Das Schisma der Buchblogger: Ein Kommentar

Das Schisma der Buchblogger

Gestern Vormittag wurde auf Zeit Online der Artikel „Dieses Buch wird Ihr Leben verändern!“  über Buchblogger veröffentlicht, seit dem überstürzen sich Rechtfertigungen und Ausbrüche des Ärgers. Aber interessiert sich dafür der Alltagsmensch? Denkt jetzt plötzlich die ganze Menschheit, dass Buchblogger weichgespülte Werbemaschinen sind? Wohl kaum. Einzig unter den Buchbloggern erhitzen sich die Gemüter, überhitzen sich dabei vielleicht und vergessen sich zu fragen, ob man denn nicht vielleicht etwas für das persönliche Bloggen aus dem Schmäh-Artikel der Zeit mitnehmen könnte.

Die Liebe zum Buch – Eine Religion?

Die Buchbloggerszene ist keine homogene Masse. Der Glaube an die Liebe zum Buch könnte vereinen, aber tatsächlich ist die Glaubensgemeinschaft der Literaturblogger geprägt von Schismen. Was, wenn Ana Maria Michel tatsächlich recht hat und es Blogger gibt, die eigentlich nur ein paar Gratisbücher abgreifen wollen und sich dafür zu schrillen Werbetrommel der Verlage machen lassen? Und womöglich ist es noch viel schlimmer und diese Blogger forcieren dies nicht mit Absicht, sondern merken es noch nicht einmal.

Warum könnten Literaturverrückte sonst noch bloggen? Gewiss gibt es auch die Buchblogger, die eigentlich nur so ein bisschen vor sich hinschreiben wollen, ein bisschen ihre Lieblingsbücher zeigen oder dem Freundeskreis vorstellen, was man gerade liest. Und dann gibt es wohl noch die ehrgeizigen Blogger, die in ihrer Literaturkritik schon ganz gern ernst genommen werden wollen und manchmal auch genommen werden. Deutlich wird das, wenn Tageszeitungen für ihre Rezensionen bei Buchbloggern abschreiben. Zusammenfassend könnten die Motive, warum die Jünger der Glaubensgemeinschaft „Die Liebe zum Buch“ bloggen, nicht unterschiedlicher sein. Und ich erwarte jetzt bitte Trollkommentare, warum ich Ana Maria Michel recht gebe und nicht abstreite, dass es nach Rezensionsexemplaren oder Klickraten geifernde Buchblogger gibt. Es gibt sie.

Wann kommt endlich der Messias?

Ich frage mich seit heute Morgen ernsthaft, warum ein einziger Artikel auf Zeit Online solche Empörungen hervorrufen kann. Was soll die Aufregung und die Wut? Sollte man sich als Buchblogger nicht lieber fragen, wie es passieren kann, dass man nicht ernst genommen wird? Ich frage mich das. Und ich frage mich, ob es nicht Wege gibt, wie ich es besser und professioneller machen kann. Nicht vergessen werden sollte bei all dieser Diskussion um Unterschiede und Gemeinsamkeit von Feuilleton und Buchbloggosphere, dass Blogger in der Regel nur ihrem Hobby nachgehen. Es gibt also möglicherweise Grenzen der Professionalität.

Das Schisma der Buchblogger FB

Vielleicht sollte eine Lösung im Vergleich mit anderen Bloggerszenen gesucht werden. Wo läuft es professioneller ab und nicht so heimelig-kuschlig? Wie hat sich das dort mit der Zeit entwickelt – also welche Probleme gab es und wie wurden diese gelöst? Aber vor dem sollte sich der Buchblogger Gedanken machen, wer er überhaupt sein möchte.

Wenn der gemeine Buchblogger gern neben der Arbeit so ein bisschen vor sich hinbloggt und sich mit anderen über Bücher austauscht und ihm das reicht, dann ist doch die Aufregung um so ein paar Worte auf Zeit Online völlig unberechtigt. Denn dann gibt es an dieser Stelle doch kein Problem. Schwierig wird es für die Buchblogger, die mit ihrem Buchblog nach Reputation und eventuell auch Monetarisierung streben, denn diese greift der Artikel von Frau Michel mit der alles tötenden Verallgemeinerungskeule tatsächlich an. Aber wenn man ehrlich ist, haben diese Blogger auch größere Hindernisse zu bewältigen als so ein bisschen Diffamierung vonseiten des Feuilletons.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir Buchblogger sollten uns lieber überlegen, wohin wir tatsächlich wollen und wie wir das schaffen, als den Choral der beleidigten Leberwurst anzustimmen. Und allein mit diesen Worten gebe ich Ana Maria Michel bei einer weiteren Aussage recht: „Wahrscheinlich gibt es in keiner anderen Bloggerszene so viel Selbstreflexion wie in der, die über Literatur bloggt.“ Amen.

