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Der Krieg mit den Molchen von Karel Capek

Kennst du das, wenn du ein „wichtiges“ Buch vor dir liegen hast und du wirst damit nicht so recht warm? Aus lauter Ehrfurcht vor dem Werk und dem Autor solltest du dieses Buch eigentlich gut finden, aber das geht nicht. Mir erging es so bei „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek. Die Büchergilde Gutenberg hat den Klassiker, der sogar in die UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke aufgenommen wurde, neu aufgelegt mit den Illustrationen von Hans Ticha.

Die besondere Gestaltung von „Der Krieg mit den Molchen“

Die Neuauflage aus der Büchergilde Gutenberg bietet viel für das Auge zu entdecken. Die Illustrationen von Hans Ticha sind markant und eigenwillig. Wahrscheinlich wird sie nicht jeder als schön empfinden, aber mit Gewissheit ist die nächste Seite immer eine Überraschung. Das gefiel mir besonders gut an „Der Krieg mit den Molchen“ und ich habe es vor lauter Neugier und Aufregung, welche Ideen sich Hans Ticha noch so hat einfallen lassen, richtig schnell weggelesen.

„Der Krieg mit den Molchen“ von Capek

Kapitän van Toch ist ein unangenehmer Mensch. Er ist riesig, lärmend und redet in einem seltsamen Slang. So ein Charakter, bei dem ich immer etwas zusammenzucken muss, wenn er wieder seine Weisheiten in die Welt hinausposaunt. Kapitän van Toch ist aber nicht dumm und auch nicht ängstlich. Er ist auf der Suche nach Perlmuscheln, um mit dem Verkauf von Perlen Geld zu verdienen. Die Einheimischen raten ihm von der Devils Bay ab, denn dort leben kleine Teufel. Der Aberglaube der Einheimischen ist Kapitän van Toch aber so richtig egal und er entdeckt durch Zufall eine Gattung unbekannter Molche – die Teufel der Einheimischen.

Diese Molche sind auch noch intelligent! Aber sie werden bedroht. Immer wieder fressen Haie, die in die Bucht schwimmen, größere Mengen der Molche. Kapitän van Toch geht mit den Molchen einen Tauschhandel ein – Messer und Waffen zur Bekämpfung der Haie gegen Perlen. Das Geschäft geht auf: Die Molchpopulation kann aufatmen, weil die Haie keine große Bedrohung mehr sind und Kapitän van Toch ist zufrieden, weil er ordentlich Profit mit den Perlen macht.
Nicht lang und Kapitän van Toch sucht in seiner Heimat Tschechien Unterstützung bei seinem Freund G.H. Bondy. Bondy gibt dem Kapitän ein Schiff und Kapitän van Toch setzt die Molche an verschiedenen Orten im Meer aus, um an mehr Perlen heranzukommen. Von allein können die Molche nämlich kein tiefes Wasser überqueren. Die Molche vermehren sich prächtig.

3 interessante Zitate aus „Der Krieg mit den Molchen“

Wir müssen Dichter sein, wenn wir die Welt in Gang halten wollen. Aus: „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek, Seite 135

Bekanntlich sind ja alle Sammler bereit, zu stehlen oder zu morden, wenn es sich darum handelt, ihre Sammlung um ein neues Stück zu bereichern, doch tut dies ihrem sittlichen Charakter durchaus keinen Abbruch. Aus: „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek, Seite 157

Und woran solchen sich die Menschen ein Beispiel nehmen, wenn nicht am Erfolg? Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist so viel erzeugt, gebaut und verdient worden wie in dieser großen Zeit. Es läßt sich nicht leugnen, mit den Molchen ist ein ungeheurer Fortschritt in die Welt gekommen und ein Ideal das >>Quantität<< heißt. Aus: „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek, Seite 230

Eine Parabel über die Menschheit

Ich möchte nicht zu weit vorgreifen, da du sicherlich noch nicht „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek gelesen hast. Karel Capek schrieb das Buch 1936. Die Nationalsozialisten hatten also schon die Macht ergriffen und die Staaten näherten sich unweigerlich der Konfrontation. „Der Krieg mit den Molchen“ lässt sich als Parabel über die damalige Zeit lesen.

Und es ist ein Buch über das Wesen der Menschen. Zu Beginn sind die Molche sehr gelehrig, friedfertig und ohne böse Absichten. Der Mensch und seine Erziehung korrumpiert die Molche jedoch und dabei wendet der Molch nur das an, was er von den Menschen gelernt hat als sie ihn zu seinem Arbeitssklaven machten. Der Molch wird im Verlauf des Buchs „Der Krieg mit den Molchen“ also immer mehr zum Menschen selbst. Er durchlebt quasi die Evolution im Schnelldurchlauf.

Diese Lesart macht „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek interessant und dies reizte mich auch am meisten im ganzen Buch. Die Geschichte ist keine fortlaufende Erzählung in dem Sinne, dass es einen Protagonisten gibt mit dem sich der Leser irgendwie identifizieren kann oder den er komplett verabscheuen könnte. „Der Krieg mit den Molchen“ ist in verschiedene Teile und Erzählstränge zerstückelt. Mehrere Personen lässt Karel Capek über die Entwicklung der Molche berichten und im mittleren Teil des Buchs sprechen sogar nur Zeitungsartikel und Aufsätze für sich. Der Leser bleibt also notwendigerweise außen vor und ist Zaungast.

Fazit

„Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Capek ist ein Klassiker der Science Fiction Literatur und eine wichtige Parabel über die Menschheit. Leider habe ich zum Buch keinen richtigen Zugang gefunden.

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