Kapri-zioes

7 Dinge, die an „Weiter als der Himmel“ von Pippa Goldschmidt auffallen

1. Die Geschichte.

Jeanette hat erst kürzlich promoviert in Astronomie und versucht im wissenschaftlichen Betrieb Fuß zu fassen. Mit einer befreundeten Wissenschaftlerin macht sie eine spektakuläre Entdeckung, die so ziemlich alles infrage stellt, woran die Astrophysik in den letzten 70 Jahren geglaubt hatte. Aber was soll Jeanette tun? Veröffentlichen und möglicherweise eine gewaltige Lawine lostreten, die entweder ihre Karriere vernichtet oder aber beflügelt? Zusätzlich zu diesem Problem meldet sich ab und zu noch die Jeanettes Vergangenheit. Ihre Schwester Kate ist ertrunken und keiner weiß warum.

2.

„Und vielleicht zum ersten Mal wird ihr klar, daß die meisten Menschen diese Struktur gar nicht in ihrem Leben haben. Dieses kosmische Gerüst, an dem sie sich festhalten können. Vielleicht brauchen sie deshalb eine Religion.“ – aus „Weiter als der Himmel“ von Pippa Goldtschmidt, S. 163

3. Die Autorin.

Pippa Goldschmidt  ist, genauso wie die Hauptfigur, promovierte Astrophysikern. Sie arbeitete lange Zeit am Imperial College und auch in der Weltraumbehörde. Außerdem ist Pippa Goldschmidt Absolventin des Masters-Kurs an der University of Glasgow in Creative Writing. Als Schriftstellerin wurde sie bereits mit Preisen ausgezeichnet.

4. Die Bedeutung dahinter.

Frauen in der Wissenschaft haben es wahrlich nicht einfach. Diese Botschaft bringt Pippa Goldschmidt sehr präzise dem Leser näher. Besonders in männerdominierten Wissenschaften, wie beispielsweise der Astronomie, sind Frauen eher Exoten und werden belächelt. Um so schwerer machen es noch die allgemeinen Zustände im Hochschulbetrieb: Bevor es irgendwo eine Festanstellung gibt, müssen Tausende befristete Jobs absolviert werden. Dabei muss der junge Wissenschaftler publizieren, was das Zeug hält. Nur so wird man schließlich vielleicht einmal wahrgenommen. Sinnlose Kongresse müssen besucht werden und dort wird dann bestenfalls ein nicht ganz unrelevanter Beitrag präsentiert. Wirkliche Querdenker und Forscher, die die etablierte Meinung infrage stellen, werden nicht gesucht. Entscheidend ist minimale Abweichung, sodass es gerade noch interessant bleibt. Amen.

5. Jeanette.

Pippa Goldschmidt hat mit Jeanette in „Weiter als der Himmel“ eine wundervolle Hauptfigur gezeichnet. Sehr fein beschreibt die Autorin, ohne zu langweilen. Sie ist sehr genau an der Realität. Jeanette ist manchmal etwas zögerlich, weil sie, wie jeder andere Mensch, die wirklich Konsequenzen ihrer Entscheidungen nicht ganz absehen kann. Soll sie ihre Entdeckung veröffentlichen oder nicht? Aber wenn sie sich dann entschieden hat, dann bleibt sie auch dran und weicht nicht ab. Sie möchte eine gute Wissenschaftlerin sein und das heißt Objektivität. Sie verteidigt sich und ihre Arbeit. Nebenbei muss sie noch gegen ihre Vergangenheit ankämpfen oder zumindest herausfinden, wo wirklich ihre Wurzeln liegen. Dr Tod ihrer Schwester hat die gesamte Familie in ein schwarzes Loch gezogen. Jeanette ist im gesamten Buch auf der Suche nach der Wahrheit und auf der Suche nach sich selbst.

6.

„Weil der Tod außerhalb der Zeit ist, und man braucht die Zeit, um seine Erinnerungen zu ordnen. Man braucht Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Einen Anfang, eine Mitte, ein Ende. Aber Tod ist dafür zu konstant. Zu unveränderlich.“ – aus „Weiter als der Himmel“ von Pippa Goldtschmidt, S. 277

7. Der Verlag.

„Weiter als der Himmel“ wurde im Weidle Verlag veröffentlicht und von Zoe Beck übersetzt. Das macht dieses Buch zu einem Trüffel. In den großen Buchhandelsketten wird man das Buch wahrscheinlich nicht finden, was in meinen Augen sehr schade ist. Die Qualität des Buchs ist so viel besser als das von irgendwelchen Mainstreamkopien. In „Weiter als der Himmel“ steckt wahnsinnig viel Inhalt. Dicht ist eine sehr treffende Beschreibung.

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