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Literarisches Köln – Ein kleiner Reiseführer

Als Literaturbloggerin kann ich nicht einfach nur Urlaub machen: Wenn ich in eine fremde Stadt komme und dort für ein paar Tage bleibe, muss ich mir immer auch die „Literaturorte“ der Stadt ansehen. Vor wenigen Tagen waren mein Freund und ich in Köln und eigentlich war ich ziemlich überfordert mit der Auswahl der Orte, die ich unbedingt besuchen wollte, denn natürlich kann ich meinen Freund nicht nur 3 Tage lang durch die Buchläden von Köln schleifen. (Ohne Frage wäre das möglich gewesen bei allein über 30 unabhängigen Buchläden.) Ich möchte dir heute ein paar Stationen meiner Reise und literarische Besonderheiten von Köln zeigen:

1. Buchladen Neusser Straße einzigundartig (Neusser Str. 197)

Ein besonderes Highlight meines Urlaubs war die Stadtteilbuchhandlung auf der Neusser Straße. Durch die vielen Onlineaktivitäten auf Facebook, Twitter  und Instagram ist der Buchladen über die Grenzen Kölns hinaus bekannt.

Das Team um die Inhaberin Dorothee Junck lässt sich nicht nur in Sachen Social Media jede Menge einfallen: Ganz besonders beeindruckt hat mich der Sammelband „Nippeser Kanon der Literatur“ mit Buchempfehlungen von Kunden, darunter sogar einige prominente Buchliebhaber. Das Buch wurde vom Buchladen herausgegeben und ich habe voller Freude schon einige Artikel darin gelesen. Sehr liebevoll finde ich auch die persönlichen Empfehlungen der Buchhändler im Laden – markiert mit einer Art Glassteinchen auf den Büchern. Darauf ist sogar zu sehen, welcher Buchhändler das Buch besonders gern gelesen hat. Mit dem Entdecken in diesem Buchladen wurde ich eigentlich gar nicht fertig. Ich habe einen Faltplan mit allen 31 unabhängigen Buchhandlungen von Köln gefunden – initiiert wurde dieser übrigens auch vom Buchladen Neusser Straße einzigundartig. Das PDF des Stadtplans kannst du dir hier herunterladen.

Nach dem Buchladenbesuch waren mein Freund und ich übrigens noch im „Nebenan“. Das Geschäft für Papeterie und Geschenkartikel gehört auch zum Buchladen. Ins „Nebenan“ integriert ist die Crêperie de Nippèse – besonders empfehlen kann ich Crêpe mit Banane und Nutella.

Im Buchladen Neusser Straße einzigundartig gekauft habe ich „Glückskind“ von Steven Uhly, „Mein Vater ist Putzfrau“ von Saphia Azzeddine und einen Spiegel.

2. Verlage in Köln

Verlag Kiepenheuer & Witsch
Bastei Lübbe
Emons Verlag
Egmont Verlagsgesellschaft
Edition Fackelträger
Ernst Klett Verlag

3. Taschen Verlag Flagship Store (Hohenzollernring 28)

Wer auf Bildbände vom Taschen Verlag steht, der sollte unbedingt Halt machen auf dem Hohenzollernring. Der Flagship Store von Taschen ist richtig modern und „stylisch“.

4. Literaturcafé Goldmund (Glasstr. 2)

Sehr verliebt habe ich mich in das Literaturcafé Goldmund in Köln-Ehrenfeld. Die Einrichtung ist liebevoll-schrullig! Die Buchregale sind vollgestopft mit Büchern. Das Paradies muss so ähnlich aussehen. Die Bücher im Literaturcafé Goldmund können gekauft werden und es gibt eine Book-Crossing-Zone. Während des Mittagessens habe ich das Buch „Bartleby und Co“ von Enrique Vila-Matas entdeckt. Aber leider habe ich das Buch nicht gekauft, darüber ärgere ich mich gerade ziemlich. Am Abend werden übrigens häufig Lesungen angeboten, nur leider nicht zu der Zeit als wir in Köln waren.

Von der Mittagskarte können mein Freund und ich den Salat mit Hähnchen und die Dreierlei gefüllten Nudeltaschen (vegetarisch) empfehlen. Und außerdem gibt es im Sommer selbstgemachten Eistee.

