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Der Buchbloggerpreis von Das Debüt – Meine Stimme

Am 16. November wurde die Shortlist des Buchbloggerpreises, welcher vom Blog Das Debüt veranstaltet wird, veröffentlicht. Auf der Shortlist stehen 5 Bücher, allesamt von Debütautoren, denn es gilt, das beste Debüt des Jahres zu finden.

Auf der Shortlist stehen folgende Titel:

  • Katharina Winkler – Blauschmuck (Meine Rezension)
  • Shida Bazyar – Nachts ist es leise in Teheran (Meine Rezension)
  • Philip Krömer – Ymir oder: Aus der Hirnschale der Himmel (Meine Rezension)
  • Sonja Harter – Weißblende
  • Uli Wittstock – Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Bardorf (Meine Rezension)

Über meinen ersten Juroren-Job

Bereits im Spätsommer hatte ich mich entschieden als Jurorin bei diesem Buchbloggerpreis mitzumachen, denn bis dato gab es so etwas noch nicht. Bisher hatte ich auch noch keine Erfahrung im Juroren-Sein. Ich wusste nicht, was es heißt, verschiedene Bücher innerhalb eines recht kurzen Zeitraums so zu lesen, noch dazu Bücher, die ich mir eigentlich nicht selbst ausgesucht habe. Das Lesen ist also schon von vornherein mit einer Art Zwang verbunden und einem leichten Druck, auch ja alles bis zum Einsendeschluss zu schaffen.

Für mich war die Zwang- beziehungsweise Druckkomponente nicht so schlimm, viel schlimmer fand ich die Aufgabe, solche unterschiedlichen Bücher miteinander zu vergleichen. Wer ist der bessere Schriftsteller? Worin liegt die Qualität beim Schreiben? Interessante Handlung und schöne Sprache sind da nur oberflächliche Kategorien, die allenfalls als Sargnagel der falschen Bewertung dienen. Letztendlich kann man nur vergleichen, was sich irgendwie ähnlich ist, sonst kommen bei einem Vergleich recht wenig Ergebnisse heraus.

Also, was mache ich als Buchbloggerin, die eigentlich näher beim Leser als bei den Qualitätssiegeln der Germanistik steht? (Zumindest begreife ich meine „Aufgabe oder Tätigkeit“ als Bloggerin so.) Ich wähle Maßstäbe wie Lesbarkeit, Verständlichkeit, Unterhaltungswert, Informationsgehalt und Originalität aus und hoffe, die richtige Wahl getroffen zu haben.

Mein Favorit für den Buchbloggerpreis von Das Debüt

Jeder Juror, der etwas auf sich hält, beginnt seine Einschätzung damit, zu sagen, dass die Entscheidung nicht leicht war. Alle Kandidaten waren gut und lagen recht knapp beieinander. Nun ja. Leicht fiel mir die Entscheidung nicht, aber ich konnte zumindest zwei Bücher ausschließen, weil sie mir beim Lesen nicht zu gesagt haben. „Weißes Rauschen oder Die sieben Tage von Bardorf“ von Uli Wittstock war mir zu abgedreht. Es ergab sich mir keine Geschichte, sondern fühlte sich vielmehr wie eine lose Aneinanderreihung von mehreren Geschichten an. Und auch „Weißblende“ von Sonja Harter war ziemlich anstrengend zu lesen, denn die Sprache ist merkwürdig zerstückelt. Die Sätze stehen immer für sich und sind selten verbunden. Noch dazu ist die Geschichte ab der Hälfte des Buchs an den Haaren herbeigezogen.

Die Wahl eines aus den drei übrigen Büchern war allerdings tatsächlich nicht so einfach, denn alle sind richtig gute Bücher, die ihren Leser mitreißen, gut unterhalten und Inhalte vermitteln. „Ymir oder: Aus der Hirnschale der Himmel“ von Philip Krömer ist wahnsinnig originell und für mich die größte Überraschung von der Shortlist. Wer kommt heutzutage schon noch auf die Idee eine Art Abenteuerroman zu schreiben? Leider leidet an gewissen Stellen die Verständlichkeit ein wenig und ich musste manches zwei Mal lesen bis ich es verstanden hatte. Ziemlich eindringlich und zugleich auch immer wieder erschreckend war „Blauschmuck“ von Katharina Winkler. Ein Holzhammer von einem Buch, der auf den Leser eindrischt und ihn verstört. Das Buch ist sehr bewegend, aber für manchen Leser womöglich zu sehr.

