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5 Bücher, die mich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 brennend interessieren

Seit gestern stehen die 20 nominierten Bücher der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2016 fest, ich habe mich in der Zwischenzeit genauer mit den 20 Kandidaten befasst und möchte dir nun eine Auswahl von 5 vielversprechenden Titeln zeigen. Aber zuvor noch ein paar Worte zum Deutschen Buchpreis:

Der Deutsche Buchpreis 2016

Es geht hier nicht darum, den BESTEN deutschen Roman zu wählen und auch der Geschmack der Massen ist wenig entscheidend. Kein Literaturpreis der wählt, kann es leisten einen besten Roman zu wählen, auch wenn manche das gern vorgaukeln wollen (Siehe Nobelpreis). Die Wahrheit ist doch, dass da eine Jury sich durch hunderte von Büchern kämpft und sich dann irgendwie einig werden muss. Kannst du mir konkrete Kriterien nennen, wie man einen solchen Roman der Romane auswählt? Das ist doch Blödsinn. Geschichten und Worte sind so verschieden wie die Menschen es sind. Was der Deutsche Buchpreis 2016 jedoch verspricht, sind interessante Romane mit denen man mal aus dem Schneckenhaus hinauskommt. So ein Literaturpreis soll auch Aufmerksamkeit auf unbekanntere Bücher lenken, sie unterstützen und mit zusätzlichen Verkäufen Autoren und Verlegern helfen. Und diese zwei Aspekte sind doch eine gute Rechtfertigung für die Existenz des Deutschen Buchpreises – da braucht es meiner Meinung nach nicht mehr.

Die Bekanntgabe der Longlist ist eigentlich jedes Jahr eine Überraschung, die Mehrzahl der Bücher kommt immer irgendwie unerwartet und natürlich fehlen auch immer ein paar Autoren. Aber das ist nur logisch bei 98 Verlagen, die insgesamt 156 Romanen in diesem Jahr. Schaut man sich die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2016 genauer an, dann steht schnell fest, dass der Sieger der S. Fischer Verlag mit ganzen 5 Nominierungen ist. Unter den Nominierten sind 6 Autorinnen, das erscheint vielleicht den krassen Emanzipationskämpfern zu wenig, aber in den 5 Jahren von 2010 bis 2015 bekamen 3 Frauen den Deutschen Buchpreis verliehen – Diskriminierung darf man also nicht unterstellen. Aber nun zu den Büchern, die für mich am interessantesten von der Longlist dieses Jahr sind. Alle nominierten Bücher werden übrigens auf der Webseite des Deutschen Buchpreises aufgeführt.

Die vielversprechendsten Bücher des Deutschen Buchpreises 2016

1. „Die Verteidigung des Paradieses“ von Thomas von Steinaecker (S. Fischer Verlag)

Eine Dystopie ist beim Buchpreis irgendwie immer dabei und immer ist sie mir gleich sympathisch. Heinz lebt in einer verseuchten Welt mit Mutanten und Drohnen. Der Protagonist hat ein edles Anliegen – er möchte die untergegangene Zivilisation bewahren, schreibt Geschichten auf und verwahrt schöne Wörter. Damit hat Heinz schon mal eine Gemeinsamkeit mit mir Bloggerin.

Die Verteidigung des Paradieses

2. „Weshalb die Herren Seesterne tragen“ von Anna Weidenholzer (Matthes & Seitz)

„Weshalb die Herren Seesterne tragen“ ist nicht das Debüt von Anna Weidenholzer, nichtsdestotrotz kenne ich sie nicht und keines ihrer Bücher ist mir zuvor aufgefallen. Aber das ist für mich das Schöne am Deutschen Buchpreis – die Entdeckung neuer Autoren. Der pensionierte Lehrer Karl möchte herausfinden, was das Glück ist. Und deshalb verändert Karl den Fragebogen, mit dem im Königreich Bhutan das Bruttosozialglück ermittelt wird. Er macht sich auf in einen kleinen Skiort und befragt dort die Menschen zu ihrer Zufriedenheit im Leben.

