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Literarisches Zürich – Ein kleiner Reiseführer

Meine Tage in Zürich Ende Oktober während des Buchfestivals „Zürich liest“ waren wunderschön. Fast noch ein bisschen schöner war es allerdings, dass ich trotz der vielen Lesungen und literarischen Veranstaltungen auch Zeit hatte, mir ein bisschen die literarischen Orte Zürichs anzusehen. Mit diesem Artikel möchte ich dir die literarische Schönheit und Tradition in Zürich zeigen:

Der Dadaismus und das Cabaret Voltaire

Zürich ist der Geburtsort des Dada oder noch genauer: Das Haus in der Spiegelgasse mit der Nummer 1 in Zürich mit dem Namen Cabaret Voltaire ist der Geburtsort. Dadaismus ist eine Kunst- und Literaturrichtung, die für die Freiheit der Kunst eintritt und das Irrationale betont. Oder anders gesagt – Dada ist alles. Dada erscheint auf den ersten Blick wahrscheinlich etwas seltsam und vielleicht sogar verrückt. Ich persönlich mag den Dadaismus sehr, denn ich verbinde mit ihm tatsächlich etwas Befreiendes – sich ausprobieren ohne Schranken.

Hugo Ball war einer der Begründer des Dada und er schrieb 1927 in „Flucht aus der Zeit“: „So stellten sich 1913 Welt und Gesellschaft dar: das Leben ist völlig verstrickt und gekettet. Eine Art Wirtschaftsfatalismus herrscht und weist jedem Einzelnen, mag er sich sträuben oder nicht, eine bestimmte Funktion und damit ein Interesse und seinen Charakter an. […] Gibt es irgendwo eine Macht, stark und vor allem lebendig genug, diesen Zustand aufzuheben?“ Erscheinen nur mir diese Zeilen auch heute noch aktuell?

Im Februar 1916 gründete Hugo Ball gemeinsam mit seiner Freundin Emmy Hennings das Cabaret Voltaire. Dieses Cabaret Voltaire gibt es auch heute noch. In der aktuellen Form beherbergt es Veranstaltungsräume, ein Café und einen Shop zum Thema Dadaismus.

Das Literaturhaus Zürich

Supertoll gelegen ist das Literaturhaus Zürich! Der Blick von der Brücke auf die Limmat ist nur 20 Meter entfernt. Bevor du also eine der zahlreichen Veranstaltungen des Literaturhauses besuchst, kannst du dir ruhig mal das Flussufer anschauen.

Im Literaturhaus selbst gibt es auch eine Privatbibliothek: Die Museumsgesellschaft. Diese wurde 1834 gegründet und hat zum Ziel, ihren Mitgliedern Zugang zur Literatur zu gewähren. Ich habe eine Führung durch das Haus machen dürfen und habe dabei nicht nur den Lesesaal und die Bibliothek bewundert, sondern auch das Magazin im Keller. Sehr sehenswert!

Tolle Buchhandlungen in Zürich

Paranoia City Buch & Wein

Das ist ein Buchladen, der zum Buch gleich den passenden Wein anbietet. Besonders aufgefallen ist mir, dass es hier ein kleines Regal voll mit Büchern aus der Reihe „Die Andere Bibliothek“ gibt. Das ist in Deutschland sehr selten! Die Wurzeln von Paranoia City fußen übrigens in einem anarchistischen Buchladen, der im Jahr 1975 gegründet wurde.

Buchhandlung im Volkshaus

Die Buchhandlung im Volkshaus wirbt mit dem Slogan „Ihre Buchhandlung für Literatur, Politik, Psychoanalyse, Theater, Fussball, Feminismus – und alles andere.“ Und das stimmt! Mir gefiel die Auswahl sowohl an belletristischen Büchern als auch an Sachbüchern sehr gut. In der Buchhandlung im Volkshaus gibt es nicht nur Mainstream-Literatur. Zum Beispiel habe ich folgende interessante Bücher dort entdeckt:

Buchhandlung Blex

Die Inhaberin von Blex, Hanna Wettstein, hat zwei große Leidenschaften: Das Sammeln von Blechbüchsen und Büchern. Warum daraus nicht einen Laden machen? Und so ist es geschehen. Die Buchhandlung Blex  befindet sich im architektonischen Kunstwerk Kalkbreite und ist eigentlich allein deshalb schon sehr sehenswert! Innen in der Buchhandlung gibt es aber auch sehr viel zu entdecken. Mir persönlich wurde zum ersten Mal vor Augen geführt, wie viele Zürich Krimis es überhaupt gibt. Allein im Blex, das an sich nicht sonderlich groß ist, füllen diese Krimis 4 Regalbretter. Gern verwendetes Setting für die Krimis ist übrigens die Langstraße im Party- und Rotlichtbezirk. Die Langstraße konnte ich während meiner Zeit in Zürich sehr gut kennenlernen, da sich das Hotel Rothaus dort befindet, in dem ich genächtigt habe. Aber keine Angst, mir ist nicht einmal etwas Gefährliches passiert!

