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Die 5 ungewöhnlichsten Liebesgeschichten

Liebesgeschichten

Es ist Frühsommer, die Sonne scheint, die Blumen blühen und Menschen verlieben sich. Oder sie trennen sich gerade oder sie haben Liebeskummer oder sie heiraten doch. Besonders zu dieser Zeit im Jahr gibt es viele Hochzeiten und genau das nehme ich zum Anlass, um 5 Liebesgeschichten vorzustellen, die ich sehr gern gelesen habe. Ich verspreche dir, dass es sich dabei nur um den minimal erforderlichsten Kitsch handelt, der eben für so eine Liebesgeschichte nötig ist.

1. Deathless von Catherynne M. Valente

Gewiss ist das keine klassische Liebesgeschichte: Es geht um Marya Morevna, die als kleines Mädchen Dinge sieht, die sie eigentlich nicht hätte sehen sollen. Zum Beispiel wie Vögel sich in Männer verwandeln, nur um dann an der Haustür zu klingeln und um die Hände ihrer Schwestern anzuhalten. Das geht nicht gut aus. Irgendwann steht dann Koschei der Unsterbliche höchstpersönlich vor der Tür und möchte Marya. Koschei ist eine russische Sagengestalt und belästigt dort sehr häufig junge Frauen. Er bewahrt seinen Tod außerhalb seines Körpers in einem Ei, welches in einer Ente ist, welche in einem Hasen ist, der wiederum in einer Eisenkiste sich befindet, die unter eine Eiche auf einer Insel begraben ist. Der besondere Reiz dieser Geschichte geht von den vielen russischen Sagen aus, die Catherynne M. Valente eingeflochten hat. Leider ist das Buch bislang nicht auf Deutsch erhältlich.

2. Agnes von Peter Stamm

Peter Stamm ist für mich der Schweizer Meister der Erzählung und besonders gut kann er von der Liebe erzählen. Er bleibt immer irgendwie ruhig, fast schon sachlich, aber der Leser merkt, dass Stamm tatsächlich an die Liebe glaubt. Agnes ist eine junge Frau, die der namenlose Ich-Erzähler in der Public Library in Chicago zum ersten Mal sieht. Flüchtige Blicke treffen sich, ein Kaffee wird gemeinsam getrunken und die Hormone beginnen, zu tanzen. Und doch erfährt der Leser zuerst, dass Agnes tot ist, getötet durch eine Geschichte. Was ist da nur passiert?

3. Djamila von Tschingis Aitmatow

Untertitel: Die schönste Liebesgeschichte der Welt. Und wohl auch die älteste Geschichte in meiner Liste. Und noch etwas fällt mir auf – Tschingis Aitmatow ist bereits tot, alle anderen Autoren, die ich heute erwähne, sind noch am Leben (und das noch hoffentlich möglichst ewig).

Der Erzähler ist Said, ein fünfzehnjähriger Junge und er erzählt die Geschichte seiner Cousine Djamila. Djamila ist verheiratet mit Sadyk. Sie ist unglücklich verheiratet, denn Djamila liebt ihren Sadyk nicht. Er kämpft gerade im Krieg – im Großen Vaterländischen Krieg, wie er im heutigen Russland bezeichnet wird, für uns ist es der Zweite Weltkrieg. Und dann lernt Djamila auf einer der täglichen Getreidefuhren zum Bahnhof Danijar kennen. In der DDR war dieses Buch übrigens Pflichtlektüre, was dieses Buch aber keinesfalls abwertet.

4. Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Dieses Buch ist spätestens seit seiner Verfilmung berühmt und wohl auch das bekannteste Buch in meiner Liste. Lange Zeit habe ich mich dagegen gewehrt, weil ich Bedenken hatte bei einem Krebsbuch. Krebs, der nahende Tod, die unendliche Tragik – das ist nichts für mich, das ist zu sehr Kitsch. John Green schreibt aber nicht kitschig und genau deshalb möchte ich dir dieses Buch empfehlen.