3. „Weit über das Land“ von Peter Stamm (S. Fischer Verlag)

Peter Stamm ist einer meiner liebsten Autoren seit ich seinen Roman „Agnes“ gelesen habe. Mich fasziniert die Mischung aus Nüchternheit und Liebe beziehungsweise Mitgefühl, die Stamm in jeden seiner Romane einbringt. In „Weit über das Land“ steht Thomas einfach von seinem Stuhl auf und geht. Thomas verlässt sein altes Leben, verlässt sein Haus, verlässt seine Frau und er verlässt seine Kinder. Stamm spielt hier mit dem Leser – denn sind wir uns ehrlich, auch du und ich haben schon einmal daran gedacht, unser Leben einfach hinter uns zu lassen und irgendwo neu zu beginnen.

Weit über das Land

4. „Am Rand“ von Hans Platzgumer (Paul Zsolnay Verlag)

Noch so ein mir vorher unbekannter Autor, aber mich hat sofort die Geschichte interessiert. Gerold Ebner möchte sich umbringen; er ist kurz davor. An einem Morgen steigt er auf einen Berg und am Abend wird er den letzten Schritt tun. Zumindest hat er sich das vorgenommen. Den Tod hat Gerold Ebner schon mehrfach in seinem Leben kennengelernt – als Kind hat er schon den ersten Toten gesehen und später bringt er sogar selbst 2 Menschen um. Ich bin gespannt, ob Gerold den letzten Schritt machen wird.

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5. „Drehtür“ von Katja Lange-Müller (Kiepenheuer & Witsch)

Bisher habe ich noch kein Buch von Katja Lange-Müller gelesen, obwohl ich schon öfter in Versuchung war. Jetzt habe ich mir vorgenommen, „Drehtür“ zu lesen. Es ist ein Roman über das Helfen und was davon eigentlich übrigbleibt. Asta hat sich dem Helfen verschrieben und über 20 Jahre war sie bei internationalen Hilfsorganisationen tätig. Jetzt darf sie nicht mehr helfen, aus dem letzten Krankhaus wurde sie rausgemobbt und nun steht Asta am Flughafen in München. Und nun?

Drehtür

Kommentierfrage: Interessiert dich ein Buch von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 besonders? Was hälst du von meiner Buchauswahl?

7 Kommentare

  1. Dieser Kommentar stammt nicht von mir sondern, von Devona, die unter http://www.buchimpressionen.de bloggt.

    Liebe Janine,

    wie gestern versprochen, wollte ich Dir die Twitter-Frage zu Buch 3 beantworten: ich sagte, ich hätte das Buch gelesen und der Autor und ich würden nicht zusammen passen. Du wolltest wissen, was mir denn an Peter Stamm nicht gefällt, da du in letzter Zeit häufiger so etwas gehört hast. Die 160 Zeichen bei Twitter sind etwas wenig, um die Frage zu beantworten, deswegen mache ich das jetzt hier. 😉 Ich versuche mal, nicht allzu dolle zu spoilern, weil Du das ja noch lesen willst.

    Zunächst: das, was ich schreibe ist meine ganz persönliche, subjektive und keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebende Meinung zu diesem Buch, welches ich völlig anders wahrgenommen habe, als im Feuilleton angepriesen – letztendlich ist es ja nun auf der Longlist zum Buchpreis gelandet. Ich gebe es ganz ehrlich zu: ich hatte schon so ein wenig dieses „des-Kaisers-neue-Kleider“-Gefühl. Also eher mehr als ein wenig…

    Der Anfang des Buches geht für mich völlig in Ordnung, die Intention ist klar…hat nicht Jeder mal das Gefühl, festgetrampelte Pfade des Lebens zu verlassen, den Sinn des Lebens zu suchen, sich selber zu finden blabla…das ist weder neu, noch originell, aber verständlich und durchaus eine Basis, aus der man richtig was machen kann. Thomas steht vom Tisch auf, nachdem die Familie zurück gekehrt ist aus dem Urlaub, er geht weg und kommt nicht wieder.

    Tja und dann kommt…nix. Zumindest für mich. In deinem obigen Begleittext steht, der Autor SPIELT mit dem Leser. Mag sein. Mir haben sich die Regeln dieses Spiels nicht erschlossen, der Autor hat es schlichtweg nicht geschafft, sie mir begreiflich zu machen und ich erlaube mir da auch ganz dreist zu sagen: lag echt nicht an mir. Es fühlte sich so an, als ob mir wer ein Springseil in die Hand drückt und sagt: „Soooo und nun wirfst Du den Ball zehnmal an die Wand!“ Öhm, ja. Kann ich nix mit anfangen.

