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Tabea Mußgnug: Nächstes Semester wird alles anders …

Wer heute mit Mitte zwanzig an einer Uni studiert, ist sich sicher, dass er wahrscheinlich niemals erwachsen werden wird. Als die eigenen Eltern in dem Alter waren, waren sie schon verheiratet und die Großmutter hatte mit Mitte zwanzig schon 4 Kinder oder so. Der moderne Student hat dagegen nur 4 absolvierte Seminare, unzählige Vorlesungen und mit etwas Glück eine Bachelorarbeit/Masterarbeit vorzuweisen. Dieses Schauspiel sieht für den Außenstehenden ganz intelligent aus, bedeutet aber kaum etwas außer jeder Menge Freizeit und Langeweile. Aber das macht nichts. Und es macht auch nichts, dass besagter Student eigentlichen keinen Plan hat, was er da macht oder in Zukunft mit seinem Leben anstellen will. Diese Sätze fassen Tabea Mußgnugs Buch „Nächstes Semester wird alles anders“ ganz gut zusammen. Ich kanns sogar noch komprimierter: Studenten werden nie erwachsen und haben keine Ahnung, was sie werden wollen – aber alles wird gut!

Die Wahrheit über das Studentenleben oder auch Langeweile ohne Ende

Für diese Weisheit brauchst du kein Buch lesen, zumindest jetzt nicht mehr. Ich hätte das Buch auch nicht lesen müssen, das wusste ich aber erst hinterher. Wieder etwas Lebenszeit verschenkt, die 3 Stunden werden mir am Ende sicher fehlen. Ich hatte mich locken lassen von interessanten Auszügen auf den Webseiten der FAZ und des Spiegels. Wie hätte ich ahnen können, dass diese Texte schon das Beste am Buch waren und der Rest nur noch ermüdend ist? Und ich hatte mir auch versprochen, dass ich erfahre, wie andere Studenten ihre Probleme lösen, die meinen sicher nicht ganz unähnlich sind. Am Ende wurden aber keinerlei Probleme gelöst, es wurde nur immer wieder beschworen, dass alles schon irgendwie gut werden wird. Keine Sorge!

Diese Aussage ist so platt, ich bekomme jetzt noch Wut, wenn ich allein an „Nächstes Semester wird alles anders“ denke – für Gottvertrauen gehe ich in die Kirche. Die Schilderungen über Studenten sind auch nur bedingt wahr, Tabea Mußgnugs Sätze sollten nicht auf alle Studenten angewendet werden. Mir kam noch kein normaler Wochentag unter, an dem mein größtes Problem Langeweile war und meinen Kommilitonen geht es da ähnlich. Gut, man kann sich die Situation auch selbst verschärfen, indem man sich einen anspruchsvolleren Studiengang, einen Nebenjob oder ein Ehrenamt sucht.

„Nächstes Semester wird alles anders“ – Ein Studienführer ohne Plan

Beworben wird Tabea Mußgnugs Buch auch als Studienführer oder Studienratgeber. Das ist kompletter Blödsinn, hier wird niemanden irgendein sinnvoller Ratschlag erteilt. Das Buch schwappt voller Klischees und Stereotypen über. Mich wundert, dass die Seiten noch die Buchstaben bei sich behalten können. Wahrscheinlich soll es lustig sein, sich über Maschinenbau-, Theologie- oder Jurastudenten lustig zu machen. Nach Meinung der Autorin sind Geisteswissenschaftler sowieso die einzigen coolen Studenten. Scheiß drauf, ob man nach dem Studium einen Job bekommt und sich ohne Zuschuss der Eltern ein Auto leisten kann. Hauptsache, man kann mit Lederhandtasche in die Vorlesung gehen – Unterlagen sind nicht notwendig, die einen Rucksack rechtfertigen. Nach der Vorlesung schwebt die Geisteswissenschaftlerin dann top gestylt mit Dutt in die Mensa zum Mittagessen ein. Herzlichen Glückwunsch. Generell kann jeder Studiengang an den Klamotten seiner Studenten erkannt werden. Kommen jetzt noch wirklich sinnvolle Informationen zur Studienwahl? Oder zur Lösung der Quarterlifecrisis?

Ihr ahnt es schon: Nein. Viel lieber widmet sich Tabea Mußgnug noch in einem Drittel des Buchs ihrer Abiturzeit, was auch immer diese mit dem Studium zu tun hat. Und in den restlichen 2 Dritteln versucht sie krampfhaft lustig zu sein. Der Humor dieses Buchs ist auf den ersten 5 Seiten auch ganz lustig, aber spätestens ab dann nervt er. Es ist zu viel. Zu viel oberflächliches Gekicher, zu wenig Inhalt, der den Leser weiter bringt.  In meinen Augen, kann „Nächstes Semester wird alles anders“ nicht mal als Unterhaltungsliteratur verkauft werden: Unterhalten wird hier keiner wirklich gut außer die Verwandten und ehemaligen Kommilitonen von Frau Mußgnug. Anders kann ich es mir nicht vorstellen, warum sie ermuntert wurde, dieses Buch zu schreiben.

Fazit

„Nächstes Semester wird alles anders“  ist ein autobiografisches Buch über die Studienzeit ohne wirklichen Neuigkeitswert. Keinesfalls lesen.

Kommentierfrage: Welches Buch hat euch zuletzt so sehr aufgeregt wie mich Tabea Mußgnugs  „Nächstes Semester wird alles anders“?