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Das geheime Leben der Bäume [Gastbeitrag]

Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben

Der Wald und seine Geheimnisse. Vieles sind wir gerade dabei zu verstehen, aber bspw. das (intraspezifische) Verhaltensmuster  von Bäumen, wird uns noch lange beschäftigen. Bevor ihr jetzt in Richtung Wikipedia  abbiegt: Man unterscheidet zwischen intraspezifisch, Beziehungen einer Art/Population untereinander, und interspezifisch, Beziehungen von unterschiedlichen Arten/Populationen zueinander. Von Berufs wegen befasse ich mich mit Naturschutz und daher ist der Erhalt von Arten und Lebensräumen mein Steckenpferd und täglich Brot. Jedoch schaue ich auch privat immer wieder nach Möglichkeiten um den eigenen Horizont zu erweitern und was eignet sich da besser als Bücher?

Bücher mit Bezug zur Natur und Umwelt haben es mir daher besonders angetan und genau um solch eines dreht sich dieser Beitrag. „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben verspricht schon im Titel das Unbekannte und, um das Fazit gleich vorweg zu nehmen, es liefert auch. Durchweg auf hohem Niveau.

Das geheime Leben der Bäume 1

Förster – Die natürlichen Feinde der Biodiversität

Peter Wohlleben ist Förster. Damit gehört er einer Zunft an, die sich in Sachen Arterhalt und Biodiversität nicht allzu sehr mit Ruhm bekleckert hat. Bisher. Wie überall sollte man auch hier nicht alle Waldmänner über einen Kamm scheren, denn damit wird man solch Vorzeigekollegen wie Peter Wohlleben nicht gerecht. Um aus dem engen Korsett eines Staatsbetriebes auszubrechen hat er bei der Gemeinde Hümmel in der Schwäbischen Alb angeheuert und verwirklicht dort seinen Traum von einer nachhaltigen, ökologischen Waldwirtschaft. Wer ihn einmal reden gehört hat, ob im TV oder auf Lesungen, kann sich seiner empathischen und mitreißenden Art nicht entziehen und beginnt automatisch Gefallen am Thema zu finden. Der Naturschutz braucht meiner Meinung nach mehr solche Ikonen wie Peter Wohlleben und Jürgen Feder. Letzterer ist ein aus Bremen stammender, durch diverse TV-Formate bekannter Extrembotaniker, der es geschafft hat, praktisch über Nacht, die Massen für Botanik zu begeistern. Und genauso verhält es sich mit dem hier erwähnten Buch. Es fesselt einfach.

Inkognito: Das geheime Leben der Bäume

Obwohl ich versuche meine Bücher in digitaler Form zu lesen, muss es hin und wieder mal eines aus Totholz sein. Denn sind wir mal ehrlich. Das Gefühl ein gutes Buch in Händen zu halten und durch reale Seiten zu blättern, kann kein eReader ersetzen. Umso besser, wenn die Haptik einen guten Eindruck macht. Das ist hier der Fall. Ein stabiler Schutzumschlag bewahrt das Werk vor Blessuren und Schmutz, die Seiten sind angenehm stabil und aus FSC-zertifizierten Holz (ok, das ist heute fast Standard).

Die rund 220 Seiten umfassende Publikation ist in Kapitel gegliedert und bietet so eine Struktur, die logisch aufeinander aufbaut und auch Laien an das Thema heranführt. Und genau für diese Zielgruppe ist das Buch geschrieben wurden.  Aufgrund meines Jobs und meiner bisherigen Laufbahn (Darwins „Entstehung der Arten“ ist nicht ganz unbeteiligt daran, dass ich heute als Botaniker diese Zeilen verfasse) ist mir vieles was im Buch beschrieben wird bereits geläufig aber das schadet dem Lesevergnügen ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Laien bekommen einen Einblick in ein hochinteressantes Thema und Fortgeschrittene erhalten andere, neue Sichtweisen.

Aber worum geht es den nun? Um den Wald und das er viel mehr ist als ein Ressourcenlieferant. Wohlleben geht unter die Haut bzw. die Rinde der Bäume und zeigt auf eingängige Art Stoffkreisläufe, Verzahnungen im Geflecht Wald sowie Ein- und Auswirkungen auf das wohl artenreichste Ökosystem unserer Erde auf. Auf jeder Seite lauern praktische Beispiele und Tipps zum Nachmachen und Erkunden. An keiner Stelle wird das Buch langweilig. Für mich dann doch neu: das „Zwischenmenschliche“ unter den Bäumen oder habt ihr gewusst, dass Bäume miteinander sprechen, flirten oder sich aneinander erinnern? Glaubt ihr nicht? Könnt ihr aber. Alle Thesen und Theorien werden mit Quellen belegt und sind anschaulich erklärt.

Auch behandelt er das Thema Neophyten an diversen Stellen, ein Thema, welches von Förstern gerne verschwiegen wird. Bei neophytischen invasiven Pflanzen (bei Tieren heißt das Neozoen) handelt sich um Arten, die durch menschliches Zutun nach Europa oder Deutschland eingeschleppt wurden und aufgrund ihrer Eigenschaften heimische Arten verdrängen. So bekommen die aus  ursprünglich aus Nordamerika stammende Douglasie (Pseudotsuga menziesii) sowie die Roteiche (Quercus rubra) ihr Fett weg. Ebenso werden die schädlichen Auswirkungen dieser Arten erläutert. Für mich persönlich hat das Buch aber noch einen ganz anderen Mehrwert. So sehr ich mich auch bemühe, so oft es geht über den eigenen Naturschutz-Tellerrand hinauszuschauen. Es ist spannend und wichtig zugleich Einblicke in den Forstbereich zu bekommen und zu sehen, wie man da mit dem Thema Naturschutz umgeht.

Ebenfalls werden aktuelle Themen behandelt. Welche Rolle und Funktion hat der Wald im Klimawandel? Wieso ist Abholzung so fatal? Wieso hätte der Wald schon viel eher fit für das steigende Klima gemacht werden müssen? Peter Wohlleben scheut sich nicht Antworten auf unangenehme Fragen zu geben und so bleibt unterm Strich ein durchweg gelungenes und zu empfehlendes Buch. Die Ausredemit der fehlenden Zeit lasse ich hier nicht gelten. Die einzelnen Kapitel umfassen ca. 5-10 Seiten und eignen sich daher auch für zwischendurch. Also, ihr kennt den Weg zu eurem lokalen Buchdealer. Selten wurde in meinen Augen Wissen über den Wald, zwischen zwei Deckeln so anschaulich präsentiert.

Zum Autor:

Thomas EngstThomas Engst ist von Beruf Naturschützer. Ja das ist ein Beruf. Seine Leidenschaft für die Natur hat er sich im Kindesalter eingefangen und 18 Jahre später saß er dann im Hörsaal. In seiner spärlichen Freizeit durchstreift er (wie auch beruflich) die Landschaft und ist immer auf der Suche nach Neuem. Nebenbei spielt er Querflöte, betreibt Bogenschießen und füttert einen Blog. Seine Liebe zu Schottland bewog ihn dazu, sich einen Kilt zu kaufen und diesen hin und wieder auch zu benutzen.

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