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Aldi- einfach billig von Andreas Straub [Rezension]

Aldi einfach billig Andreas Straub

Einer der wenigen Momente, in denen ich mich von der Spiegel-Bestseller-Liste hab beeinflussen lassen. Nun gut, nicht gänzlich. Zuvor habe ich noch einen Artikel bei der Wirtschaftswoche online gelesen. Von daher war ich nicht ganz unbelastet. Aber als ich das Buch dann im Regal der Spiegel-Bestseller gesehen habe, musste ich einfach zugreifen.  Anders ging es nicht.
Das Cover hat aber nicht zum Kauf beigetragen, das ist ultimativ-hässlich. Ich denke, es war die Absicht vom Verlag das Cover so grauenhaft zu gestalten, dass es sich unweigerlich in die Augen der Kunden einbrennt. Herr Straub selbst sieht auf dem Cover nicht ganz taufrisch aus, eher müde und fertig. Eine Anspielung auf das, was Aldi mit den Mitarbeitern macht? Ich möchte mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wobei der Inhalt des Buchs meinen Verdacht nahe legt. Der Hintergrund hat auch einen total komischen Farbverlauf, da weiß ich nicht, was Rowohlt damit bezwecken wollte. Ok, genug gelästert.

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Zum Inhalt

Andreas Straub trat frisch nach dem Studium eine Stelle als Bereichsleiter bei Aldi Süd an. Als Bereichsleiter ist man zuständig für 6-8 Filialen. In seinem Debüt deckt Herr Straub die Arbeitsmethoden hinter den Kulissen von Aldi auf: Der Umgang mit dem Mitarbeiter, mit Lieferanten und auch mit dem Kunden.

Extrem hoher Arbeitsdruck, Einschüchterung und Willkür, Entlassungen als Personalpolitik, perfide Überwachungsmethoden und Spitzeleien, Kostendruck und umfassende Kontrolle
Aldi wird in diesem Buch schonungslos von seiner schlechten Seite gezeigt. Wo doch Aldi die Lebensmittellandschaft in Deutschland geprägt hat wie kaum ein Zweiter als Mutter aller Discounter. Aldi sorgte dafür, dass sich die Discounter-Mentalität so tief in das deutsche Bewusstsein beim Lebensmittel eingebrannt hat. Geiz ist geil, oder?

Meine Meinung

Harter Stoff für uns Deutsche. Jetzt ist die Frage, haben wir das Buch gebraucht? Beziehungsweise gebraucht haben wir es schon, um unser Bewusstsein zu schärfen und unsere Gewohnheiten zu überdenken. Aber lernen wir auch daraus? Das muss ich leider offen lassen.
Sehr zugutehalten muss ich die Objektivität, mit der Herr Straub seine Erlebnisse und Erfahrungen schildert. Toll! Das Buch ist kein Racheakt an Aldi, es soll aufklären, aber nicht aufhetzen. Viele der beschriebenen Missstände kann man sich als Kunde wahrscheinlich auch so denken. Ich würde gern wissen, ob Aldi juristisch etwas gegen das Buch unternommen hat oder es zumindest versucht hat.
97% aller Deutschen kaufen irgendwann mal im Discounter.  Nachdenklich sollte stimmen, dass die Zustände bei Aldi auch bei so ziemlich allen anderen Discountern vorzufinden sind. Herr Straub betont diesen Sachverhalt extra, am Ende des Buchs bewirbt er sich auf eine Stelle bei Lidl und schildert kurz das Bewerbungsgespräch. Logisch, dass er die Stelle nicht möchte, sondern sich aus reiner Neugier bewarb.

Der Autor verfügt über einen kurzweiligen und leicht verständlichen Schreibstil. Virtuos ist dieser zwar nicht, aber das habe ich auch nicht erwartet. An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Anschauungsmaterial gewünscht, also mehr Schemata, Protokolle oder Ähnliches, bitte! Deshalb gibt es auch Punktabzug.

Lernen konnte ich viel, beispielsweise zählen Kenntnisse im Arbeitsrecht und menschliche Abgebrühtheit mehr als Kreativität und innovative Ideen. Das finde ich als BWL-Studentin traurig, ich hab mir immer eingebildet auf eine geistig-schöpferische Tätigkeit vorbereitet zu werden beim Studium. Bei Aldi zählt nur das Funktionieren. Ist das nicht frustrierend für einen studierten Menschen? Das muss jeder für sich entscheiden.

Soll man jetzt, nach Lesen des Buchs überhaupt noch beim Discounter einkaufen? Also Lust hat der Leser danach jedenfalls keine mehr. Aber ist das auch umsetzbar? Mit Anstrengungen sicher, sehr verlockend ist jedoch die ständige Erreichbarkeit der Discounter. In jedem Kuhdorf gibt es einen oder mehrere  Discounter. Ausweichen ist da nicht einfach.

Fazit

Andreas Straub ist mit Aldi- einfach billig ein aufklärendes Buch über die Discounter-Kultur gelungen.

Für Leute mit erhöhtem Informationsbedarf: http://www.andreasstraub.com/

5

 

 

 

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