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Die geheime Geschichte von Twin Peaks von Mark Frost

Als die Serie „Twin Peaks“ zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, war ich etwa 1 Jahr alt. Das war 1991. Damals habe ich folglich nicht so viel davon mitbekommen und mittlerweile ist sie eine regelrechte Kultserie. Alles beginnt mit dem mysteriösen Tod der Highschool-Beliebtheit Laura Palmer. Für die Suche nach einem Mörder kommt extra Special Agent Dale Cooper vom FBI in die Kleinstadt Twin Peaks. Aber diese Serie ist mehr als die Aufklärung eines Mordes, zu allen Seiten entspinnen sich die Geschichten und häufig auch Intrigen der Kleinstadtbewohner. Das war damals im Fernsehen revolutionär, denn erstmals war die Handlung nicht einstrangig sondern verwoben.

Im Sommer 2016 hörte ich zum ersten Mal von der Serie „Twin Peaks“, da für 2017 die 3. Staffel angekündigt wurde. Ich wurde neugierig und sah mir gemeinsam mit meinem Freund die ersten beiden Staffeln von „Twin Peaks“ an. Diese Mysteryserie ist schrullig und zugleich richtig faszinierend. Während der ersten Folgen hatten wir ein paar Probleme, uns an den langsamen Schnitt der Serie zu gewöhnen, denn wir kennen ja nur die rasende Geschwindigkeit heutiger Fernsehserien. Manche Szenen von „Twin Peaks“ sind richtig absurd und wir wunderten uns nur, was das schon wieder zu bedeuten hatte. Mittlerweile sind wir richtige Fans der Serie.

Die geheime Geschichte von Twin Peaks – Das Buch

Als Fan der Serie und Bücherverschlingerin musste ich natürlich auch das Buch „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ von Mark Frost, der „Twin Peaks“ mit produziert hat, lesen. Es erinnert mich etwas an „S. Das Schiff des Theseus“ von der Aufmachung. Es ist hervorragend gestaltet: Großes Format, grüner Leineneinband, dickes Papier. Der Inhalt besteht auch keineswegs aus langweiliger schwarzer Schrift auf weißem Grund.

Die einzelnen Seiten unterscheiden sich sehr stark, weil „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ ein Dossier des unbekannten Archivars ist. Der Archivar hat verschiedene Dokumente gesammelt wie beispielsweise Protokolle, Fotos, Briefe, Zeitungsausschnitte, Niederschriften oder Buchausschnitte. Der Leser selbst soll anhand der Aufzeichnungen aus dem Dossier herausfinden, wer dieser unbekannte Archivar ist. Eine weitere Agentin hat dem Dossier bereits Fußnoten hinzugefügt, die nochmal andere Zusammenhänge aufzeigen und Details aus der Serie in Erinnerung rufen.

Was haben Indianer, Aliens und die U.S. Regierung mit Twin Peaks zu tun?

„Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ beginnt mit den ersten überlieferten Dokumenten der Region um Twin Peaks. Es werden alte Indianerlegenden erzählt und der Faden zur Fernsehserie wird indirekt zurückgesponnen. In der Vergangenheit lebten auf dem Gebiet von Twin Peaks Indianer und nicht alles, was passiert, lässt sich mit normaler Physik erklären. Gerade im späteren Verlauf der Serie geschehen immer wieder unnatürliche Dinge, die irgendwie auch mit der Magie der Indianer erklärt werden können.

Beim Lesen der Dokumente habe ich manchmal sogar meinen eigentlichen „Auftrag“, die Identität des Archivars zu lüften, vergessen. Die Ideen von Mark Frost überschlugen sich manchmal: Er bindet in das Dossier alles ein, was die U.S.A. an Legenden und Mysterien zu bieten haben, wie beispielsweise die Illuminaten, Roswell und die Landung von Außerirdischen, Scientology oder das Manhatten-Projekt. Aber zum Glück gibt es die Fußnoten der anderen Agentin, die immer wieder daran erinnern, dass ich eigentlich herausfinden soll, wer der Archivar ist. Für Fans der Serie ist es übrigens nicht sonderlich schwer, den Archivar zu identifizieren. Etwa ab Seite 70 hatte ich eine ziemlich gute Ahnung über den Archivar.

Verbindungen zwischen Buch und Serie

Für mich war das Rätsel um den Archivar also zweitrangig, viel mehr hat mich die Verworrenheit der Geschichte fasziniert. Und richtig toll fand ich den Teil, als es explizit um die Figuren der Serie ging und ich sozusagen meine alten Bekannten wiedergetroffen habe. Die Geschichten vieler Figuren wurden in „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ zusammengefasst und im Kontext nochmal erzählt. Ich habe viel über die Beweggründe, Motive und Geschichten der Figuren gelesen. Manchmal gab es sogar neue Fakten, die mir aus der Serie so noch nicht bewusst waren.

Aber der größte Teil des Buchs besteht wirklich aus der Einbettung von Twin Peaks und dem Versuch der Erklärung der Mysterien mit den großen amerikanischen Mythen. Die tatsächlichen Serieninhalte werden immer mal wieder aufgegriffen, aber machen vielleicht 40% des Buchs aus. Richtige Fans der Serie könnte das vielleicht stören, ich fand das aber okay. Eine Zusammenfassung der ersten beiden Staffeln zur Auffrischung der Erinnerung kann man sich auch einfach im Internet durchlesen, dafür braucht es nicht ein so aufwändig gestaltetes Buch.

Generell ist „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ nichts für unterwegs oder zum schnellen drüber lesen. Es ist viel zu schwer und schön dafür. Ich habe mich in die Gestaltung des Buchs verliebt. Übrigens ist es bei weitem nicht so anspruchsvoll zu lesen wie „S. Das Schiff des Theseus“. Ich habe immer zuerst die einzelnen Bestandteile von „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ gelesen und dann meist gleich noch auf der jeweiligen Seite die Fußnoten. Wirklich Freude macht das Lesen von „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ auch erst, wenn du zumindest die ersten beiden Staffeln der Fernsehserie gesehen hast, damit du die Figuren und ihre „Machenschaften“ kennst. Es gibt noch den Spielfilm „Twin Peaks – Fire Walk with Me“, den musst du aber nicht unbedingt gesehen haben.

Fazit

„Die geheime Geschichte von Twin Peaks“ von Mark Frost ist ein herrliches Buch für Fans der Serie Twin Peaks.

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