Und nun bleibt noch ein Buch übrig: „Nachts ist es leise in Teheran“ von Shida Bazyar und dieses ist auch mein Favorit. Shida Bazyar versteht es mehr noch als die anderen Bücher der Shortlist, den Leser in ihre Geschichte mitzunehmen und ihm die Hand zu einer ihm wahrscheinlich unbekannten Welt zu reichen. So geschah es mir beim Lesen. Ich hatte keinerlei Ahnung von der jüngeren Geschichte des Irans und was Iraner womöglich dazu bewegen könnte, aus ihren Land zu fliehen und in Deutschland einen Asylantrag zu stellen. Es ist eines der wichtigsten Bücher des Jahres, denn das Thema Flucht ist aktuell, wird es auch bleiben und es wäre gut, wenn so viele Menschen wie möglich sich damit beschäftigen.

Kommentierfrage: Welches Buch hättest du gewählt?

6 Kommentare

  1. Schwer zu sagen was man wählen würde, wenn man nicht wie Du alle Bücher gelesen hat. Vom Lesen Deiner Rezensionen her fand ich Blauschmuck am interessantesten, aber ich schrecke vor schwierigen Büchern auch nicht zurück, eher im Gegenteil.

    An Ymir stößt mich irgendwie oberflächlich alles ab, der Titel, das Cover, das Thema… ich komm da einfach nicht ran.

    Ich fand es sehr Interessant, Deine Reflexionen zur Bewertung zu lesen. Allerdings, am Ende kommt man doch wieder bei Sprache und Handlung an, denn „Lesbarkeit“ und „Verständlichkeit“ gehen von der Sprache aus, „Unterhaltungswert“ und „Originalität“ von der Handlung. Anders kann man es bei einem Buch aber auch nicht machen, denke ich. Und mit „Informationsgehalt“ hast Du sozusagen den Rechercheaufwand oder die Güte der Recherche in Betracht gezogen.

  2. Es war bestimmt eine Herausforderung, ein Buch so objektiv wie möglich zu betrachten und nicht dafür abzustrafen, dass man es sich selber, so vom Thema her, nie geholte hätte.
    Ich lese grad eines, weil ich mir das Thema auf meinem Blog gesetzt habe, aber an sich ist es furchtbar und man quält sich da nur so durch.

    Ich finde Du hast Deinen Job hier als Jurorin sehr gut gemacht! 🙂 Würde mich freuen, wenn es den Preis nächstes Jahr wieder gibt und Du mitmachst.

    (übrigens *lach*: wenn man einen zu langen Kommentar schreibt, verschwindet der „Kommentar abschicken“ Button ins Nirvana. Daher ist dieser Kommentar zweitgeteilt :D)

  3. Finde es sehr interessant, wie ähnlich die meisten aus der Jury gedacht gaben und zwischen „Blauschmuck“, „Ymir“ und Teheran pendelten. Auch wenn Teheran wohl vorne liegt, sind die anderen beiden gleichauf und es waren bei mir nur Nuancen, die den Ausschlag gegeben haben.

  4. Liebe Andrea,

    der Blog schützt sich selbst vor zu viel Text. Nein, es ist ein Bug am Theme, den ich leider auch erst nach der Umstellung bemerkt habe und nicht selbst fixen kann.
    Danke für dein Kompliment! Einfach war es nicht, aber wenn ich die Zeit habe und es diesen Preis nächstes Jahr wieder gibt, würde ich mitmachen. Die Shortlist war schon sehr gut gewählt!

    Welches Buch liest du gerade „zwangsweise“?

    Janine

  5. Hallo Marc,

    die drei waren tatsächlich von der Qualität her gleichauf. Den Unterschied macht hier nur der persönliche und vollkommen subjektive Zugang zur Geschichte, denke ich. 😉

    Janine

  6. Hi nochmal,

    Deine Frage möchte ich noch beantworten. Das Buch heißt „Wo bist Du?“ und es geht um eine junge Frau, deren Geliebter (scheinbar?) auf einer Recherche-Reise in ein Katastrophengebiet verschollen ist. Und im Klappentext stand eben noch, dass die beiden eine offene Beziehung führen, ein Thema, zu dem ich mir ja im besonderen vorgenommen habe, Geschichten vorzustellen.

    Ich musste daran denken dass dass ich unter Deiner Rezension zu „Weißes Rauschen“ noch geschrieben hatte, ich könnte mich an kein Buch erinnern, was mir gar nicht gefallen hat. Tja, tadaa~ ^^°
    Es wird auch die erste schlechte Rezension die ich schreibe. Nun, zumindest eine wertvolle Erfahrung mehr.

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