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Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen – Ein Buch von Tim Parks

Vielleicht liest du meinen Blog schon eine Weile. Dann wirst du bemerkt haben, dass ich gerade eine Literaturaktion plane. #buchpassion heißt sie. Zur Vorbereitung und auch ein bisschen zur Einstimmung habe ich einige Bücher über Literatur gelesen. Das neue Buch von Tim Parks „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ war eines davon. Und es passt haargenau – denn bei #buchpassion soll vor allem über Bücher und Literatur gesprochen werden. Mir liegt das Thema Literatur sehr am Herzen! So sehr, dass ich sogar schon mehrere Jahre im Buchhandel gearbeitet habe. Und an dieser Stelle setzt Tim Parks an: Er schreibt über den Literaturbetrieb und Details, die nur ein Insider wissen kann.

„Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ –  Über das Lesen

Das Buch ist eine Sammlung von Essays zu unterschiedlichsten Themenbereichen des Lesens. Parks fängt ganz harmlos an mit Fragen, die jeden Vielleser einmal beschäftigen: Brauchen wir Geschichten? Sollen wir Bücher zu Ende lesen? Oder ist Copyright wichtig?  Dann geht Tim Parks weiter – er beschäftigt sich mit der Literatur im Allgemeinen, mit dem Leben als Schriftsteller und mit dem Übersetzen von Literatur. Die Kreise, die Parks mit seinen Gedanken zieht beginnen also im Kleinen mein Leser und werden immer größer, bis sie globale Dimensionen annehmen.

Die Analysen von Tim Parks sind keinesfalls banal, besonders der Essay mit dem Titel „Brauchen wir Geschichten?“ hat es mir angetan beim Lesen. Ich habe mir noch nie in meinem Leben Gedanken gemacht, ob ich überhaupt Geschichten brauche. Für mich ist das gegeben, ich liebe Geschichten und ich bin mir ziemlich sicher, dass ohne sie mein Leben ein ganzes Stück ärmer wäre. Parks behauptet dagegen, dass er sie nicht braucht. Aber seine Denkrichtung ist eine andere als die meine. Tim Parks ist mit dem Buddhismus und der Meditation sehr vertraut. Das Ich ist nach dieser Philosophie eine Illusion und Geschichten basieren nun mal auf dem Ich, auf dem Individuum, dass besonders ist. Nach dem Buddhismus lebt der Mensch ohne die Vorstellung vom Ich viel ruhiger und glücklicher. Ja, sogar die ganze Philosophie ist darauf ausgerichtet diese Vorstellung vom Ich zu zerstören. Für mich ist das etwas befremdlich, aber sehr spannend. Darüber hinaus weist Parks darauf hin, dass wir als Leser eigentlich mehr auf die Metaebene einer Geschichte achten sollten. Was sagt sie uns? Wer ist am Ende der Gewinner und wer der Verlierer?

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen Tim Parks 2

Literaturpreise – Hop oder top?

Es gibt Themen im Literaturbetrieb, die lassen Parks nicht los. Immer wieder kommen sie zum Vorschein, auch wenn der Essay eigentlich von etwas anderem handelt. Literaturpreise gehören zu diesen Themen. Für mich war das spannend, weil es gerade hochaktuell ist. Einer der wichtigsten deutschen Literaturpreise geht gerade in die heiße Phase – Der Deutsche Buchpreis. Dieses Marketingfeuerwerk wird noch bis Oktober anhalten, wenn der Preis dann auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wird. Und im Oktober wird traditionell der diesjährige Preisträger des Literaturnobelpreises bekannt gegeben.

