Kapri-zioes

Deathless von Catherynne M. Valente [Rezension]

Sven und ich störberten an einem Wochenende, während ich noch an meiner Abschlussarbeit schrieb, in einem Buchladen in der Innenstadt von Leipzig. Eigentlich waren wir beim Bummeln, so zur Ablenkung für die Strapazen des wissenschaftlichen Arbeitens unter der Woche. Und wie das manchmal so beim Bummeln ist, sieht man einen Laden und geht hinein – einfach nur mal gucken. Bei Bücherläden ist das bei mir ja mit beruflichem Interesse verbunden: Wie macht das die Konkurrenz? Was haben die Neues, Anderes, Besonderes? Wie präsentieren die? So Sachen, die einen eben interessieren, wenn man im Buchladen arbeitet.

Jedenfalls gab es in dem Buchladen in Leipzigs Innenstadt eine tolle Abteilung für englische Bücher. Mit einer tollen Auswahl. Unter anderem gab es dort auch Deathless. Darauf bin ich durch das tolle rote Cover aufmerksam geworden. Deathless gibt es nur in englischer Sprache, eine deutsche Übersetzung gibt es bislang nicht und ist meines Wissens auch vorerst nicht geplant. Wobei ich mir das natürlich wünschen würde.

Der Inhalt von Deathless

Marya Morevna ist die Jüngste von insgesamt vier Schwestern. Sie sieht Dinge, die normale Menschen für gewöhnlich nicht sehen. Marya lebt in einem Haus in St. Petersburg bis einestages ein junger Mann auftaucht und um Marya´s Hand anhält. Sie wusste schon eine ganze Weile zuvor, dass er kommen wird. Die Hauselfen haben es ihr verraten. Bei diesem jungen Mann handelt es sich um den Zaren des Lebens, Koschei den Unsterblichen. Natürlich heiraten sie, es ist Bestimmung. Marya folgt ihren Zaren in den Krieg.

Meine Meinung

Während meiner Schulzeit hatte ich 5 Jahre lang Russisch gelernt. Ein wenig ist davon sogar noch übrig. Für die russischen Begriffe in Deathless reicht es zumindest. Auch durch diese Vorkenntnisse war ich sofort vom Klappentext des Buchs fasziniert.

That´s how you get deathless volchitsa. Walk the same tale over and over, until you wear a groove in the world, until even if you vanished, the tale would keep turning, keep playing, like a phonograph, and you´d have to get up again, even with a bullet through your eye, to play your part and say your lines. – S. 110

In Deathless wimmelt es nur so von russischen Märchen- und Sagengestalten. Koschei ist da nur die Spitze des Eisbergs. Vielen dürfte auch Baba Yaga bekannt sein, oder die Feuervögel oder auch Iwan. Für mich macht gerade auch diese Vielfalt an Figuren aus verschiedensten Geschichten den Reiz von Deathless aus. Russische Märchen sind noch nicht so bekannt und ausgeluscht, wie es beispielsweise Grimms Märchen sind, in belletristischen Büchern. An ihnen haftet immer noch der Hauch des Magischen, Mysthischen und vielleicht sogar Exotischen oder Unbekannten.

If the world is divided into seeing and not seeing, Marya thought, I Shall always choose to see. – S. 24

Wenn ich nun genau definieren müsste, ob Deathless ein Jugendbuch oder ein Buch für Erwachsene ist. Ich könnte es nicht. Deathless ist ein Grenzgänger zwischen Märchen, Phantastik, Unterhaltung, Lebensweisheit und Kulturschock. Eigentlich dreht sich das Buch in erster Linie um die Frage „Who is to rule?“ also „Wer hat das Sagen?“ . Deathless handelt von Liebe und Macht.

In both marriage and war you must cut the things people say like a cake, and eat only what you can stomach. – S. 273

Besonders anziehend fand ich die Hauptfigur Marya Morevna. Sie ist keineswegs eine normale Frau. Marya ist gesegnet mit einem außerordentlichen Intellekt und einer sehr feinen Wahrnehmung. Sie ist durchtrieben. Sie ist sogar so durchtrieben, dass sie es schafft, Baba Yaga aufs Kreuz zu legen. Und das heißt etwas.

Frau Valente führt übrigens auch einen eigenen Blog.

Fazit

Wer Lust hat auf etwas nie Dagewesenes, der greife bitte unbedingt und ausdrücklich zu Deathless.