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Über Erfolg und Scheitern beim Bloggen

Erfolg und Scheitern beim Bloggen FB

„Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ Diese Worte gab der Patron der Fließbandfertigung zum besten: Henry Ford. Und Ford muss es wissen als Gründer des gleichnamigen Autoherstellers – mit Sicherheit hat er in seinem Unternehmerleben Probleme kennengelernt, die nicht so einfach zu lösen waren. Sicherlich wurde auch er kritisiert für seine Entscheidungen, für seine Meinung oder die Krawatte, die er am Morgen gewählt hat. Aber genauso wird Ford in seinem Leben häufiger Gelegenheit gehabt haben, mit einem Glas Sekt auf den neusten Erfolg anzustoßen. Ich frage mich, was er wohl geantwortet hätte, bei der Frage, was sein größter Erfolg war. Wäre es die Gründung der Automarke Ford? Wäre es die Entwicklung der Tin Lizzy? Wäre es der Einfall mit dem Fließband? Keine Ahnung. Und keine Ahnung habe ich, wenn ich über meinen größten Erfolg beim Bloggen gefragt werde. Leider wurde ich das in den letzten Tagen auffällig häufig – erst bei der #MeettheBloggerDE Challenge von Anne Häusler und dann bei einem Interview für ein Magazin.

Was war dein größter Erfolg?

Nimm dir eine Minute. Überleg mal. Was fällt dir ein?

Diese Frage ist wahnsinnig schwierig, sie ist so schwierig, dass ich dazu nie eine wirklich passende Antwort gebe. Ich fange dann an zu erzählen von meinen Erfolgen bisher beim Bloggen: von Interviews, Artikeln in Lokalzeitungen, Sponsored Posts oder von Bloggerkonferenzen. Was ist überhaupt dieser Erfolg? Ich habe keine Lust jetzt wie bei einer Seminararbeit für die Uni akribisch Definitionen aneinanderzureihen; du hast da wohl genauso wenig Bock drauf. Wenn es nach Mediadaten und Agenturen geht, dann wird der Erfolg von Blogs in erster Linie in Reichweite gemessen – Seitenaufrufe, Leser und Follower in den Sozialen Netzwerken. Aber ziehe ich daraus für mich als Person einen Erfolg daraus? Bin ich als Blogger die Anzahl der Facebook-Gefällt-mirs oder Twitter-Favs? Es ist natürlich schön, wenn die Leserschaft groß ist. Aber wirklich schön ist es doch erst, wenn ich mit meinen Lesern ins Gespräch komme. Meine Augen leuchten, wenn mir jemand über Instagram & Co. oder als Kommentar direkt auf dem Blog etwas schreibt, weil er von einer Sache genauso gefesselt war wie ich. So eine Nachricht macht auch mehr Mühe als ein kurzer Klick auf den Like-Button.

Geld ist gleich Erfolg?!

Eine andere Art den Erfolg beim Bloggen zu messen, wäre das Geld, das fließt. Aber fließt es denn überhaupt? Die überwiegende Anzahl der Blogger verdient mit ihrem Hobby kein Geld und will das auch nicht, soweit zumindest meine Erfahrung. Ich sehe die Formel Erfolg=Geld beim Bloggen ziemlich kritisch, denn wenn ich konsequent meine Einnahmen als Blogger maximiere, dann müsste ich doch eigentlich alles annehmen, was an Agenturspam in mein Mailpostfach wandert. Dann müsste ich eben zusagen, wenn mir der nächste Linkkauf für 50€ angeboten wird. Scheiß, auf die Leser, die dann eben einen richtig schlechten 300 Worte-Text vorgesetzt bekommen. Gerade den Vollblut-Bloggern wird bei diesem Gedanken wohl speiübel. Geld ist eine Form von Wertschätzung, aber keine ultimative Erfolgskennzahl.

Formen des Erfolgs

Wir hatten bisher Reichweite, Followerzahl, Feedback von Lesern und Geld als mögliche Erfolge beim Bloggen. Aber was ist denn mit anderen weichen Dingen, die so überhaupt nicht greifbar sind, aber sehrwohl erst durch das Bloggen kommen? Warst du schon mal auf einer Konferenz, einen Stammtisch oder einem Treffen, wo du andere Blogger erleben durftest? Was war das für ein Gefühl als du dich mit Leuten, mit ähnlichem Hobby unterhalten hast? Gleichgesinnte treffen und einfach stundenlang Quatschen über Lieblingsdinge, das fetzt doch! Oder noch ein anderes Beispiel aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz: Als ich mit dem Bloggen begann, hab ich mir alles selbst beigebracht: Wie setzt man WordPress auf? Wie bloggt man? Etc. Immer wenn ich nach stundenlanger Arbeit an einem Problem endlich die Lösung hatte, war ich richtig zufrieden mit mir! Ich war stolz auf mich, ich hatte etwas Neues gelernt und ich kriege das alles schon irgendwie hin. Manchmal kann es auch schon ein Erfolg sein, wenn endlich ein Artikel fertig geschrieben wurde. Es gibt solche Themen, die mich sehr bewegen, wo ich aber auch sehr lange überlegen muss, wie ich diese überhaupt in einen Text pressen kann. Da ist der Klick auf „Veröffentlichen“ wie eine Mutprobe pupertierender Dreizehnjähriger – wenn es vorbei ist, dann wird das Herz leicht und es hebt ab.