Orell Füssli Kramhof

Der größte Buchladen von ganz Zürich befindet sich auf der Füsslistraße 4 und ist in jedem Fall einen Besuch wert. Diese Orell Füssli Filiale bietet 4 Etagen mit richtig vielen Büchern verschiedenster Geschmacksrichtungen. Mein persönliches Highlight war neben der großen Belletristik-Abteilung die oberste Etage mit „The Bookshop“. Neben ganz vielen englischsprachigen Büchern hat „The Bookshop“ ganz viel literarisches Merchandise im Angebot. Scharfes Zeug – leider auch nicht günstig für den Studenten-Geldbeutel.

sec52

In der Buchhandlung sec52  kannst du dir ansehen, wie Platz optimiert wird. So viele Bücher wie möglich müssen in die raumhohen Regale und auf die mächtigen Tische passen. Das klingt jetzt so, als müsstest du aufpassen, dass du nicht erschlagen wirst von Literatur, aber so meine ich das überhaupt nicht. Im sec52 gibt es richtig viel zu entdecken – besonders die Auswahl an Belletristik ist überragend. Der Buchladen an sich ist einfach nur wunderschön. Auf der Homepage steht geschrieben:

Der Dichter Porchia schreibt: »Der Mensch hatte ein Paradies, fern von dieser Welt, und hat es verloren, da er es dieser Welt annähern wollte.« Wir glauben zusammen mit Ihnen, unseren Kundinnen und Kunden, weiter an dieses Paradies.

Diese Sätze kann ich nur unterschreiben. Im sec52 gibt es auch sehr viele Bücher des bilgerverlags, denn der Inhaber der Buchhandlung, Ricco Bilger, ist gleichzeitig auch der Verleger des bilgerverlags.

Berühmte Schriftsteller, die in Zürich gewirkt haben oder noch wirken

Friedhof Fluntern

Literarischen Friedhofstourismus kannst du ganz besonders gut auf dem Friedhof Fluntern betreiben. Hier liegen nämlich Größen wie James Joyce, Elias Canetti oder der Verleger Daniel Keel. Einen Übersichtsplan findest du hier.

Der Strauhof

Der Strauhof blickt auf eine lange Geschichte zurück – Dokumente gehen von einer Existenz des Gebäudes seit dem 16. Jahrhundert aus. Ab 1950 wird es für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Seit 2015 befindet sich der Strauhof in einer dreijährigen Pilotphase. Das Strauhof ist kein klassisches Museum, sondern Schnittstelle zwischen Literatur und räumlicher Inszenierung. Während Zürich liest habe ich den Strauhof vor allem durch seine Ausstellung „Gomringer & Gomringer“ kennengelernt. Die Lyriker Nora Gomringer und Eugen Gomringer (Vater und Tochter) sind das Thema der aktuellen Ausstellung, die du noch bis zum 8.1.2017 besuchen kannst.

Zuvor gab es schon mehrere Ausstellungen: Beispielsweise von September 2015 bis Januar 2016 „Mars – Literatur im All“ und von Juni bis September 2016 „Anarchie! Fakten und Fiktionen“. Ich finde das total spannend, gerade weil die Themen nicht klassisch literarisch sind. Ziemlich gern hätte ich gesehen, was sich hinter den Ausstellungen verbarg. Und ich persönlich hoffe und wünsche es sehr, dass der Strauhof als Literaturort auch über das Jahr 2018 erhalten bleibt.

Zu meinem Buch hätte ich aber auch gern einen Kaffee.

Den kannst du bekommen, denn in Zürich gibt es auch ganz viele literarische Cafés! Du könntest zum Beispiel das sphères besuchen. Das ist Bar, Buchhandlung, Bühne und Verlag in einem! Ich war am späten Freitagnachmittag dort, es war sonnig und ziemlich entspannt. Das sphères liegt im Westen von Zürich, nah der Limmat und ist eines dieser typischen modernen Gebäude in Zürich: Eine Konstruktion aus Stahl und Glas. Im sphères werden übrigens ziemlich oft Buchvernissagen abgehalten.

Wenn dir das sphères zu modern ist, dann solltest du vielleicht das Grand Café Odeon besuchen. Das Odeon kann auf eine lange Historie zurückblicken: 1911 wurde das Café eröffnet und hat in seiner langen Geschichte schon viele Schriftsteller angezogen wie zum Beispiel Stefan Zweig, Hans Arp, Franz Werfel, Albert Einstein, Friedrich Dürrenmatt, Else Lasker-Schüler, Frank Wedekind, William Somerset Maugham, Erich Maria Remarque, Klaus Mann, Max Frisch oder James Joyce. Du wärst mit deinem Buch und deinem Kaffee also in bester Gesellschaft.

Solltest du allerdings so richtig Hunger haben – also jetzt nicht nur auf Bücher, sondern in deinem Bauch, dann wäre das Karl im Debattenhaus Karl der Große eine gute Wahl. Das Essen schmeckt fantastisch, auf den Fensterbänken gibt es viele Bücher (du kannst dir sogar eins mitnehmen, wenn du es besonders gern gewonnen hast) und außerdem kannst du auch ganz viele Zeitschriften lesen. Im Karl der Große selbst finden auch regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.

Zürcher Verlage – Literatur ist groß in Zürich!

Ich hoffe, du hast einen Eindruck vom literarischen Zürich bekommen! Kannst du vielleicht noch Fakten oder literarische Orte ergänzen, die ich jetzt überhaupt nicht erwähnt habe?