    Die Sprache und der Stil sind weder schön, noch aufregend, weder anrührend, noch bemerkenswert, für mich ist das kein Roman, sondern eher ein Bericht. Ein Bericht, wie Thomas uninspiriert durch den Wald latscht, mannigfaltige Entdeckungen macht, dem Leser aber verborgen bleibt, ob und was das in ihm auslöst. Man trottet halt so nebenher als Leser und nach dem zehnten Beobachten des Wachsens eines Grashalms/Käfers ist man einfach nur unendlich müde. Oder man wünscht sich, Hape Kerkeling würde hinter einem Baum vorspringen und laut „HURZ!“ schreien, dann wäre die Geschichte wenigstens lustig.

    Als Thomas dann genug durch den Wald gezogen ist, werden die restlichen Jahre zeitrafferartig zusammengefasst, man denkt sich dabei: „Soso, aha, na dann…“ es interessiert nicht wirklich, weil dieser blasse, nichtssagende Protagonist (ebenso wie auf der anderen Seite Astrid, seine Frau) einen nicht wirklich interessiert. Es gibt Bücher, die machen traurig, die verstören, sind lustig, lehrreich, machen glücklich, nachdenklich, die fordern, was weiß ich, die Palette, mit der ein Autor nett oder böse mit dem Leser spielen kann, ist doch riesig. Ich hatte in diesem Jahr auch schon ein Buch, was mich wahnsinnig WÜTEND gemacht hat. Bücher lösen im Idealfall etwas aus beim Leser, bieten Reibefläche. Man kann sich gut in Protagonisten hinein versetzen oder sie absolut nicht verstehen, doof finden, was auch immer. Nix von Alledem hier. Ich konnte diese Protagonisten weder greifen, verstehen, ich WOLLTE das nicht mal.

    Ich mag nicht über den Sinn des Lebens oder die Sinnsuche derartig unfertig wirkender, hölzern ausgearbeiteter literarischer Figuren nachdenken oder das gar in Bezug zum eigenen Dasein setzen, dazu bietet das eigentliche Leben zu viele bereichernde Möglichkeiten, die man tagtäglich dazu nutzen kann. Mich hat dieses Buch nirgendwo berührt, nirgendwo zum Denken veranlasst, es war zu gut Deutsch: völlig egal. DAS war mir in dieser Form allerdings auch neu, habe ich bei noch keinem Buch erlebt. Und an meiner Meinung wird sich auch nichts ändern, sollte dieses Buch den Buchpreis erhalten.

    Man KANN sich sicher die Mühe machen, da Gott-weiß-was hinein zu denken, zu interpretieren, zu mutmaßen, hyperintellektuell zu spekulieren, Metaebenen dazu philosophieren. Bitte gerne doch. Dazu ist mir bei dem riesenhaften Angebot an Literatur meine Zeit zu schade. Ich bin kein Preisverleiher, kein Feuilletonist, sondern schlichtweg Leser. Und an dem geht der Buchpreis -sollte man dem Buchhandel Glauben schenken und ich neige dazu, das zu tun- ohnehin mit schöner Regelmäßigkeit vorbei. Ganz ehrlich: den letztjährigen Gewinner hätte ich Niemandem zu Weihnachten schenken wollen.

    Ich bin gespannt, wie Du dieses Buch finden wirst. Geschmäcker sind verschieden und ich würde mir nie anmaßen, zu sagen: dieses oder jenes Buch ist schlecht. Irgendwer hat Zeit, Arbeit, Herzblut investiert. Es gibt eben Leser und Autoren, die nicht zusammen passen und bei mir befindet sich Peter Stamm da in bester Gesellschaft einiger zeitgenössischer Autoren, die sehr, sehr erfolgreich sind. Für mich ist das okay.