Und was ist, wenn ich scheitere?

Ich könnte dir jetzt noch irgendwelche Lebensweisheiten oder Phrasen über das Weitermachen erzählen. Klar, gehört es dazu, dass nicht alles klappt. Und ja, es gibt Kritik und es gibt manchmal auch beleidigende Worte. Die gibt es aber nicht nur beim Bloggen. Im April war ich zum ersten Mal in meinem Leben Referentin auf einer Konferenz. Als die Anfrage kam, musste ich erstmal ein inneres Zwiegespräch führen: Kann ich das? Kann ich als kleiner Nischenblog vor unbekannten Leuten auf einer größeren Bloggerkonferenz über das Thema Bloggerrelations sprechen? Puh. Minuten vergingen. Ich hadere. Ich trau mich nicht, zu antworten. Ich trau mich einfach nicht. Scheiße, ich machs. Ich habe erstmal ja gesagt, in der Hoffnung, dass es dann schon irgendwie läuft. Um mir selbst die Angst zu nehmen, habe ich mich dann auf die Konferenz ziemlich intensiv vorbereitet: Habe auf Twitter einen Aufruf gestartet, etliche Zeit in Recherche gesteckt, Mails geschrieben und eine Präsentation designt. Ich habe mir richtig Mühe gegeben und meine Session vorher konzipiert. Ein Drittel halte ich Vortrag über Bloggerrelations und zwei Drittel soll dann untereinander diskutiert werden – jeder sollte etwas beitragen und für sich auch etwas mitnehmen können. Das war der gute Gedanke. Und dann lief alles doch ziemlich anders, ich hätte das nicht vorhersehen können. Meine Session war alles andere als angenehm für meine Zuhörer – die Atmosphäre war aggressiv und irgendwie wurde die ganze Diskussion immer wieder von den gleichen Menschen dominiert und es drehte sich immer wieder um das Thema Linkkauf. Manchmal kam es auch dazu, dass andere Blogger mehr oder minder direkt angegriffen wurden. Das war so nicht geplant, gewiss nicht. Ich hatte keine fluffig-flauschige Diskussion im Sinn, bei der sich alle lieb haben, aber auch keine Potenzdemonstrationen Einzelner. Was ich während meiner Session nicht gemerkt habe, war dass sich hier ein altbekannter Krieg in die nächste Schlacht begeben hatte: Hobbyblogger vs. professionelle Agenturmenschen. Aber nun ist es zu spät, ich kann mich trösten, dass für den einen oder anderen immerhin neues Wissen zutage kam und ich nicht nur mich selbst bzw. den Blog beworben habe.

Ich bin also irgendwie gescheitert. Aber deswegen höre ich nicht auf – beim nächsten Mal sage ich wieder ja. „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ (Samuel Beckett – als Autor oft gescheitert und doch berühmt geworden)

Was meinst du?

4 Kommentare

  1. Liebe Janine, vielen Dank für diesen Artikel! Ich bin noch nicht so lange im Blogger-Zirkus dabei, viel ist auf meinem Blog noch nicht zu sehen, vieles ist mir noch neu, ich probiere aus, ständig erlebe ich neue Reizüberflutngen… in dieser „Situation“ (das klingt jetzt hoffentlich nicht zu negativ) war der Artikel für mich besonders interessant. Vor allem das, was du über WordPress schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. „Da ist der Klick auf „Veröffentlichen“ wie eine Mutprobe“ – Ja! Genauso fühle ich mich auch immer! Aber wenn dann anschließend nur ein einziges Like oder vielleicht sogar ein Kommentar kommt, ist das die Belohnung. 😉

    Nochmals Danke für diesen schönen, wahren, ehrlichen Beitrag!

  2. Hallo literatewanderlust,

    danke für deinen Kommentar. Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Artikel auch Mut machen, das Bloggen zu wagen. 😉

    Viele Grüße,
    Janine

  3. Meinen bisher größten Erfolg hatte ich 2015. Als mich eine Mail eines damals 18-jährigen erreichte. Durch meinen Blog auf den „Geschmack“ gekommen, wolle er auch in die Naturschutz-Richtung gehen und ein Studium beginnen. Seitdem ist er am Ball und scheint seinen Weg zu gehen. So eine Meldung ist für mich mehr wert als alle Klicks der Welt.

  4. Lieber Thomas,

    mich hat auch schon mal jemand persönlich auf meinem Blog angesprochen, weil er den Blog quasi vor mir kennengelernt hat. Sowas ist großartig! Aber deine Geschichte ist natürlich noch schöner anzusehen. Es ist toll, wenn man mit seiner persönlichen Mission auch andere Menschen begeistern oder infizieren kann. 😉

    Liebe Grüße,
    Janine

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