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Oh Schimmi – Ein affengeiles Buch von Teresa Präauer

Erwachsenwerden ist nicht leicht. Auch für mich war das nicht immer einfach. Als Teenager hatte ich keine Lust auf die Welt und ganz besonders nicht auf andere Menschen, lieber habe ich in meiner eigenen Welt gelebt. Da hatte ich meine Ruhe und ich konnte sein, wer ich wollte. Es hat ein paar Jahre gedauert bis sich dieser Zustand bei mir gebessert hatte. Hingegen bei Schimmi aus dem neuen Roman „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer wird sich noch auf lange Zeit nichts verbessern.

Eine junge Liebe?

Zu Beginn des Buchs erzählt Schimmi davon, wie er die supergeile Ninni zum ersten Mal gesehen hat. Schimmi lebt in einer Weltstadt, den genauen Ort möchte er nicht verraten und sagt nur so viel – „nicht in Indien, nicht in Afrika, nicht in Asien“. Später wird Schimmi sich verplappern und herausposaunen, dass er auf die amerikanische Art lebt. Aber sei es drum. In dieser amerikanischen Weltstadt lebt er in einem Apartment im obersten Stockwerk. „Es mangelt, wie man so sagt, an nichts.“

Schimmi war unterwegs und erblickte wahrhaftig seine Göttin: Ninni saß auf ihrem Thron bei der Pedi- und Maniküre. Sie war gelangweilt, sie rauchte mehrere Zigaretten und das Leben war auf eine faszinierende Art schon ganz „ehrgeizlos“ aus Ninni entwichen. An jeder Hand von Ninni hing eine Asiatin. Bei so viel Coolness konnte Schimmi nicht anders als auf den Boden vor Ninnis Füßen zu werfen und um ihre Hand anzuhalten. Anhand dieser Teenagerliebe entspinnt sich der ganze Roman, Ninni ist allgegenwärtig für Schimmi und er möchte eigentlich nichts lieber als in ihr Apartment und unter ihr Bett krabbeln. Ob das gelingt?

„Oh Schimmi“, du affiger Teenager

Der Name von Schimmi ist sehr interessant gewählt von Teresa Präauer – eigentlich genannt Jimmy auf Englisch, aber auf Deutsch gesprochen eben Schimmi.  Schimmi, da steckt der Schimpanse schon drin. Aber Schimmi ist natürlich ein Mensch. Teresa Präauer verwischt gekonnt die Grenze zwischen Mensch und Affe. Sie treibt es sogar so weit, dass Schimmi in ein Affenkostüm steigt. In einem Interview mit der Standard.at wird Teresa Präauer gefragt, wer denn dieser Schimmi sei. Ihre Antwort: „Das ist einer, der sich wortwörtlich zum Affen macht, ein Großsprecher und Aufschneider. Einer, der die Marktwirtschaft angeblich versteht und seine Dollars in der Unterhose hortet, einer, der den Frauen gefallen will und gleichzeitig den ständigen Telefonanrufen seiner Mutter kaum entkommt.“

„Sam hat ihn Äffchen genannt, aber natürlich ist der Schimmi, der während der Fahrt auf dem Rücksitz des Autors dann doch eingeschlafen ist, ein Mensch wie jeder andere. Vielleicht schwieriger, herausfordernder, manchmal unerträglich.“ (aus „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer, Seite 143)

Schimmi hatte als kleines Kind einen schweren Reitunfall, bei dem sein Kopf verletzt wurde. Seitdem ist er geistig zurückgeblieben. Seine Mutter hat diesen Unfall Schimmis auch nur schwer verkraften können, schließlich ist daran sogar die Familie zerbrochen. Der Vater, überbezahlter Banker, hatte keine Lust mehr auf eine gestörte Familie und ist von einem Tag auf den anderen abgehauen. Hat das Elend nicht ertragen und hinterließ nur einen Brief, weil er die Familie liebt, verlässt er sie. Ahja. Schimmis Mutter hatte ihre Karriere als Rodeo-Girl schon aufgegeben als ihr Mann gegangen ist und hatte dann nur noch Schimmi, an dem sie ihr Leben festklammern konnte. Und den Alkohol natürlich.

Schimmis Mutter liebt ihn so sehr, dass er nicht einfach die Wohnung verlassen darf, wann er das möchte. Vielmehr wird er fast schon eingesperrt damit ihm nicht noch ein zweites Unglück widerfährt. Damit wird Schimmi seines eigenen Lebens gänzlich beraubt. Er kennt das wahre Leben nur aus dem Fernsehen und dem Internet – er sieht aufmerksam zu, aber selbst leben, das darf er nicht. Es verwundert wenig, dass er nur Blödsinn anstellt, wenn seine Lebenskraft dann doch ein Ventil bekommt und er einen Augenblick nicht unter Beobachtung steht. Dann ist Schimmi auch nur ein Teenager und möchte am liebsten Sex haben. Das ist zu erkennen an der Obsession für die desinteressierte Ninni und an der Telefonrechnung, wenn Schimmi mal wieder bei Zindi (Cindy) von der Sexhotline anruft.

Ein Schelmenstück der Literatur von Teresa Präauer

Ich bin fasziniert von der hohen Kunst, die Teresa Präauer in „Oh Schimmi“ geschaffen hat. Das Buch ist ein Sprachexperiment. Die Worte, die Schimmi benutzt, um seine Welt zu beschreiben, sind eine Mischung aus Gossenslang, Affensprache und hier und da ziemlich gehobenen Wörtern aus der Wissenschaft, die Schimmi bei einer seiner endlosen Fernseh-Sessions aufgeschnappt haben muss. Beim Lesen war ich gespannt, was Schimmi als nächstes plappert. Teresa Präauer kam es bei „Oh Schimmi“ nicht so sehr auf die Handlung an, an sich passiert im Roman wenig, aber dafür bekommt die Sprache einen sehr großen Raum. Eigentlich würde sich die Geschichte um Schimmi auch besser auf der Bühne machen – gesprochen im Theater oder bei einer Lesung. Ich freue mich übrigens schon sehr, wenn ich Teresa Präauer zuhören kann bei ihrer Lesung auf dem Lesefestival Zürich liest*. Ich werde jeden Moment des kraftvollen Affenslangs mit Schimmi genießen.

„Oh Schimmi“ ist nicht nur Sprachexperiment, sondern zugleich Konsumkritik von besonderer Güte. Das zu viel an allem wird häufig sichtbar. Ob an Ninni, die sich für jede ihrer Gliedmaßen eine Asiatin leisten kann, die ihre Nägel feilt, lackiert, massiert und eincremt. Oder an Schimmi, der sich gerade durch den extrem großen Vorrat an Süßigkeiten seiner Mutter frisst bis er blauen Schaum um sein Affenmaul hat. Keiner der Personen ist in diesem Buch sich selbst wirklich bewusst. Die Mutter ist krank vor Sorge und betäubt sich mit Alkohol. Der Vater hat seine Rolle schon längst verlassen. Und Schimmi ist zwar ein ziemlich genauer Beobachter, aber er lernt nicht. Er kann nicht aussteigen aus dem Affenzirkus und bleibt so doch das arme kleine Äffchen.

Fazit

Mit dem Roman „Oh Schimmi“ ist Teresa Präauer affengeile Literatur gelungen.

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* Teresa Präauer liest am 29.10.16 18 Uhr anlässlich des Lesefestivals Zürich im Literaturhaus Zürich aus „Oh Schimmi“.


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