5. Die Mayersche Buchhandlung (Neumarkt 2)

Wenn du einmal so richtig von einem Buchladen erschlagen werden möchtest, dann solltest du die Mayersche am Neumarkt besuchen. Das ist einer der größten Buchhandlungen, die ich bisher gesehen habe und ich war ehrlich gesagt wirklich überfordert. Zum nur mal darin stöbern und neue Bücher entdecken, kann ich diesen Buchladen nicht wirklich empfehlen – dafür ist die Masse an Büchern zu groß. Wenn du jedoch einen Lieblingsautor hast und ziemlich genau weißt, welches Buch du als nächstes lesen möchtest, dann wirst du dieses Buch garantiert dort finden. Freunden von Klassikern wird es garantiert auch gefallen, denn das Klassikerregal ist mit etwa 6 Regalmetern zwar ziemlich groß, aber im Vergleich zum Rest der Buchhandlung immer noch überschaubar.

6. Das Literaturhaus Köln (Großer Griechenmarkt 39)

Leider waren wir viel zu kurz in Köln, denn ich hätte gern mal eine Lesung im Literaturhaus Köln erlebt. So sind wir nur auf dem Weg ins Schokoladenmuseum kurz daran vorbeigelaufen. Aber vielleicht hast du im Oktober Zeit für einen Besuch – besonders interessante Veranstaltungen sind zum Beispiel:

7. Erlebnisse ohne Literatur in Köln

Besonders für viele Leserinnen gehört zum Lesen von Büchern auch immer ein bisschen Naschwerk – Schokolade zum Beispiel. Ich selbst gönne mir diesen Genuss auch von Zeit zu Zeit. Deshalb musste auch unbedingt das Schokoladenmuseum in Köln besucht werden. Es war eine Enttäuschung – denn insgeheim ist dieses Museum nur bessere Werbung für Lindt – schade! Auch ein bisschen enttäuscht war ich vom Römisch-Germanischen Museum, da es hauptsächlich aus Glas und Ton bestand. Die Museumsmenschen sind dort sehr detailverliebt, für den Laien ist das große Ganze wohl aber interessanter. Ich hätte mir gewünscht, dass die Ausstellung mehr auf Köln und die Römer eingegangen wäre – gern auch mit Zeitstrahl und wichtigen Ereignissen. So war alles etwas ohne Zusammenhang.

Eine kulinarische Entdeckung habe ich gleich in der Nähe der Ferienwohnung gemacht. Das bona´me ist eine Art Vapiano mit kurdischen Speisen. Bisher gibt es davon 3 Restaurants (2 in Köln, 1 in Aachen) und ich würde mir sowas wirklich für Chemnitz wünschen. Vielleicht verirrt sich da auch der ein oder andere Cegida/Pegida-Anhänger herein und muss feststellen, dass andere Kulturen auch toll sind. Sehr empfehlen kann ich Pide mit türkischer Peperoniwurst und Beyti in der Variante mit Hackfleisch und Joghurtsoße.

8. Buchhandlung Klaus Bittner (Albertusstr. 6)

Zum Schluss noch ein weiteres Buchladenhighlight: Die Buchhandlung Klaus Bittner ist ein wunderschöner Buchladen mit richtig gutem Sortiment. Klassische Frauenliebesschnulzen wird es bei Klaus Bittner definitiv nicht zu finden geben, dafür aber jede Menge Bücher aus kleinen unabhängigen Verlagen. Als Buchbloggerin habe bin ich recht gut informiert über aktuelle Bücher, aber hier konnte sogar ich noch neue und aktuelle Bücher entdecken, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Interessant ist auch die Sortierung der Bücher: Es gibt zum Beispiel eigene Regale für Bücher italienischer und französischer Autoren und auch Regale für Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Und Lyrik-Kenner werden sich freuen – die Auswahl für Lyrik ist groß. Kurz: Die Buchhandlung Klaus Bittner ist für Leser mit gehobenen Buchgeschmack ein kleines Mekka.

In der Buchhandlung Klaus Bittner habe ich „Als die Kinder schliefen“ von David Wagner, „Lanzarote“ von Jan Drees, „Zeitverschiebung“ von Almut Tina Schmidt und die aktuelle Ausgabe der Literaturzeitschrift „Akzente“ (3/16 Thema Europa) gekauft.

Fazit

Wenn du als Bücherwurm nach Köln reist, solltest du unbedingt den Buchladen Neusser Straße einzigundartig, das Literaturcafé Goldmund und die Buchhandlung Klaus Bittner besuchen. Außerdem lohnen sich die Veranstaltungen des Literaturhauses Köln.

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