    Ich hoffe, ich konnte verständlich machen, was ich meine. Liebe Grüße aus Berlin an Kaßberg, den Nischel ;-), Sonnenberg und wie die Ecken meiner Chemnitzer Heimal alle heißen…

    Devona

  2. Liebe Devona,

    am Wochenende wollte ich in den Buchladen gehen und mir ein Exemplar von „Weit über das Land“ kaufen. Ich werde das immer noch tun, keine Angst. 😉 Ich beschäftige mich schon eine Weile mit Büchern, erst habe ich sie im Buchladen verkauft und dann begann ich mit dem Buchbloggen. Bisher hat mich der Deutsche Buchpreis nur so am Rand tangiert. Ich habe vielleicht mal das ein oder andere Buch von der Longlist gelesen, aber eher unabsichtlich. Und natürlich habe ich mir auch jedes Jahr die Liste angeschaut. Und dann kam nichts. Noch nie habe ich ein Buch gelesen, weil es nominiert wurde. Die Bücher auf der Longlist kannte ich meist ohnehin nicht oder habe nur mal irgendwo das Cover gesehen.

    Insofern wage ich dieses Jahr ein kleines Experiment und ich schaue mal wie weit ich komme mit diesen „Feuilleton- Büchern“. Dafür habe ich mir die 5 ausgesucht, die mich irgendwie anziehen. Wegen der Geschichte zumeist, oder im Fall von Peter Stamm, weil ich schon „Agnes“ gelesen habe und mir das Buch tatsächlich sehr gefallen hat. Ich danke dir für deinen Kommentar und bin jetzt noch umso mehr gespannt, wie die Bücher (besonders „Weit über das Land“) auf mich wirken. Hast du neben diesem Buch von Stamm noch ein anderes gelesen?

    Liebe Grüße,
    Janine

  3. Nein, das war mein erstes von ihm, ich glaub einfach wirklich, da fehlt die Wellenlänge. Vielleicht findest Du es ja ganz toll, vielleicht bereichert es dich ja.

    Mich hat der Buchpreis bisher auch eher nur am Rand tangiert, dass man halt darüber informiert ist oder so. Man kann schlecht über Bücher bloggen und das komplett außen vor lassen, denke ich. Buch 4 und 5 von Deiner Liste hatte ich schon vor der Nominierung auf meiner Wunschliste im Kopf stehen. Ich habe gestern auch von Netgalley die Leseproben für alle Bücher auf der Liste erhalten und werde das auch mal locker-entspannt durch schmökern.

    Mag auch sein, dass Stamm eher was für jüngere Leser ist, besonders bei diesem Thema. Ich glaub, ich war früher mit solchen Büchern auch „nachsichtiger“.

    LG, Devona

  4. Liebe Janine,

    eine sehr gute Auswahl, finde ich. „Am Rand“ und „Drehtür“ klingen sehr spannend und kommen auf meinen SuB, der immer höher wird :). Ein weiterer Roman, den ich von der Long List lesen werde, ist „Fremde Seele, dunkler Wald“.

    Ich lasse mich bei meiner Buchauswahl nur sehr selten von Long Lists o.ä. beeinflussen, aber dieses Mal sind wirklich einige vielversprechende Romane dabei. Ich bin gespannt, wer das Rennen machen wird.

    Viele Grüße

    Rosa

  5. Liebe Rosa,

    ich habe gestern Nacht „Die Verteidigung des Paradieses“ begonnen und bin bisher wirklich begeistert. Das Buch fesselt mich sehr. Mal sehen, wie die anderen Bücher so sind.

    Viele Grüße,
    Janine

  6. Ich bin auch auf fünf Titel gekommen, die mich interessieren. Genau wie du, habe ich „Die Verteidigung des Paradieses“ und „Am Rand“ auf meiner Leseliste stehen. Mal sehen, ob mich die Bücher überzeugen können. Ich wünsche dir schon mal viel Spaß beim Lesen!

  7. Liebe Auroria,

    ich kann mittlerweile „Die Verteidigung des Paradieses“ nur empfehlen! Ich habe gestern in etwa 1,5 Stunden gut 60 Seiten weggelesen, weil es so spannend war! Mittlerweile habe ich etwa die Hälfte des Buchs gelesen und es lässt mich irgendwie nicht mehr los.

    Viele Grüße,
    Janine

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