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Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens – Ein Interview mit Kafi Freitag

Kafi Freitag über das Bloggen

In der Schweiz bist du mit deinem Blog fragfraufreitag.ch schon richtig berühmt. Du beantwortest auf deinem Blog regelmäßig Fragen von deinen Lesern zu den wirklich dringenden Problemen des Lebens. Wie kamst du auf diese Idee?

Das ist eine lustige Sache! Es war so: Ich habe einen Traum gelebt – diesen Traum vom „Ich würde gerne schreiben“. Bis dahin habe ich kaum geschrieben und ich hatte keine Referenzen, mit denen ich zu einer Zeitung oder einem Magazin hätte gehen können. Dennoch hatte ich das Gefühl, irgendwann werde ich entdeckt. Allerdings habe ich nach einer Weile gemerkt, dass das mit dem Entdecken nichts wird und dass ich da selbst etwas machen muss. Das war damals die Zeit als das Bloggen attraktiv wurde. Zu Weihnachten 2011 habe ich mir dann den Blog geschenkt.

Zunächst war die Idee von dem Fragen-Antworten-Format die reine Faulheit: Ich habe überlegt, wie ich einen roten Faden in meinen Blog bringen könnte. Über dies und jenes mal zu schreiben ist schließlich kein Konzept! Darum habe ich mir überlegt, wenn ich die Themenfindung outsource, indem man mir Fragen stellt, dann bekomme ich die Themen geliefert. Es war also keine große Philosophie dahinter, ich wollte es mir einfach machen und das funktioniert übrigens super!

Hattest du denn am Anfang deines Blogs überhaupt genügend Fragen?

Nein, am Anfang natürlich nicht. Ich habe damals 4 Freunden gesagt, dass sie mir eine Frage schicken sollen, die ich dann beantworte. Jeroen van Rooijen, der Betreiber eines Stilblogs in der Schweiz, hat meinen Blog sehr zeitig entdeckt und mich gleich auf seinem Blog weiterempfohlen. Das war für meinen jungen Blog natürlich ein gewaltiger Schub. Im Februar war ich der meistgesuchteste Begriff auf Google.ch. Der Blick am Abend, welcher vergleichbar ist mit der Bild in Deutschland, hat das thematisiert und erklärt, wer ich denn überhaupt bin – von da an ging es richtig los.

Was unterscheidet dich von anderen Frage-Antwort-Bloggern oder Kolumnen?

Zu Beginn meines Blogs wusste ich das noch nicht, das habe ich erst im Verlauf der Zeit realisiert. Eine Frage-Antwort-Kolumne ist nichts Besonderes, so ziemlich jedes Magazin hat so eine Rubrik. Im Gegensatz zu den anderen bringe ich aber sehr viel von mir selbst in meine Antworten ein. Meine Antworten enthalten immer meine eigenen Erfahrungen und etwas von mir. Ich lasse also immer ein Stück weit die Hosen runter – ein ziemlich großes Stück sogar. Das wird einem auch besonders bewusst, wenn man mein Buch gelesen hat. Dann weiß man so viel über mich, dass es mir manchmal etwas unheimlich ist. Als Fragender offenbart man sich selbst immer ein bisschen, weil man zugibt, dass man ein Problem hat. Allerdings bleiben die meisten Fragenden auch anonym, sie sind also auch geschützt. Mit meinen Antworten befriedige ich ein Stück weit den Voyeurismus meiner Leser – die wollen dann wissen, wie es bei der Kafi ist. UND ich meine es nicht so ernst mit meinen Antworten. Ich kann da auch schon mal sehr ironisch sein.

Gibt es eine bestimmte Frage, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Eine junge schwangere Frau hat mir die Frage gestellt, ob sie ihr Baby besser abtreiben sollte. An der Situation der jungen Frau hat nichts gestimmt: Sie war mitten im Studium, ihr Freund war mitten im Studium, es gab keine Großeltern, die mithelfen hätten können und finanziell war sie auch nicht abgesichert. Faktisch hat alles dagegengesprochen und die Frau hatte nur noch ein paar Tage Zeit, um das Kind legal abzutreiben.

