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FMD – Leben und Werk von Dostojewski (Graphic Novel)

Zum ersten Mal in Berührung kam ich mit Fjodor Michailowitsch Dostojewski durch einen guten Freund. Besagter Freund schenkt mir zum Geburtstag oder auch manchmal zu Weihnachten gern Büchern und da er selbst in der Regel nur Klassiker liest, weil neue Bücher irgendwie nie so gut sind wie die bereits erprobten Klassiker, schenkt er mir dann eben einen Klassiker. An meinem Geburtstag 2011 – ich wurde damals also 21 Jahre alt – schenkte er mir „Der Spieler“ von Fjodor Michailowitsch Dostojewski in gelbes Leinen gebunden und mit persönlicher Widmung.

Glaubst du, ich habe es geschafft, dieses Buch bisher zu lesen? Nein. Ich habe damals gleich an meinem Geburtstag begonnen und bin nicht über 20 Seiten hinausgekommen. Für dieses Buch war es anscheinend noch nicht die richtige Zeit in meinem Leben. Im Sommer dieses Jahres blätterte ich dann in der Verlagsvorschau des Knesebeck Verlags und entdeckte die Comic-Biographie „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ von Vitali Konstantinov. Wie du vielleicht schon weißt, möchte ich diesen Winter das Genre der Graphic Novel und Comics für mich erforschen. Das kannst du aber gern nochmal in meiner Rezension zur Graphic Novel „Albert“ von Sebastian Jung nachlesen. Schließlich fiel mir beim Durchblättern der Verlagsvorschau sofort mein sträfliches Versäumnis von 2011 ein und das schlechte Gewissen plagte mich. Wenn ich schon nicht die Originalliteratur schaffe, dann möchte ich doch wenigstens wissen, wer dieser russische Schriftsteller war, den mein guter Freund so sehr schätzt, dass ich unbedingt ein Buch von ihm lesen soll.

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FMD – Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Der Inhalt der Comic-Biographie „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ von Vitali Konstantinov ist schnell zusammengefasst: Sie beinhaltet den Lebensweg und das Schaffen von Dostojewski chronischer Reihenfolge von Geburt bis zu seinem Tod. Am 11. November 1821 wurde Dostojewski in Moskau als Sohn eines Arztes von adeligem Geschlecht und einer Frau aus einer reichen Kaufmannsfamilie. Dostojewski war eines von sieben Geschwistern. Dostojewskis Vater war geprägt vom Verlangen nach sozialem Aufstieg und finanzieller Sicherheit, deshalb investierte er in die Bildung seiner Kinder. Im Verlauf seiner Kindheit entwickelte sich Dostojewski zum Vielleser und verschlang sämtliche Bücher, die er finden konnte.

Nach dem Tod seiner Mutter an Tuberkulose 1837 trat Dostojewski in den Militärdienst ein. Er studierte nicht nur Ingenieurswissenschaften an der Militärischen ingenieurtechnische Universität in St. Petersburg, sondern auch Literatur. Nach Beendigung des Studiums nahm er lieber einen unbedeutenden Job als Militärzeichner an als aus St. Petersburg wegzugehen. Als ihm dann die Versetzung zu einem anderen Militärstützpunkt drohte, trat er 1844 aus dem Militär aus. Sein Vater war bereits 1839 an einem Schlaganfall gestorben und das Erbe war bei weitem nicht ausreichend als das Dostojewski davon hätte leben können. Aber was nun? Dostojewski wollte sich seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller verdienen.

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Die Comic-Biographie „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ von Vitali Konstantinov

Meine Beschreibung gibt die ersten 9 Seiten von „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ wieder, es folgen noch 55 weitere Seiten über das Leben und ganz besonders über die Bücher von Dostojewski. Vitali Konstantinov nimmt sich viel Raum für die Darstellungen der Inhalte aus Dostojewskis Romanen und verbindet diese immer wieder auch mit der Biographie des Autors. Die Zeichnungen in „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ sind in schwarz-weiß gehalten und wahnsinnig detailreich. Das Lesen dieser Comic-Biographie braucht Zeit, wenn du alles mitbekommen möchtest!

