Kapri-zioes

The Cuckoos Calling von Robert Galbraith [Rezension]

Liebe J.K.Rowling schreibe mehr Krimis! Der Name des Pseudonyms ist mir herzlich egal. Danke!

Ich weiß schon gar nicht mehr, wann es war. An irgendeinem Sonntag im Juli war ich schon zeitig wach und konnte nicht mehr schlafen. Was macht man da? In Twitter nach Neuigkeiten stöbern. Dieses Mal gab es auch wirklich etwas Neues. J.K. Rowling hat unter Pseudonym (Robert Galbraith) einen Krimi veröffentlicht. Und genau das wurde gerade enttarnt. Gut, man kann sich jetzt streiten, ob das Geheimnis wirklich ausversehen und unabsichtlich aufflog oder ob man dahinter Marketing vom Feinsten sehen sollte. Persönlich glaube ich wohl eher an Raffinesse aus dem Marketingkosmos. Im Ernst – Frau Rowling beherrscht Marketing und das Spiel mit dem Publikum/der Leserschaft bis zur Perfektion. Nichts anderes als die hohe, vielleicht höchste, Liga des Buchmarketing ist doch ihre Internetseite Pottermore. Gelernt ist nun einmal gelernt, warum sollte man das nicht auch bei anderen Büchern machen?

Genug nun. Marketing hin oder her. Es gibt ein neues Buch und ich wollte es am liebsten gestern. Das ist so, wenn man mit Harry Potter aufwächst und durch ihn das Medium Buch lieben gelernt hat. Am nächsten Tag habe ich das Buch natürlich gleich bestellt, leider war es schon nicht mehr wirklich sofort lieferbar und ich musste erst einmal eine Woche Geduld üben. Irgendwann hielt ich The Cuckoos Calling dann doch in meinen Händen.

Der Inhalt von The Cuckoos Calling

Vor wenigen Stunden wurde das Model Lula Landry tot aufgefunden. Ein Sprung aus dem Balkon. Selbstmord ohne Abschiedsbrief. Lula Landry wurde in den Tod getrieben von der Presse, von Allen, die sich um Nachrichten und Skandale von Lula gerissen haben, die gierig waren nach Lula´s vermeintlichen Ausrutschern. Ihr Bruder Charlie Bristow kann dies natürlich nicht glauben und so befinden wir uns wieder im Büro des Privatdetektives Cormoran Strike. Strike ist ein Kriegsveteran und hätte eigentlich trotz amputierten Beines bei der Armee bleiben können, so verdient hatte er sich gemacht. Dennoch ist er nun Detektiv mit eigenem kleinen Büro. Cormoran wohnt in diesem Büro. Er hat keine Frau mehr und auch nicht wirklich Kontakt zu seiner Familie. Zusammen mit seiner Sekretärin Robin nimmt Strike den Fall an und macht sich an die Ermittlungen zum Todesfall Lula Landry.

Meine Meinung über das Buch

Ich mochte schon „Ein plötzlicher Todesfall“ von J.K. Rowling. Im vergangenen Herbst stritten sich wirklich die Geister um die Qualität von Rowlings erstem Roman für Erwachsene. Zu voluminös, zu viel gewollt, von allem zu viel. Wer das bei The Cuckoos Calling behauptet, dem ist nicht zu helfen. Hier ist ihr ein wirklich großartiger Krimi gelungen. Ich hoffe sehr, dass sie nun vermehrt zum Stift greifen wird und sich spannende Fälle für Cormoran Strike ausdenken wird. Inständig hoffe ich dies.

Cormoran Strike ist ein toller Charakter. Schrullig und kauzig mit Ecken und Kanten. Er hat einen Hang zum Eigenbrödlerischen. Außer Frage steht, dass Strike sein Päckchen zu tragen hat. Im Prinzip ist er die Idealbesetzung für einen Privatdetektiv. Ein wenig erinnert er mich auch an Wilsberg aus dem gleichnamigen deutschen Krimi, der in Münster spielt. (Falls den Jemand kennen sollte.) Robin ist die perfekte Ergänzung für Cormoran. Sie ist jung, schön und dabei noch überaus klug und umtriebig. Dazu noch strahlt sie einen Optimismus aus, den Cormoran Strike schon längst nicht mehr an den Tag legt.

Unhappy is he whose fame makes his fortunes famous. – Lucius Accius

The Cuckoos Calling ist wunderbar flüssig geschrieben, liest sich sensationell schnell weg und ist überaus spannend. J.K. Rowling erzeugt mit ihrem Schreibstil einen regelrechten Sog, aus dem man bis zum Ende des Buchs nicht entlassen wird.

Das Ende von The Cuckoos Calling war überraschend, aber sehr realistisch. Gerade dieser Spagat zwischen Glaubhaftigkeit und Überraschung gelingt in der Auflösung eines Krimis nicht immer. In diesem Buch werden häufig kleine versteckte Details eingestreut, die man zwar bemerkt als Leser, worin man jedoch beim besten Willen nicht unbedingt die Bedeutung für den Fall ausmachen kann. Cormoran Strike knüpft diese Informationen geschickt aneinander. Er sieht mehr als ein gewöhnlicher Mensch, ohne dabei abgehoben und unauthentisch zu werden.

For in every ill-turn of fortune the most unhappy sort of unfortunate man ist the one who has been happy. – Boethius

Ich denke, in The Cuckoos Calling verarbeitet J.K. Rowling auch selbst ein wenig ihre Berühmtheit. Lula Landry war ein Star, ein Promi und hatte mit diesem Status zu kämpfen. Sie war depressiv. Es ist sicher kein leichtes Leben, wenn alle sich auf das noch so kleinste Detail aus der Privatsphäre stürzen. Wenn man auf Schritt und Tritt beobachtet wird und man die eigenen Handlungen immer klug kalkulieren muss. Wahrscheinlich kann das einen in den Wahnsinn treiben. Das winzigste Geheimnis könnten Freunde oder Bekannte zu Geld machen, wem kann man da noch trauen? J.K. Rowling wird es wohl in dieser Hinsicht ähnlich ergehen. Ich beneide sie nicht.

Fazit

The Cuckoos Calling ist ein sehr gelungener, spannender und gut geschriebener Krimi, den man gelesen haben sollte.