Hazel hat Krebs in Schilddrüse und Lunge und sie wird sicher nicht mehr lange leben. Sie hat keinen Bock auf andere Menschen, ist eigenbrötlerisch, möchte keine Freundschaften schließen und am liebsten den ganzen Tag in ihrem Zimmer hocken. Aus Liebe zu ihrer Mutter nimmt sie jede Woche an dem Treffen einer Selbsthilfegruppe teil. Es ist nervig. Irgendwann ist auch Augustus da bei diesem Selbsthilfegruppentreffen und Hazel merkt, dass nicht alle Menschen nerven.

5. Der Schrecken verliert sich vor Ort von Monika Held

Lena und Heiner sind ein Paar. Ein sehr ungleiches Paar. Da wäre Lena, die fröhlich und optimistisch ist – sie kann nichts umhauen. Und Heiner, der heimgesucht wird von den Schrecken seiner Vergangenheit. Er wird gequält. Es sind die Erinnerungen an seine Haft in Auschwitz.

Heiner war Zeuge bei einem Gerichtsprozess gegen ehemalige Mitarbeiter im Konzentrationslager Auschwitz und bei diesem Prozess lernte er auch seine Lena kennen. Die Liebe zwischen Heiner und Lena ist besonders: Keiner kann sie erklären, die beiden sind so ungleich und lieben sich doch mit ihren Fehlern.

Kommentierfrage: Kennst du noch andere ungewöhnliche Liebesgeschichten?

6 Kommentare

  1. Vielen Dank. Ein schöner Zeitpunkt für solche Empfehlungen. das erste Buch interessiert mich besonders. In welcher Sprache hast Du es dann gelesen? Wenn es auf Englisch habbar ist ist alles gut.

  2. Schöne Liste Janine und wie erwartet ungewöhnlich! Ich finde Djamila sehr interessant und muss mal meine Mutti fragen, ob sie es kennt. Theoretisch müsste sie es ja auch gelesen haben ^^

    Kitscharme Liebesgeschichten kenne ich eigentlich gar nicht denke ich. Aber so eine gute Portion davon kann ich persönlich ganz gut vertragen. Aber als äußerst schöne Liebesgeschichten empfand ich „Der Kuss des Kjer“ von Lynn Raven und „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes. Beide auf ihre Art besonders, romantisch und nicht übermäßig kitschig. Gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten!

    Liebste Grüße,
    Diana

  3. Liebe Andrea,
    ich habe Deathless auf Englisch gelesen. Im Buch kommen aber auch viele russische Begriffe vor, allein wegen der Sagengestalten. Es ist schon anspruchsvoller als bspw. John Green auf Englisch zu lesen.
    Von Catheryne M. Valente gibt es bisher zwei Bücher im Bereich Fantasy-Jugendbuch auf Deutsch übersetzt.

    Viele Grüße,
    Janine

  4. Liebe Diana,

    also meine Mutti kannte Djamila, hat aber auch diese Russisch-Spezial-Klasse besucht, die waren in der Hinsicht ja ohnehin mehr gestraft. 😉
    Jojo Moyes und „Ein ganzes halbes Jahr“ habe ich auch gelesen, das hatte mir damals Spaß gemacht, ist aber kein Buch für jeden Zeitpunkt bei mir.
    Viele Grüße,
    Janine

  5. Hallo Janine,

    eine interessante Liste, da gibt es noch viel zu entdecken für mich. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ habe ich bisher nur als Film gesehen und fand die Story schon ziemlich kitschig. Hast du den Film auch gesehen und gibt es da einen Unterschied zum Buch?

    Ich lese auch immer wieder gern „Die Legende vom Glück ohne Ende“ von Ulrich Plenzdorf. Eine sehr unkitschige Liebesgeschichte, aber dann doch tragisch am Ende.

    Liebe Grüße
    Juliane

  6. Hey,

    den Film zu „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ habe ich bisher leider nicht gesehen, deshalb kann ich dir jetzt leider nicht sagen, wie viel kitschiger der Film im Vergleich zum Buch ist. Ich weiß, dass bei Margo diese ganze melancholische Art von John Green im Film überhaupt nicht da ist – es erinnert mehr an einen gewöhnlichen Teenie-Film. Vielleicht ist es bei „das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ja ähnlich?

    Viele Grüße,
    Janine

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