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Du sagst es von Connie Palmen – Ein Roman über Sylvia Plath und Ted Hughes

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher noch keines der Werke des Schriftstellerpaares Sylvia Plath und Ted Hughes gelesen habe. Aber zumindest „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath habe ich mir fest vorgenommen.  Warum habe ich also trotz meiner Unkenntnis zu „Du sagst es“ von Connie Palmen gegriffen, obwohl das Buch nur von dem (Ehe-)Leben der beiden Schriftsteller handelt? Mich faszinieren Künstlerpersönlichkeiten! Ich lese gern Biografien oder biografische Romane von Schriftstellern, weil ich begreifen möchte, was sie ausmacht und warum sie so gut schreiben, wie sie es tun. Eigentlich ein naives Unterfangen, aber unglaublich unterhaltsam.

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„Du sagst es“ – Über eine Liebe am Abgrund

Es war eine große Wildheit in der Liebe zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes. Das zeigt schon das Kennenlernen der beiden: Am Abend des 25.2.1956 war die Präsentation einer Poesiezeitschrift, für die beide schrieben. Unter den ganzen blassen englischen Frauen war Sylvia für Ted eine „langbeinige Göttin“ mit Marmorhaut und Perlmut-Lachen. Sylvia trug ein eng tailliertes Kleid in rot und schwarz. Noch in der Nacht beisst Sylvia in die Wange von Ted. Der Biss war blutig.

Keine 4 Monate nachdem sich die beiden Schriftsteller kennengelernt haben, heiraten sie. Die Feier ist klein, fast schon heimlich. Und auch die Ehe von Sylvia und Ted bleibt fürs erste heimlich, da Sylvia fürchtet ihr Stipendium zu verlieren, wenn herauskommt, dass sie einen Mann hat.

1957 reisten Sylvia und Ted nach Amerika, um dort sich ein neues gemeinsames Leben aufzubauen. Beide waren in Massachusetts Dozenten und es erdrückte ihre Kreativität. Sowohl Sylvia als auch Ted unterrichteten nur wegen des Geldes und sie bedauerten, dass durch die Lehrtätigkeit die meiste Zeit vom Tag scheinbar nutzlos verging. Denn eigentlich wollten sie doch etwas ganz Anderes.
Ich habe den ersten Teil des Buchs verschlungen. Für mich war es fast wie ein Rausch – die Liebe zwischen Sylvia und Ted war groß. Die Leidenschaft war groß. Aber es deutete sich schon an, dass dieser Zustand nicht für immer würde anhalten können.

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3 poetische Sätze aus „Du sagst es“ von Connie Palmen

Eine besondere Stärke des Buchs ist die Sprache von Connie Palmen. Ich habe mich in ihre Poesie verliebt:

Ich war nie zuvor jemanden begegnet, bei dem Lieben und Hassen so nah beieinanderlagen, dass es fast keinen Unterschied gab. (aus „Du sagst es“ von Connie Palmen, Seite 9)

Es scheint, als lebten nur Männer mit den Bildern und Geistern von vergangenen Kriegen, von Soldaten, von Führern und Rebellen, von Kollaboration und Widerstand, Mord, Blut und Schlamm, als verharre die weibliche Vorstellung an der Schwelle dieser Geschichten und weigere sich resolut, die Schlachtfelder zu betreten, auf denen Männer – Ehemänner, Väter, Söhne, Brüder – ihr Leben opferten und Millionen von Frauen verwaist und verwitwet zurückließen. (aus „Du sagst es“ von Connie Palmen, Seite 40)

Je mehr ein Schriftsteller der Außenwelt die Gelegenheit gibt, in seine Abgeschlossenheit einzudringen, desto mehr ist sein echtes Selbst der Gefahr ausgesetzt, korrumpiert und schließlich zerstört zu werden. (aus „Du sagst es“ von Connie Palmen, Seite 113)

Die Last der Berühmtheit

Ebenso spannend wie die Liebesbeziehung war das Leben als Schriftsteller für mich. Permanente Geldnot ist eigentlich nicht spannend, aber das Ringen nach kreativen Einfällen schon. Es war schön zu lesen, wie sich Sylvia und Ted gegenseitig unterstützten – sich Mut machten. Sie lasen viele große Namen – Joyce, Dostojewski, Yeats, Blake, Lawrence, Bronte. Gedichte lasen sich Sylvia und Ted gegenseitig vor, es wurde diskutiert und verbessert.

Schwierig war dann der Moment als Ted mit seinen Gedichtbänden Erfolg hatte, aber Sylvia nicht. Sylvia fraß der Drang berühmt zu werden auf – auch davon handelt ein Großteil des Buchs „Du sagst es“ von Connie Palmen. Wenn alle Handlung darauf ausgelegt ist, entdeckt zu werden, Anerkennung zu bekommen und für sein Talent gefeiert zu werden, wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn der Erfolg ausbleibt? Trotz der ganzen Arbeit? Große Zeitungen lehnen Sylvia ab – wollen weder Gedichte abdrucken noch sie rezensieren. Und wenn es dann eine Rezension gibt, dann ist sie katastrophal. Eigentlich ist es ein Wunder, dass es nicht schon viel früher ein böses Ende gab im Leben von Sylvia und Ted.