7 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben, liebe Janine!

    Ich persönlich fühle mich nicht angegriffen von diesem Artikel. Wie du bereits geschrieben hast, gibt es auch bei den Buchbloggern große Unterschiede. Ich blogge, weil es mein Hobby ist, weil es das auch bleiben soll. Ich liebe die bunte Vielfalt der Buchbloggerszene, die Außenstehende wahrscheinlich nicht sehen können oder gar verstehen wollen. Ist ja auch Wurscht, aber nicht Leber, denn warum sollte ich beleidigt sein. Im Grunde zeigt der Artikel auch, dass es uns gibt. 😉 Ich habe mich in den letzten Monaten immer wieder selbst hinterfragt, entwickel mich weiter und nur das zählt für mich. Und ja, manchmal bin ich auch froh, wenn mein Geschwafel jemanden interessiert.

    Ganz liebe Grüße
    Karin

  2. Amen.

    Gute Artikel, der die andere Seite der Medaille gut darstellt. Ich hoffe, diesen Artikel werden noch viele Buchblogger lesen und sich mit diesem Aspekt auseinandersetzen.

    Schwarze Schafe hat jede Szene und damit gibt es immer Kritikpunkte. Und was hat uns Mutti (hoffentlich) schon früh beigebracht: aus Fehlern lernt man, genau wie man aus Kritik viel Gutes schöpfen kann.

  3. Mein Blögchen ist wie mein Wohnzimmer. Ich betreibe ihn als Hobby und habe nicht den Ehrgeiz, damit reich und berühmt zu werden. Ich finde einige Aussagen von Fr. Michel etwas seltsam und… na ja… fast schon etwas dümmlich. Aber ansonsten geht er mir am Allerwertesten vorbei. Ich lese viel lieber die Reaktionen anderer Blogger darauf, da ich die unterschiedlichen Meinungen dazu sehr interessant finde. 🙂

    Liebe Grüße
    Bianca

  4. Statt beleidigt zu sein, sollten Buchblogger sich eher geschmeichelt fühlen. Nur wer wahrgenommen wird, wird auch kritisiert. Wenn Ana Maria Michel in der Zeit Buchblogger kritisiert, heißt das für mich, dass sie als ernsthafte Konkurrenz gesehen werden. Das ist doch erst mal nicht schlecht 🙂 Natürlich gibt es schwarze Schafe – bei den Buchbloggern genau so wie in anderen Gruppen.

  5. Ich verstehe ehrlich gesagt, die ganze Aufregung nicht. Wenn einer bloggt, soll er das doch machen, wie er es für richtig hält. Ich meinerseits blogge, weil ich daran Freude habe und es mir Spaß macht. Aber nicht um großartig Geld damit zu verdienen. Klar möchte ich auch einen guten Ruf haben und icht das schwarze Schaf sein. Aber ich finde, wenn man ehrlich bloggt und auch gewisse Arbeit reinsteckt, dann hat man den guten Ruf. Klar, jeder Blogger freut sich um Aufmerksamkeit, dafür steckt man ja Zeit und Arbeit in den Blog.
    Trotzdem, meine Erfahrung hat es mit der Zeit gebracht, das mein Blog recht gut ist und auch begeistern kann. Zumindest habe ich jetzt wieder die Erfahrung auf der Leipziger Buchmesse gemacht. Und ehrlich – jeder Blogger, oder die meisten, hat doch auch auf eine Art sein „Verdienst“: kostenlose Bücher, Eintrittskarte gratis usw. Das zählt doch auch, oder??? Und wenn das ein Blogger nicht zu schätzen weiß, der ist selber Schuld!!!!!

  6. Ich sehe es ja auch so, dass jeder darüber entscheiden sollte, was er mit seinem Blog macht. Rezensionsexemplare und die Teilnahme an Veranstaltungen sind auch schön, aber das reicht eben nicht jedem. Und bei dem das so ist, der muss dafür etwas tun und sich nicht in Selbstmitleid suhlen.

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