Ich habe bei dieser Frage logischerweise keine Antwort gegeben im Sinne von „Mach es oder mach es nicht“ – das wäre falsch gewesen. Stattdessen habe ich ihr gesagt, dass sie sich nicht überlegen muss, ob sie ein Kind will oder nicht. Das ist in so einem Fall nicht die richtige Frage. Diese lautet: Kannst du besser leben mit einem Kind oder mit einer Abtreibung in deinem Leben? Aus meiner Praxiserfahrung weiß ich, dass Frauen, die abgetrieben haben, immer Schwierigkeiten mit ihrer Tat haben. Auch nach Jahren ist die Abtreibung noch ein Thema im Leben dieser Frauen. Da macht es auch keinen Unterschied, ob diese Frauen fünf Kinder in der Zwischenzeit zur Welt gebracht haben, dieses eine Kind begleitet sie für immer.

Einige Zeit später habe ich die junge Frau zufällig auf der Straße getroffen und sie hat mir von ihrem Lebensweg nach dem Artikel berichtet. Die Abtreibungs-Frage hat in mir bisher am meisten ausgelöst. Mir wurde dadurch vor Augen geführt, was für eine Verantwortung ich habe und dass meine Antworten tatsächlich etwas in meinen Lesern auslösen.

kafi-freitag

Kafi Freitag über Literatur

Im März wurde dein erstes Buch „Frag Frau Freitag.: 222 Antworten auf drängende Fragen des Lebens“ veröffentlicht, welches ich gern gelesen und auf meinem Blog rezensiert habe. Wie war das für dich, deine Onlinekolumne als Buch zu veröffentlichen?

Das war ein besonderer Moment, weil ich zuvor nur online geschrieben habe. Plötzlich wurde meine Arbeit in einer physischen Form fassbar. Online zu schreiben hat etwas Schizophrenes – Es geht raus, du kannst es nie anfassen und dann bleibt es für unsere nachfolgenden Generationen trotzdem noch auffindbar. Mein Buch besteht aus 222 meiner Fragen und Antworten – das ist ein Drittel meiner Kolumnen. Mich macht das sehr stolz!

Wie war der Prozess der Erstellung? Wie hast du entschieden, welche Fragen ins Buch kommen?

Das fand ich total schwer. Auf meinen eigenen Texten bin ich ziemlich blind. Nach der Menge von Texten kann ich nicht sagen, welcher gut und welcher schlecht ist. Keinesfalls wollte ich aber stupide die Texte nach den meisten Klickzahlen und Likes auswählen. Mein Verleger André vom Salisverlag hat eine Vorauswahl getroffen und mich dann entscheiden lassen, welche Artikel im Buch abgedruckt werden und welche nicht.

Liest du selbst auch?

Ja, ich lese selbst auch! Ganz früher hatte ich viele Bücher und die waren sogar nach Form und Farbe sortiert. Wunderschön. Vor etwa einem Jahr habe ich mir einen eReader gekauft und seither damit 50 eBooks gelesen. 50 Bücher habe ich in den letzten 10 Jahren nicht gelesen! Allerdings lese ich keine Romane, nur Sachbücher.

Kafi Freitag über ihr Leben

Eigentlich hast du bisher nicht nur ein Leben gehabt. Du warst schon Anlageberaterin und rechte Hand eines Generaldirektors ohne je eine Bankausbildung gemacht zu haben. Außerdem hast du eine Billig-Modekette geführt, warst in einer Heilpädagogischen Schule angestellt und schriebst als Ghostwriterin für einen Politikblog. Wie hast du das alles geschafft?

Ich habe halt alles nicht so lange gemacht. Dann geht das schon. Ich habe früh damit angefangen: Ich bin nicht auf die Universität zum Studieren gegangen, sondern bin mit 20 Jahren ins Berufsleben gestartet. Es gibt nichts, was ich bereue. Ich bin mir bewusst, dass ich die Summe meiner richtigen und meiner falschen Entscheidungen bin.

Was wolltest du eigentlich als Kind werden?

Ich wollte Lehrerin werden! Im Nachhinein wäre das die falsche Wahl für mich gewesen – ich würde sterben! Ich finde schon ein Kind sehr anstrengend.

Wenn ich jetzt schon etwas über deine Vergangenheit und deine Gegenwart weiß, dann bin ich auch neugierig auf deine Zukunft. Hast du schon Pläne für die Zukunft? Stehen neue Projekte an?

Natürlich! Ich arbeite an einem neuen Projekt, aber verraten werde ich darüber jetzt noch nichts damit du und deine Leser neugierig bleiben.

Ich danke dir sehr für dieses tolle Interview!

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