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Über die Autorin Connie Palmen und ihr Buch „Du sagst es“

Connie Palmen ist eine niederländische Schriftstellerin. Geboren wurde Palmen 1955 in Limburg. 1993 wurde ihr Debütroman „Die Gesetze“ in Deutsch veröffentlicht. Weitere Romane waren beispielsweise 1995 „Die Freundschaft“, 2001 „Die Erbschaft“ oder 2013 „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“. In „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“ verarbeitet Palmen die Beziehung und den Tod des Staatsmanns Hans van Mierlo. 4 Monate vor dem Tod von Hans van Mierlo heirateten Palmen und er. Das ist aber nicht die einzige tragische Geschichte aus dem Leben von Connie Palmen: 1995 starb ihr Verlobter Ischa Meijer durch einen Herzinfarkt. Auch diesen Tod verarbeitete Connie Palmen durch das Schreiben eines Buchs: „I.M. Ischa Meijer – In Margine, In Memoriam“, welches 1999 erschien.

Am Ende von „Du sagst es“ schildert Connie Palmen, welche Bücher besonders wichtig waren für ihren Roman über Sylvia Plath und Ted Hughes. „Du sagst es“ ist aus der Sicht von Ted Hughes verfasst – seine Gedichtbände waren daher von besonderer Bedeutung: „Crow. From the Life and Songs of the Crow“, „Capriccio“ und „Howls and Whispers“. Mehrere Biografien nutzte Palmen, darunter auch „Du wolltest deine Sterne“ von Diane Middlebrook.

Connie Palmen verurteilt weder Ted Hughes noch Sylvia Plath in ihrem Zerren aneinander oder für die Grausamkeiten, die sie einander angetan haben im Verlauf der Beziehung. Nach dem Suizid Sylvia Plaths war Ted Hughes für viele Anhänger von Sylvia Plath der Schuldige, der Sündenbock. Aber auch Sylvia Plath war grausam zu Ted Hughes. Wer könnte schon etwas dafür, wenn zwei Naturgewalten aufeinandertreffen und gemeinsam einen ganzen Landstrich vernichten?

Fazit

„Du sagst es“ von Connie Palmen ist ein leidenschaftlicher Roman über das Schriftstellerpaar Sylvia Plath und Ted Hughes. Das Buch ist eindringlich, erschreckend und inspirierend zu gleich.

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10 Kommentare

  1. Mit dem Begriff „eindringlich“ kann ich meinen Leseeindruck auch beschreiben. Wenn du solche Bücher magst kann ich dir noch „Westlich des Sunset“ über Fitzgerald und „Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers“ empfehlen.
    Die Glasglocke zu lesen ist sicher nicht verkehrt. Einiges wird dir dann bekannt vorkommen…
    „Du wolltest deine Sterne“ wandert auf meine Liste.

  2. Ich liebe Schriftsteller-Biographien. Sie wirken auf mich immer so ungeheuerlich reizvoll und tief. An das Thema Silvia Plath habe ich mich noch gar nicht herangewagt, weil mich ihr Suizid irgendwie verstört hat (also die Art und Weise..) Und ich fürchte dass mich ihre Werke ebenso verstören könnten. Ich bin auch eine sehr emotionale Leserin und schnell depressiv verstimmt. Bin mir also nicht sicher, ob Silvia die passende Lektüre für mich ist.
    Liebe Grüße, Anja

  3. Mir geht es genauso wie dir. Ich habe mir „Du sagst es“ auch gekauft, obwohl ich bisher noch kein einziges Buch der Schriftsteller gelesen habe. Gekauft habe ich es, weil ich von Künstlern und insbesondere Schriftstellern fasziniert bin, weil ich wissen will wie sie leben und arbeiten. Und dabei habe ich die heimlich Hoffnung ein wenig mehr wie sie zu werden – das ist vermutlich auch ziemlich naiv :D. Deine Buchbesprechung klingt toll und ich freue mich schon auf das Buch. „Die Glasglocke“ habe ich mir ebenfalls vorgenommen, zu lesen, und „Du wolltest deine Sterne“ wandert jetzt auch auf meine Leseliste.
    Liebe Grüße,
    Cora 🙂

  4. Liebe Silvia,

    danke für deine Tipps! „Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers“ klingt auch echt wundervoll. Das werde ich mir nochmal genauer ansehen. 😉

    Danke!

  5. Liebe Anja,

    hmm. „Du sagst es“ ist tatsächlich etwas depressiv oder zumindest auf jeder Seite etwas melancholisch. Der Ton von Connie Palmen ist da wunderbar eigen. Aber, wenn dich sowas leicht depressiv macht, dann würde ich dir eher abraten. Nach dem Lesen musste ich auch erstmal inne halten und kurz durchatmen.

    Janine

  6. Ich habe gerade bemerkt: Wahrscheinlich geht mir Silvia Plath auch so nahe, weil es sich um eine Frau handelt. Biographien über Suizide von Männern machen mir nicht viel aus. (Das hört sich jetzt irgendwie böse an… :D) Aber wahrscheinlich kann ich mich mit Silvia einfach zu gut identifizieren. Mir fällt auch gerade auf, dass es viel weniger interessante Schriftstellerinnen gibt, als Schriftsteller. Bist du auch dieser Meinung, oder kommt es mir nur so vor, weil ich hauptsächlich Männer lese? Ich glaube ich werde mich in Zukunft ein bisschen mehr mit den Frauen beschäftigen.
    Liebe Grüße, Anja

  7. Hallo Anja,

    in der Vergangenheit gab es tatsächlich viel mehr männliche Schriftsteller, die berühmt wurden. Mir ist das auch schon aufgefallen. Ich hoffe, dass sich dieses Verhältnis vielleicht einmal umkehrt in naher Zukunft.

    Janine

  8. Hallo Janine,

    eine interessante Rezession, die mich neugierig gemacht hat und die Bücher (auch von den andren), die du empfiehlst, notier habe. Ich bin auf die Lektüren gespannt :-).

    Dir und, den anderen Kommentatorinnen, herzlichen Dank für die Empfehlungen!

    Federgrüße
    Jutta

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