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Kehrwoche oder warum liegen hier nur so viele ungelesene Bücher?

Wenn ich Gästen mein Wohnzimmer zeige, dann bin ich mir immer nicht ganz sicher, ob ich stolz oder beschämt sein soll. Im Wohnzimmer stehen nämlich meine ganzen Bücher, verteilt auf 2 große weiße Bücherregale. Klar komme ich mir dann immer unglaublich gebildet und klug vor, wenn die Gäste fragen, wem diese ganzen Bücher gehören. Aber dann denke ich mir auch, du bist schon ein kleiner Buchmessi. Es reicht nicht, dass ich die Bücher lese und dann verschenke oder verkaufe. Nein, ich muss sie behalten – schließlich weiß man ja nie.

Die zweite Frage meiner Gäste ist dann zumeist, ob ich diese auch alle lese. Nunja – nicht immer. Manchmal gefallen mir Bücher auch so sehr, dass ich sie lieber erst einmal eine ganze Weile im Schrank nur bestaune, sie manchmal aus dem Regal herausnehme, aber nicht anfange normal darin zu lesen, sondern mich auf die Rückseite oder die erste Seite beschränke. Ihre Zeit ist dann noch nicht gekommen oder ich möchte mir das Buch für einen ach so besonderen Moment aufheben – zum Beispiel, wenn ich im Urlaub völlig entspannt bin. Entweder gibt es keinen Urlaub oder ich habe schon ein neues Buch, das unbedingt gelesen werden will. Mein Verhalten ist bekloppt. Ich weiß das. Mittlerweile fragst du dich bestimmt, was für ungelesene Bücher in meinem Regal ich für besondere Zeiten aufhebe – ich will dir ein paar vorstellen:

Ungelesene Bücher

Ich beginne bei dem jüngsten meiner Sammlung: „Das Amerika der Seele“ von Karl Ove Knausgard. Es ist gerade erst im Herbst erschienen, aber ich trau mich nicht, es zu lesen. Von Karl Ove Knausgard habe ich bisher „Sterben“ (der erste Band vom Romanzyklus Min kamp) gelesen und ich fand seine Nabelbeschau furchtbar anstrengend. Das Buch hat mich nur mäßig gepackt, weil ich so viele Details über einen Menschen gar nicht wissen möchte. Mit dem Buch „Das Amerika der Seele“ will ich dem Schriftsteller eine zweite Chance geben, denn es ist eine Essaysammlung und ich liebe gut geschriebene Essays. Aber was, wenn Karl Ove Knausgard es bei mir wieder versaut?

Daneben im Regal steht „Fallensteller“ von Sasa Stanisic. Dieses Buch habe ich mir im Frühsommer in Dresden gekauft, weil es gerade vom Literarischen Quartett besprochen wurde und ich mir ohnehin schon lange vorgenommen habe ein Buch vom „Shootingstar der deutschen Gegenwartsliteratur“ zu lesen. Andere Bücher haben sich bisher aber immer vorgedrängelt.
Einen noch größeren Hype hat „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells erfahren. Ich habe das Gefühl, dass ich es als einzige Buchbloggerin noch nicht gelesen habe, aber jeder davon schwärmt. Als mir meine Lieblingsbuchhändlerin beim Ausräumen dann ihr Buchhandelsleseexemplar angeboten hat, habe ich zugegriffen und seit diesem Moment steht „Vom Ende der Einsamkeit“ in meinem Bücherregal.

Und dann gibt es da noch ein Buch, welches nur in meinem Regal steht, weil Mara von Buzzaldrins Bücher ihren Blog nach diesem Buch benannt hat. Was muss ein Buch haben, um so etwas Bedeutendes auszulösen? Ich will es ergründen und habe mir antiquarisch im Internet eine Ausgabe von „Buzz Aldrin wo warst du in all dem Durcheinander“ von Johan Harstad besorgt. Das Buch ist nun mehr vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Meine Ausgabe wurde fast ungelesen aus einer Pfarrbücherei ausgesondert.

Zu Weihnachten hat mir ein sehr guter Freund das Buch „Eine überflüssige Frau“ von Rabih Alameddine geschenkt. Bisher habe ich mich nicht getraut, darin zu lesen, obwohl mich die Geschichte schon sehr reizt. Noch dazu, weil die Widmung meines Freundes wahnsinnig schön ist: „Für eine Frau, die in meinem Leben ganz und gar nicht überflüssig ist und auch in dem anderer immer bedeutsamer wird. In tiefer Freundschaft.“ Ein besseres Weihnachtsgeschenk hätte er mir nicht machen können.

Hast du auch ungelesene Bücher? Welche und warum hast du sie noch nicht gelesen?


Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogaktion „Kehrwoche 2017“ von Herzpotenzial. Hinter dem Buchblog Herzpotenzial stehen Mareike und Maike.

6 Kommentare

  1. Hallo Janine,
    ich glaube jeder begeisterte Leser hat einen beachtlichen SuB.
    Das liegt daran, dass wir Monat für Monat mit Neuerscheinungen überschwemmt werden,
    die wir unbedingt lesen wollen, was natürlich niemals zu schaffen ist.
    Viele versuchen dies mit einem selbstauferlegtem Buchkaufverbot einzudämmen,
    was aber die meisten selbstverständlich nicht allzu lange durchhalten.

    Liebe Grüsse. Olaf

  2. Hallo Olaf,

    hast du dir schon mal ein Buchkaufverbot auferlegt? Ich habe das bisher noch nicht probiert, weil ich immer nur gelesen hat, wie Vielleser danach förmlich eskalieren im Buchladen. Also dann 5 oder 10 Bücher mit einem Schlag kaufen, weil sie ja so lange keine Bücher gekauft haben. Das finde ich echt kontraproduktiv.

    Viele Grüße,
    Janine

  3. „Das Amerika der Seele“ steht ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste. Ich bin sehr gespannt, ob dich Karl Ove Knausgard mit diesem Buch mehr überzeugen kann. „Vom Ende der Einsamkeit“ fand ich ok, aber nicht so überragend wie der Hype es verspricht. Ob ich ungelesene Bücher habe? Ja, viel zu viele um sie alle aufzuzählen 😀 Aber es gibt Schlimmeres 🙂

  4. Ich habe es lange geschafft, meinen SuB auf höchstens fünf Bücher zu beschränken und ich habe es wirklich geschafft. Ich kaufe tatsächlich immer nur ein Buch, wenn ich eins ausgelesen habe und es funktioniert ganz wunderbar. Ich hatte mich durch den stetig wachsenden Stapel immer mehr unter Druck gesetzt gefühlt und diese Umstellung hat mir wirklich gut getan. Ich denke, ich werde mein System so beibehalten.
    Viele Grüße
    Annika

  5. Hallo Denise,

    welche drei Bücher nimmst du dir denn schon lang vor und schaffst es nicht, sie zu lesen? 😉 Von meiner Liste „arbeite“ ich gerade übrigens Eine überflüssige Frau ab. Ich bin schon etwas stolz auf mich.

    Viele Grüße,
    Janine

  6. Vielen Dank für den Tipp, Annika!
    Ich glaube, das mit den 5 Büchern werde ich wohl nie schaffen. Aber vielleicht mal 20? 😉

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