ein langsamer Prozess, der keinesfalls leicht gelingt und sich letzten Endes am besten durch Gewohnheit etabliert. Die Maßstäbe und Tipps von Francine Jay helfen dabei, weil sie eine konkrete Handlungsanleitung bieten. Und dafür mag ich dieses Buch ganz besonders – auch in völliger Klarheit darüber, dass ich mit meinem Blog andere Menschen dazu verleite, immer wieder neue Bücher zu lesen (beziehungsweise zu kaufen).

Fazit

„Less is more“ von Francine Jay ist ein tolles Buch, für Einsteiger in den Minimalismus und für Menschen, die endlich mal so richtig gründlich ihr Zuhause aufräumen möchten.

Weitere Rezensionen auf anderen Blogs
Schon halb elf
Little words

Kommentierfrage: Was hälst du vom Minimalismus? Hast du eine Möglichkeit gefunden, deine eigene Gier nach mehr Dingen zu zügeln?

13 Kommentare

  1. Hallo Janine,
    Das Buch klingt sehr spannend und erinnert mich ein bisschen an die Bücher von Marie Kondo und das von ihnen inspirierte „Not Sorry“ von Sarah Knight. Diese habe ich letztes Jahr gelesen und versuche seitdem auch meine Wohnung, aber auch mein Leben von Dingen zu befreien, die ich eigentlich nicht brauche. Es ist, wie du sagst ein Prozess und ich stehe noch ziemlich am Anfang, aber ich habe auch das Gefühl, dass es mir gut tut. Dieses Jahr habe ich mir daher vorgenommen, meinen SuB deutlich zu verkleinern und generell nur dann Bücher zu kaufen, wenn ich sie tatsächlich auch gleich lesen möchte. Es fällt mir schwer, aber es wird langsam. 🙂
    Jays Buch landet aber schon mal auf der Später Lesen Liste, vielen Dank für die Rezension!
    Viele Grüße,
    Saskia

  2. Vielen Dank für deine Verlinkung! Seit ich das Buch gelesen habe, ertappe ich mich tatsächlich (noch) öfter dabei, ständig die Existenz irgendwelcher Dinge in der Wohnung zu hinterfragen … 😀 Aber ich finde das gut!
    Liebe Grüße
    Inga

  3. Danke für die schöne Rezension und den wichtigen Tipp. Gerade in den Zeiten, in denen immer weniger Menschen zu immer mehr Konsum getrieben werden sollen, ist Widerstand wichtig. Für uns, und unsere nachfolgenden Generationen.

  4. Hallo Saskia,

    was hast du bisher sonst noch entrümpelt in deinem Leben?

    Viele Grüße,
    Janine

  5. Liebe Inga,

    nichts zu danken! 😉 Ich mag den Effekt des Buchs auch sehr. Wo hast du begonnen mit dem Aussortieren?

    Viele Grüße,
    Janine

  6. Hallo Jürgen,

    diese Perspektive kommt noch dazu! Weniger konsumieren ist besser für sich selbst und für alle anderen Menschen um einen herum. Bei meinem Ehrenamt in der Uni-Umweltgruppe habe ich allerdings gemerkt, dass man andere Menschen am besten umstimmen / zu einem anderen Verhalten überreden kann, wenn man die Vorteile für sich selbst aufzeigt. Die meisten Menschen begreifen das besser. 😉

    Viele Grüße,
    Janine

  7. Hallo Janine,
    ja, das ist sicher der richtige Ansatz. Deshalb berichte ich auch i.d.R. zuerst von dem Positivem, das mir durch Verzicht passiert. Wie viel mehr ich genießen kann. Für viele ist es ein völlig neuer Gedanke, durch weniger mehr zu haben und man kann am besten mit konkreten Beispielen überzeugen. Nochmal danke für den Buchtipp.
    Liebe Grüße
    Jürgen

  8. Hallo Janine,
    bisher habe ich ganz klassisch alte Klamotten und meterweise Ordner entrümpelt, die Bücher und der ganze Kleinkram stehen mir noch bevor. Aber nach „Not Sorry“ habe ich auch endlich den Mut gefasst, einige Entscheidungen zu treffen, die mir schwer fielen, im Nachhinein aber definitiv die beste Wahl waren.
    Das Schöne am Minimalismus ist für mich deswegen auch, dass es einem hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und seine Prioritäten zu ordnen. Dann kann man bewusster entscheiden, wofür man seine Zeit und Energie wirklich verwenden möchte. Denn schließlich ist nicht unbedingt unser materieller Besitz der wertvollste, den wir haben. : )
    Schöne Grüße,
    Saskia

  9. (1/2) Hi Janine,

    Ich liebe diese zeit im Jahr auch sehr. Dieses Jahr bin ich im Januar gut gestartet, mit dem Bullet Journal schaffe ich Viel. Und da ich jetzt keine Studentin mehr bin ist auch noch das Gefühl eines Starts in eine neue Lebensphase da. Ich habe hier schon fleißig ausgemistet und finde es wirklich befreiend. Erstaunlich, dass ich mir ja eigendtlich kaum etwas leisten konnte zu kaufen, aber wie viel Kram sich bei mir trotzdem angesammelt hat!

    Ich interessiere mich grade auch sehr für solche Bücher und den Lebensstil, möchte mir auch das von Kondo Marie kaufen. Ihr Prinzip, alles einmal in die Hand zu nehmen und sich zu fragen „Macht mich diese Sache glücklich?“ hat mir beim Kleidung weggeben letztes Wochenende sehr geholfen.

  10. (2/2) Im Idealfall bin ich bald nur noch von Dinge umgeben, die ich wirklich brauche und die mich glücklich machen.

    Vielen Dank für die interessante Buchvorstellung! <3

  11. (3/2) <- ôO

    Mir ist noch eingefallen, es ist übrigens ein lustiger Kontrast, dass Du dieses Buch vor lauter Stehrumchen fotografiert hast. 😛

  12. Mußte so lachen. Du hast tatsächlich recht… ist mir gar nicht aufgefallen. Aber ist vllt. Teil des Problems: Wir sehen das agrnicht mehr. (Also du schon 😉

  13. Liebe Andrea,

    wie fühlt es sich für dich an keine Studentin mehr zu sein? Ich arbeite auf diesen Moment auch hin – wenn alles gut geht noch 1,5 Jahre und dann bin ich fertig mit dem Studium. 😉

    Ich hatte auch erst überlegt, wie ich dieses Buch fotografiere. Aber vor einfachem weißen Hintergrund sah es zu leer aus, da das Cover ja schon schlicht ist. Dann habe ich gedacht, dass ich es wie bei anderen Büchern auch mache und noch ein paar Deko-Objekte dazu stelle. Das fühlte sich dann irgendwie besser an. Auch wenn es vielleicht ein Kontrast ist. Schön, das es dir aufgefallen ist!

    Viele Grüße,
    Janine

Kommentar verfassen