Für das Lesen der Comic-Biographie ist es nützlich, wenn du Russisch ein bisschen verstehst oder zumindest kyrillische Schriftzeichen lesen kannst, denn das Buch enthält an manchen (wenigen) Stellen russische Wörter. Wenn du noch nie etwas von Fjodor Michailowitsch Dostojewski und seinem Leben gehört hast, ist es wahrscheinlich sinnvoll, wenn du erst einmal ans Ende der Comic-Biographie blätterst, dort ist nämlich ein Zeitstrahl mit allen wichtigen Stationen Dostojewskis Leben und den Erscheinungsjahren seiner Bücher abgebildet. Vitali Konstantinov legt nämlich in seiner Comic-Biographie nicht ganz so viel Wert auf Übersichtlichkeit. Für mich war das manchmal auch etwas schwierig, weil ich das Gefühl hatte, dass Konstantinov in der Geschichte springt oder ich einen wichtigen Hinweis übersehen habe. In Vergleich zur ersten Graphic Novel, die ich gelesen habe („Albert“) ist „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ anspruchsvoller und nicht ganz so selbsterklärend.

Nichtsdestotrotz habe ich die Lektüre von „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ sehr genossen. Schon manche Sätze sind unglaublich stark, da würde es nicht einmal die tollen Zeichnungen brauchen. Diese Comic-Biographie ist große Kunst und hat mir den Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski sehr viel nähergebracht. Vielleicht ist jetzt auch die Zeit gekommen, um „Der Spieler“ zu lesen und ihn dann auch zu verstehen, denn nun weiß ich, was Dostojewski für ein armer spielsüchtiger Hund war.

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3 wahnsinnige Zitate von Dostojewski aus „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“

Der Mensch ist ein Geheimnis. Man muss es enträtseln, und wenn du es ein ganzes Leben enträtseln wirst, so sage nicht, du hättest die Zeit verschwendet. Ich beschäftige mich mit diesem Geheimnis, denn ich will ein Mensch sein. Dostojewski in „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“, Seite 7

Die Haupttugend des westlichen Menschen ist die Fähigkeit, Kapital zu erwerben. Der Russe dagegen ist nicht nur absolut unfähig Kapitale zu erwerben, er verschwendet sie auch auf eine abscheuliche Weise. Dostojewski in „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“, Seite 33

Wenn die Seele sehr viele Empfindungen durchlebt, wird sie nicht statt, sondern nur gereizt und fordert immer mehr Empfindungen, stärker und stärker – bis zur endgültigen Erschöpfung. Dostojewski in „FMD – Leben und Werk von Dostojewski“, Seite 33

Fazit

„FMD – Leben und Werk von Dostojewski“ von Vitali Konstantinov ist eine anspruchsvolle, aber sich lohnende Comic-Biographie. Sie zeigt sehr detailreich, wer der Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski war.

Kommentierfrage: Hast du schon einmal etwas von Fjodor Michailowitsch Dostojewski gelesen? Was war dein Eindruck?

3 Kommentare

  1. Wow, das sieht wunderbar aus, ich muss es haben!!! Ich habe bisher Crime and Punishment gelesen. Aber es ist ewwwig her, das war noch anfang des Studiums also fast 10 Jahre. Ich glaube, ich hab damals auch nur die Hälfte verstanden, aber den Schreibstil mochte ich. Ich mag es unbedingt noch einmal lesen in den nächsten Monaten, jetzt wo mein Englisch und mein Verständnis für Klassiker deutlichb esser ist 😀

    glg Franzi

  2. In dem Buch ist das Leben und Werk Dostojewskis sehr ansprechend und komprimiert dargestellt. Es lässt erkennen, dass der Autor in Sachen Dostojewski versiert ist.
    Wer noch etwas mehr hinter diese ansprechende Lebens-Collagen steigen möchte, könnte begleitend mit faktischem Material der Seite http://www.dostojewski.eu viel Freude mit diesem Buch haben.

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