Tim Parks zweifelt die Aussagekraft von Literaturpreisen mehr als an. Es schwingt schließlich immer mit, dass der Roman der beste Roman der Welt oder eines Landes ist. Das kann aber kein Preis leisten. Wenn ich mir Parks Argumentation zum Nobelpreis für Literatur genauer ansehe, dann muss ich ihm auch recht geben. Die Jury besteht aus 18 Personen, die auf Lebenszeit in dieser Jury sitzen – allesamt sind die Mitglieder Schweden und diese sollen einen Literaten für sein Lebenswerk auszeichnen. Das würde bedeuten, dass die Jury weltweit schon mal alle wichtigen Neuerscheinungen des Jahres liest, wovon die wenigsten wahrscheinlich ins Schwedische übersetzt wurden. Und anschließend müsste von der engeren Auswahl an Autoren noch das Gesamtwerk gelesen werden. Diese 18 Schweden machen ihren Juryjob übrigens noch nebenbei – ihr Geld verdienen sich eigentlich mit etwas anderem. Wer kann bitte neben dem Vollzeitjob noch ernsthaft mehrere hundert Bücher im Jahr lesen?

Das Resultat ist also, dass wohl kaum ein bester Autor gewählt werden kann. Stattdessen werden mit dem Literaturnobelpreis des Öfteren lieber politische Statements in die Welt hinausgeschickt. Also wo ist einer der krassesten Krisenherde auf der Welt und gibt es dort vielleicht noch einen renommierten Schriftsteller, der sich gegen das Regime stellt? Jackpot gefunden.

Meine drei liebsten Essays aus „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“

  1. Was stimmt nicht mit dem Nobelpreis?
  2. Brauchen wir Geschichten?
  3. Mehr Geld – bessere Texte?

Der Literaturexperte Tim Parks

Tim Parks wurde in Manchester geboren, studierte in Cambridge und Harvard. Seit den achtziger Jahren lebt Parks in Italien und lehrt in Mailand Literaturübersetzung an der Universität. Aber nicht nur das – eigentlich lebt Parks mehrere Leben. Innerhalb verschiedener Länder ist er für verschiedene literarische Tätigkeiten bekannt. In den U.S.A. ist er beispielsweise ein Kritiker, der seinesgleichen sucht. In Deutschland ist Parks Experte für Europa und Literatur. Hingegen ist Tim Parks in Großbritannien, seinem Geburtsland, Mr. Italy und eher ein „spaßiger“ Autor.

Je nach Kulturkreis divergiert die Rolle von Parks im Literaturbetrieb. Das übt auf mich einen großen Reiz aus. Es ist doch interessant, dass ein und dieselbe Person in unterschiedlichen Ländern sich in verschiedenen Bereichen einen Expertenstatus erarbeiten kann und trotzdem nicht schizophren ist. Diese Vielfältigkeit spiegelt sich auch in „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ wider und gerade das habe ich sehr beim Lesen genossen, auch wenn ich nicht immer der gleichen Meinung wie Tim Parks bin.

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen Tim Parks 1

Fazit

„Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ von Tim Parks ist eine tolle Essaysammlung über Bücher und Literatur.

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Literaturen
SL Leselust
Querleserin

Übrigens verlost der Antje Kunstmann Verlag  ein Exemplar dieses Buchs anlässlich zur Literaturaktion #buchpassion kommendes Wochenende vom 9. bis 11. September. Wenn dich „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ interessiert, solltest du also unbedingt nochmal vorbeischauen!

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2 Kommentare

  1. Dieses Buch steht momentan ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Und nach deiner Rezension würde ich es noch weiter hochschieben, wenn ich könnte. Klingt sehr spannend und interessant und ich werde auf jeden Fall beim Gewinnspiel mein Glück versuchen.
    Danke für diesen Einblick.
    LG Lexa

  2. Mich hat das Bild total verwirrt, ich habe ernsthaft einen Moment drüber nachgedacht, welche Bücher du aufeinander gestapelt hast, dass sie so schön den Buchtitel ergeben xD

    Auf jeden Fall klingt das Buch sehr interessant und wandert ganz sicher auf meine Wunschliste!

    Liebe Grüße,
    Lena

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