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Perfect von Rachel Joyce [Rezension]

Perfect Rachel Joyce

Zuerst sah ich es im Buchladen stehen, bei eben jenem Stadtbummel, als ich Deathless kaufte. Ich hatte Perfect auch in die Hand genommen und durchgeblättert. Die Buchgestaltung gefiel mir schon sehr gut. Umso aufgeregter war ich natürlich, als ich von der Leserunde auf Lovelybooks hörte. Und als meine Bewerbung dann auch noch Erfolg hatte, freute ich mich riesig.

Wenige Tage später erhielt ich die Büchersendung und riss sie gleich auf. Es war im Prinzip die gleiche Gestaltung, wie ich schon im Buchladen gesehen hatte. Softcover, größeres Format als das gewöhnliche Paperback, dickes Papier und die hübschen Illustrationen. Mittlerweile weiß ich, dass es Perfect auch in einer Hardcover-Variante gibt, aber die Softcover-Ausgabe gefällt mir komischerweise dennoch besser.

Der Inhalt

Die Geschichte beginnt mit Byron einem eher ungewöhnlichen Jungen. Er macht sich viele Gedanken über die Welt. Diese Gedanken sind häufig merkwürdig für normale Menschen. Als dann auch noch 2 Sekunden zu der Zeit hinzugefügt werden sollen, um die Erdrotation auszugleichen, ist Byron ziemlich aus dem Häuschen. Er fragt sich, ob man der Zeit einfach 2 Sekunden hinzufügen kann, ohne dass ein großer Schaden entsteht. Was passiert dann mit beziehungsweise in den 2 zusätzlichen Sekunden? Zählen sie wirklich zu der Zeit? Oder entsteht sozusagen ein Vakuum, in dem Dinge geschehen, aber eigentlich auch nicht geschehen, weil sie außerhalb der 2 Sekunden nicht existieren? Ziemlich kompliziert.

Byron, seine Schwester und die Mutter der beiden befinden sich auf dem Weg zur Schule. Sie sind spät dran. Deshalb nimmt seine Mutter eine andere Straße als üblich, eine Straße, welche ihr von ihrem Mann verboten wurde. Genau da passiert es, Byrons Uhr bleibt stehen. Zur gleichen Zeit taucht ein Mädchen auf einem roten Fahrrad aus dem Nichts auf und wird von Byrons Mutter angefahren.

Perfect

Meine Meinung

Ich hatte große Erwartungen. Wohl viel zu große. Viele meiner Arbeitskollegen schwärmten von Frau Joyces Erstling (Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry). Meine Kollegen schwärmten in höchsten Tönen. Bislang hatte ich es aber noch nicht geschafft das Buch, die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry, auch zu lesen. Aber irgendwie projeziert man dann doch die Erwartung auf die nachfolgenden Bücher. Das ist nicht gerade klug, ich weiß. Aber was soll man machen?

Perfect war für mich ein furchtbares Buch. Es hat mich so gelangweilt. Eigentlich wollte ich nie weiterlesen. Ich habe mich gezwungen wegen der Leserunde. In den ersten beiden Teilen kommt Frau Joyce einfach nicht aus dem Knick. Dialoge und Beschreibungen werden in die Länge gezogen, die tatsächliche Handlung kommt zu kurz. Und dann passiert sämtliche Handlung im 3. Teil. Schlag auf Schlag und wahnsinnig rasant geschieht alles auf den letzten 60 Seiten. Hä? Okay, qualitativ war der letzte Teil am besten. Es war nicht mehr so langatmig. Trotzdem fand ich ihn merkwürdig.

Who is to say time is real just because we have clocks for measuring it? Who knows if everything is going forward at the same rate? Maybe everything is going backwards or sideways. – S. 260

Am Ende hatte ich einen ziemlich unbalancierten Eindruck von Perfect. Schade. Perfect vermittelt doch eigentlich eine wundervolle Botschaft. In 2 Sekunden kann wahnsinnig viel passieren. 2 Sekunden sind wertvoll, so wie eigentlich alle Zeit, die man zum Leben hat. Und man muss auch vorsichtig sein, denn 2 Sekunden können alles entscheiden, zum Guten als auch zum Bösen.
Man kann Perfect nicht vorwerfen, dass die Autorin sich zu wenig Zeit für ihre Charaktere nimmt. Sie sind alle sehr genau und fein gezeichnet. Gerade Byron und seine Mutter, Diana, habe ich als sehr sympathisch empfunden. Das ist doch fantastisch, wenn ein Leser sich den Figuren im Buch irgendwie Nahe fühlt.

The worst is not to come. It is already here. It has been with him for forty years. – S. 352

Dennoch, ich kann Perfect nicht weiterempfehlen. Erst passiert ewig nichts im Buch und dann geschieht alle Handlung zum Schluss aufeinmal.

Fazit

Perfect ist ein gut gemeint, aber nicht gelungen.

2

 

 

 

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